Buchkritiken

 

 

Buchkritiken

 

Die Giordano Bruno Stiftung schrieb am 31. März 2010 in ihrem regelmäßig erscheinenden Newsletter: 

Es gibt mittlerweile eine beträchtliche Anzahl von Büchern, in denen ehemals gläubige Autoren ihre Befreiung von religiösen Dogmen sowie ihren Weg zu einem neuen, in sich konsistenten säkularen Weltbild schildern. Zwei Bücher ragen aus der Masse der Veröffentlichungen heraus: Uwe Lehnerts „Warum ich kein Christ sein will“ und Reinhold Millers „Gott, ein Geschöpf des Menschen“. Beide Autoren sind Mitglieder des gbs-Förder­kreises und waren viele Jahre lang als Didaktiker tätig, was man ihren Büchern wohltuend anmerkt.

Uwe Lehnert: Warum ich kein Christ sein will – Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung. 3. Auflage, 389 S., Teia Verlag, Berlin 2009, 19,95 €.

Uwe Lehnert war bis 2002 Professor für Bildungsinformatik an der Freien Universität Berlin. Im Jahr 2000 wurde er mit dem „Wiener-Schmidt-Wissenschaftspreis“ ausgezeichnet. In seinem Buch „Warum ich kein Christ sein will“ skizziert Lehnert zunächst den Stand der heutigen Naturwissenschaften, insbesondere der Kosmologie, der Quantenphysik, der Evolutionsbiologie und der Hirnforschung und fragt nach deren philosophischen und theologischen Konsequenzen.

Im zweiten Teil befasst sich der Autor mit der Lehre und Geschichte des Christentums und der Kirche und beurteilt sie im Lichte der Vernunft und heutiger wissenschaftlicher Erkenntnisse. Im letzten Teil formuliert er – von den Ergebnissen der vorangehenden Teile ausgehend – ein naturalistisch-humanistisches Lebensmodell, das … in erstaunlicher Weise mit den Einsichten korrespondiert, die Michael Schmidt-Salomon in seinem etwa zeitgleich erschienenen Buch „Jenseits von Gut und Böse“ darstellte.

Unser Fazit: Ein überaus kluges, didaktisch hervorragend gemachtes Buch, das es auch interessierten Laien ermöglicht, die zentralen Grundideen einer humanistisch-naturalistischen Weltsicht zu verstehen. (Diese Kritik bezog sich auf die 3. Auflage!)

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Die Auflagen 1 bis 6 erhielten beim Buchversender Amazon – Stand 14. November 2016 – insgesamt 108 Rezensionen. Davon sind 87 5-Sterne-Rezensionen, also mit der höchsten positiven Bewertungsstufe, eingestellt wurden. Die Daten wurden den beiden Amazon-Buch-Seiten zur 5. sowie 6. Auflage entnommen.

Zusammen mit Rezensionen bei anderen Buchversendern, die durchweg mit 5 Sternen bewertet wurden, und weiteren positiven Kritiken auf anderen Internetseiten sind insgesamt etwa 120 Rezensionen abgegeben worden. Von den 120 sind 85 Prozent zustimmend.

Zu fast allen Rezensionen bei Amazon gibt es Kommentare von Lesern. Bemerkenswert ist, dass vor allem die ablehnenden Rezensionen weit über 1000 (!) Diskussionsbeiträge auslösten. Sie wurden von zustimmenden wie kritisch-ablehnenden Diskussionsteilnehmern verfasst.

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Der Humanistische Pressedienst veröffentlichte folgende empfehlende Rezensionen:
Am 3. März 2010: http://hpd.de/node/8967
Am 10. Sept. 2010: http://hpd.de/node/10184
Am 16. Dez. 2015: http://hpd.de/artikel/12543

Der Humanistische Pressedienst führte am 2. April 2010 ein Interview mit dem Autor über sein Buch:
hpd-Interview: http://hpd.de/podcast/seite/5/0
Das dreiviertel-stündige Interview gibt einen Überblick über den Inhalt des Buches und die grundsätzlichen Auffassungen des Autors zu Christentum und Kirche.

 

Nachfolgend eine fast willkürliche Auswahl von zustimmenden Rezensionen, teilweise gekürzt, die vor allem beim Buchversender Amazon für die Auflagen 1 bis 6 eingestellt wurden;

 

Elke Metke-Dippel: Ein Vorbild der intellektuellen Redlichkeit

Es ist diese „intellektuelle Redlichkeit“, die Uwe Lehnert einfordert und die er in seinem Buch dem Leser vorlebt, die ich während der Lektüre am meisten geschätzt habe. Selbst aus evangelikalen Kreisen stammend kann ich seit einigen Jahren nicht genug Bücher in Sachen Religionskritik lesen – von Ranke-Heinemann über Deschner bis Dawkins, Bergmeier, Kubitza und Lüdemann, Buggle, uvm … und jetzt Uwe Lehnert.

Obwohl ich mit einigen Fakten bereits vertraut bin, hat mir Uwe Lehnerts Buch viel gezeigt, gerade im ersten, wissenschaftlichen Teil über Erkenntnistheorie, Zeit & Raum und den unschätzbaren Wert der Wissenschaft. So ermutigt Uwe Lehnert die Menschen, ihren eigenen Wahrnehmungen und Erkenntnissen zu vertrauen: sie liefern „nicht völlig falsche Ergebnisse“, da sie sich „offensichtlich im Prozess der Evolution bewährt haben“. Obwohl der Mensch im Vergleich zu dem Raum, der ihn umgibt, verschwindend klein ist und den äußeren Randbereich nicht mehr „begreifen“ kann, und obwohl die wissenschaftlichen Erkenntnisse ergebnisoffen sind und eines Tages durch neue ergänzt oder als nicht mehr „wahr“ offen gelegt werden können, ist das jetzige Wissen deshalb nicht „falsch“.

Lehnert setzt den Argumenten der Gläubigen – wer „Gott“ nicht wahrnehme, verschließe sich mutwillig einer höheren (logischen) Erkenntnis, oder die Wissenschaft sei lediglich eine Anhäufung von Vermutungen und könne keinerlei Aussage zu eine möglichen Existenz eines Schöpfers machen – auf sehr gut erklärte und logische Weise die erhobene Hand der Vernunft entgegen – ohne dabei mit dem Zeigefinger zu wedeln.

Der Abschnitt „Naturwissenschaft, Religion und menschliches Selbstverständnis“ behandelt die Entwicklung der menschlichen Sinnesorgane und des Nervensystems sowie das schwierige und bisher noch nicht völlig „verstandene“ Verhältnis von „Geist zu Gehirn“ – eine Fundgrube von erstaunlichen und ernüchternden Fakten. Der Mensch, lediglich ein komplexes Gebilde ohne Seele? Obwohl es erschütternd sein mag, können wir die wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht ignorieren, so Lehnert, denn wir nehmen ihre Vorteile tagtäglich in Anspruch. Er geht der komplexen Frage nach der „Willensfreiheit“ nach, von den Überlegungen der Philosophie bis zu den Erkenntnissen der Neurobiologie: hier herrscht die Erkenntnis, dass der menschliche Wille von „unbewusst handelnden Instanzen vorbereitet“ wird. Anschließend beschäftigt sich Lehnert mit den moralischen und theologischen Konsequenzen und den Aussagen der Philosophie zum Thema „Schuld“ sowie mit der Frage nach einer „Moral ohne Gott“.

Der Autor verlässt seinen ruhigen und dennoch eindringlichen Ton nicht, selbst wenn er über die Moral der „Vertreter Gottes auf Erden“ spricht und die mannigfachen Absurditäten der Glaubenswelt entlarvt. Keine Selbstverständlichkeit. Die fehlende Polemik, sei sie noch so verständlich, wenn es um Glaubensdinge geht, ist bewundernswert – schon allein deshalb ist das Buch unbedingt zu empfehlen.

Uwe Lehnert Abschied vom Christentum ist ein gründliches, wissenschaftlich fundiertes, und persönlich ehrliches Buch. Es enthält so viele Fakten, dass es sich lohnt, es mehrmals zu lesen. Zweifler, Glaubensschwankende, Neugierige und Einsteiger in die Religionskritik sollten dies gründlich tun. Überzeugte Christen ebenso. Und bereits mit religionskritischen Büchern Vertraute auch.

 

Roswitha Braun: Sehr gründliche und intellektuell redliche Auseinandersetzung mit dem Christentum

|Als Studentin durch „Das Elend des Christentums“ religionskritisch „vor-sozialisiert“ stieß ich Jahrzehnte später auf Uwe Lehnerts Buch, das meine kritische Haltung umfassend vertiefte und befestigte.

Lehnert spannt zunächst den Bogen zu den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft auf den Feldern Kosmologie, Physik, Evolutions- und Neurobiologie. Auf diesem Fundament kritisiert er dann im Kernteil des Buches auf über 200 Seiten das christliche Gottes- und Menschenbild.

Das Buch ist als Rechenschaftsbericht des Autors gehalten, der sich zusammenfassend Klarheit über seinen schon lange bestehenden „Nicht-Glauben“ verschaffen wollte. Die Kapitel, die sich explizit mit dem Christentum befassen, sind denn auch mit sehr persönlich formulierten Abschnitten versehen, die dieses ständige Bemühen bezeugen ( „Was denken die anderen und was denke ich?“ – „Mein CREDO “ usw.)

Lehnerts Buch hat nicht die polemische Schärfe von Dawkins GOTTESWAHN. Gerade aber aufgrund seiner behutsamen Gründlichkeit, seiner Klarheit und intellektuellen Redlichkeit ist es eine Empfehlung wert ! Darüber hinaus ist es eine Fundgrube für „schwarze“ Bibelstellen in AT und NT, die den meisten modernen Christen nicht bekannt sein dürften . . .

FAZIT: Humanisten, Agnostiker, Atheisten – aber auch zweifelnde (und verzweifelte) Christen werden das Buch mit Gewinn lesen.

Für die ebenfalls bei Amazon erschienene broschierte 5.Auflage finden sich dort 76 z.T. sehr ausführliche Kundenrezensionen, die seltsamerweise für die neue 6.Auflage nicht übernommen worden sind. . . .

 

Edgar Dahl: Eine Anatomie der Theologie

Mit Richard Dawkins‘ ‚Der Gotteswahn‘, Christopher Hitchens‘ ‚Der Herr ist kein Hirte‘ und Sam Harris‘ ‚Das Ende des Glaubens‘ schafften es kürzlich gleich drei religionskritische Bücher zu weltweiten Bestsellern zu werden. Die erfolgreichsten Bücher sind jedoch selten die besten Bücher. Wer mehr als nur eine pointierte Polemik sucht, dem sei daher unbedingt Uwe Lehnerts ‚Warum ich kein Christ sein will‘ ans Herz gelegt. Dieses Buch begnügt sich nicht mit einer naiven Kritik der evidenten Absurditäten der christlichen Dogmen, sondern liefert auch eine profunde Analyse der subtileren christlichen Apologien. Vor allem aber liefert es auch eine systematische Darstellung der einzig logischen Alternative zu einem religiösen Weltbild ‚ nämlich eine detaillierte Exposition eines naturalistisch-humanistischen Weltbildes.

Nach der Lektüre dieses Buches, das von der Kosmologie und Epistemologie über die Quantenmechanik und Evolutionstheorie bis hin zur Neurobiologie und Bioethik reicht, kann man nur zu dem Shakespeare paraphrasierenden Urteil gelangen: Es gibt viele Dinge im Himmel und auf Erden, von denen sich unsere Theologen nichts träumen lassen!

Das einzige Rätsel, das sich mir nicht erschließen will, ist, weshalb sich Amazon beharrlich weigert, die 76 ausgezeichneten Rezensionen zu publizieren, die vorangegangene Auflagen dieses Buches bereits erhalten hatten.

 

Uwe Schmidt (Ex-Pfarrer): Ein grundlegendes Werk!

Vor gut sechs Jahren las ich Uwe Lehnerts Buch zum ersten Mal. Nach einem langsam sich entwickelnden Skeptizismus im kirchlichen Dienst fand ich hier zu erstem Mal in aller Klarheit und mit präzisen Argumenten den Hintergrund meines eigenen Unbehagens am Christentum geschildert und bestätigt.

Jetzt habe ich mir dieses Buch, nun in 6. sorgfältig überarbeiteten Auflage, noch einmal vorgenommen. Es war ein gutes Wiederkennen. Uwe Lehnert besitzt die Fähigkeit, Unvorstellbares (Universum) vorstellbar und/oder vor Erstaunen stumm zu machen. Kein ungewöhnliches Fremdwort bleibt unerklärt, er zeigt viel Verständnis für seine Leser, nimmt sie behutsam an die Hand und lässt sie mit seiner eigenen Stummheit vor der Unfasslichkeit des Universums ebenfalls stumm werden. Nicht wegen intellektuellen Unvermögens, sondern aus purem Entsetzen vor der Großartigkeit des Unfasslichen, der Weite und der Auflösung unserer Vorstellung von Zeit.

Mein Fazit: ich könnte jede Seite dieses Buchs unterschreiben, weil es Uwe Lehnert gelungen ist, auch mein Denken und Fühlen zum Thema Christsein sachlich, engagiert und mit großer Redlichkeit ohne jeden Anstrich von Eitelkeit darzustellen. Was ich für mich und sicherlich auch für alle übrigen Leser wohltuend und hilfreich empfunden habe, ist die Redundanz in der Darstellung. D.h. man muss nicht immer noch mal zurückzublättern, um zu sehen, was genau an einer entsprechenden Stelle stand. Er selbst erinnert daran und macht so den Fluss des Lesens leichter. Außerdem habe ich auch seine sachliche, präzise und dem dazustellenden Sachverhalt entsprechende Sprache bewundert. Sehr angenehm finde ich auch, dass die Zitate zwar drucktechnisch abgesetzt, aber nicht in irgendwelche Fußnoten verbannt sind, wobei man dann immer wieder springen müsste. Gut finde ich zudem, dass man das Buch auch kapitelweise lesen kann, wenn man schwerpunktmäßig vor allem an Kosmologie, Hirnforschung, Bibel, Kriminalgeschichte des Christentums oder eben auch an den anschaulich dargestellten Alternativen zum Christentum interessiert ist. Denn Uwe Lehnert gelingt es, auch in den einzelnen Abschnitten immer wieder die Bezüge zum Ganzen herzustellen (s. Redundanz).

Diese vor dem Leser ausgebreiteten gesamten Problematik ist für mich so schlüssig und einsichtig, dass ich immer wieder mit leichter Beschämung zurückgeblickt und mich gefragt habe, warum es bei mir mehr als ein halbes Leben gebraucht hat, um zu denselben klaren Schlüssen zu kommen. Wahrscheinlich hat es Uwe Lehnert halt auch ein wenig einfacher gehabt: ohne elterliche Indoktrination von Kindheit an. Aber besser spät als nie!

Ich kann also dieses Buch Interessierten auch deswegen dringlich empfehlen, weil Lehnerts Darstellung des Sachverhalts bar jeglicher Häme ist und er menschlich respektvoll mit den „Gläubigen“ umgeht, ohne von seinen persönlichen Erkenntnissen und Schlüssen auch nur einen Zentimeter abzuweichen.

Also noch einmal Glückwunsch zu diesem umfassenden, grundlegenden und gelungenen Werk!

 

Martin Praska: Dies ist ein ‚gefährliches‘ Buch. Im besten Sinn

Noch vor einem halben Jahrhundert wäre es auf dem Index Librorum Prohibitorum des Vatikan gelandet – in bester Gesellschaft neben den Werken von Balzac, Heine, Diderot, Kant, Darwin oder Sartre. Inhalte, die sich mit der Glaubens- und Sittenlehre der katholischen Kirche nicht vereinbaren ließen. („Mein Kampf“ von Adolf Hitler war übrigens nicht darunter.) Die Kirche hat es aufgegeben, Bücher zu verbieten, wohl auch, weil sie mit dieser verdienstvollen Tätigkeit heute kaum nachkommen würde. Denn die Liste der religionskritischen Schriften ist lang geworden. „Wer sich über das Christentum nicht empört, kennt es nicht“, schreibt der frisch gebackene Doktor der Theologie, Joachim Kahl, 1968, ein Jahr nach dem Ende des Index, in seinem Klassiker „Das Elend des Christentums“. Und tatsächlich ist auch meine Empörung gewachsen, je mehr ich mich mit der Religion befasst habe. Es ist ein geradezu „heiliger Zorn“, den auch Uwe Lehnert zu wecken weiß. Gerade weil er dabei ganz unaufgeregt, nüchtern und sachlich die entsprechenden Anklagepunkte zusammenträgt: Theologische Widersprüche, intellektuelle Unredlichkeiten, menschlicher Größenwahn und himmelschreiende ethische Defizite, die dem gewohnten sentimentalen Nächstenliebe-Geplapper Hohn sprechen. Eine spannendere Lektüre für einen christlich sozialisierten Menschen, der nichtsdestotrotz seinen Verstand noch zu gebrauchen weiß, gibt es nicht.

Auch Lehnerts Schrift ist mittlerweile in der bereits 6. erweiterten und aktualisierten Auflage zu einem Klassiker geworden. Wohl auch deswegen, weil die klare unmissverständliche Sprache und die Stichhaltigkeit der Argumentation kaum zu schlagen sind. Hier finden die Zweifler wieder festen Boden auf dem Grund einer naturalistischen Weltanschauung. Vor den „wunderbaren“ Erkenntnissen der Wissenschaft und mit dem Trost eines „evolutionären Humanismus“ (Huxley, Schmidt-Salomon).

Die „festen“ Gläubigen indes werden in Angst vor der Desillusionierung dieses Buch meiden wie der Teufel das Weihwasser. Angesichts des am weitesten verbreiteten Aberglaubens der Welt, nämlich dem Christentum, fürchte ich, Ingeborg Bachmann hat sich geirrt, als sie meinte, die Wahrheit sei den Menschen zumutbar.

So gesehen, ein Buch nur für Mutige, die der einlullenden Folklore zuwider und dem Jesus-liebt-dich-Kitsch zum Trotz vor den Gefahren der Religion nicht die Augen verschließen. Denn „manchmal glaube ich, die Welt wäre eine bessere ohne Religion“, sagt der Dalai Lama. Ich glaube das nicht nur manchmal. Ich habe mich davon überzeugen lassen. Von mutigen Leuten wie Uwe Lehnert. Und ich wünsche seinem Buch mindestens noch einmal 6 weitere Auflagen.

 

Bernd Kammermeier: „Wer mehr weiß, glaubt weniger“

Auf 500 Seiten dokumentiert Uwe Lehnert seinen langen Abschied vom Christentum. Lehnert war Universitätsprofessor für Bildungsinformatik und Bildungsorganisation. In seinem daraus resultierenden wissenschaftlichen Selbstanspruch und dem thematischen Zugang als theologischer Laie liegt die Stärke seines Werkes. Es kann sich nicht an Theologen wenden, die in ihrer eigenen hermeneutischen Welt leben, die kaum noch Berührung zu ihrem „Forschungsgegenstand“ aufweist.

Lehnerts Buch ist aber für Gläubige von Interesse, die sich über die Grundlagen ihres Glaubens unvoreingenommen informieren wollen oder bereits an deren Sinn zweifeln. Seine Motivation beschreibt Lehnerts so: „Dieses Buch ist hervorgegangen aus persönlichen Aufzeichnungen und Materialien, die ich über viele Jahre gesammelt habe.“ (S. 11) Auf der Titelei umreißt er dessen Funktion: „Ein Lesebuch für Menschen, die sich über wissenschaftliche Erkenntnisse, Glauben und Kirche informieren und darüber nachdenken möchten“. Diese Einladung ist auch im Wesentlichen die Gliederung des Werkes, das mich zunächst in die Welt der Wahrnehmungsmöglichkeiten des Menschen in Bezug auf seine Umwelt und sich selbst entführt. Diese Reise beginnt mit der Erkenntnistheorie, die uns die Beschränktheit unserer Beobachtung unserer Realität vor Augen führt. Die Systematik, mit der dies erfolgt, ist bewundernswert. Allerdings musste ich Muse mitbringen, da der Autor akribisch alle relevanten Details zusammengetragen hat. Seine Schritt-für-Schritt-Präsentation erlaubte es mir jedoch seine Gedankengänge lückenlos nachzuvollziehen.

Lehnert setzte bei mir nur grenzenlose Neugier voraus, mich auf das Abenteuer „Begreifen der Welt“ einzulassen. Der wissenschaftliche Teil ist sehr ausführlich und genau das macht „Warum ich kein Christ sein will“ zu einem Kompendium, das vorzüglich belegt, warum unsere Vorfahren bei der Erfassung und Beschreibung unserer Welt scheitern mussten. In „heiligen“ Schriften können deshalb keine Wahrheiten stehen. Ihr Inhalt entspringt dem äußerst engen Wahrnehmungsbereich, der einer vortechnischen Zivilisation zur Verfügung stand. Heute eröffnet uns die Technik Einblicke in Mikro- und Makrokosmos, die jede Gottesvorstellung absurd erscheinen lassen.

Daraufhin begleitete mich Uwe Lehnert auf das Glatteis der Religionen selbst. Auch hier sind zunächst die Aussagen an der Reihe, die uns die „heiligen“ Schriften vermitteln. Vor allem die moralische Seite der Religion – ihr Aushängeschild – nimmt er unter die empirische Lupe. Die wichtigen Themenkomplex „Schöpfung“, „Schuld“ und „Sühne“ haben es ihm dabei besonders angetan. Er analysiert Bibeltexte nicht mit verharmlosender Exegese, sondern indem er sie präzise mit den Augen eines Nichtklerikers liest. Er nutzt den Kontext einzelner Bibelverse, um zu zeigen, wie unmenschlich sie nach heutigem Verständnis von Gesellschaft wirken, wenn sie ohne beschwichtigende theologische Wortakrobatik gelesen werden.

Das 5. Kapitel (Nachdenken über Gott und seine weltlichen Vertreter und deren Moral) wendet sich dann den Auswirkungen der Bibel in der Kirche zu und streift auch das zentrale Religionsproblem: die Theodizee. Auch die Behauptung des Christentums, die Urheberin der Moral zu sein, zerlegt Lehnert gründlich, indem er auf ältere Texte verweist, in denen es ähnliche moralische Regeln gab. Auch die Zehn Gebote werden als untauglich für eine moderne Rechtsordnung entlarvt.

Den persönlichen Weg Uwe Lehnerts aus dem Glauben zeichnet das 6. Kapitel („Endgültiger Abschied von Christentum und Kirche“) nach. Ein letztes großes Kapitel schließt sich an („Überlegungen zu einem alternativen Welt- und Menschenbild“), in dem der Autor einen Weg in die Zukunft skizziert, wie die Reise der Menschheit fortgesetzt werden könnte, wie die zentralen Fragen der Religion – z.B. der Sinn des Lebens – ohne Gottesglauben zufriedenstellend beantwortet werden könnten. Wäre dies nicht ein geeignetes Geschenk für zweifelnde Gläubige? Es muss nicht so sein, dass man nach der Lektüre automatisch kein Christ mehr sein will – aber schwer nachvollziehbar wäre ein Verbleib in der Kirche schon.

 

Stefan König: Ein Buch, das den Kopf frei macht

(Vorweg: Meine Buchrezension bezieht sich auf die aktuelle, 6. Ausgabe dieses Werks. Es ist schade, dass Amazon die lesenswerten Kommentare der Vorgängerversion nicht automatisch mit dieser Ausgabe verknüpft. Ich empfehle, die Kommentare zur 5. Ausgabe dennoch zu lesen, da die 6., erweiterte Ausgabe im Grundsatz natürlich das gleiche Buch ist und sich alles dort Gesagte auch auf die 6. Ausgabe übertragen lässt.)

Alle Menschen reden immer wieder über Gott und die Welt. Das scheint ein Naturgesetz zu sein. Uwe Lehnert, Hochschulprofessor im Unruhestand, hat sich selbst ein Herzensbuch geschrieben, nachdem er sein Leben lang wissenschaftlich gearbeitet und publiziert hat. Auch er redet darin über Gott und die Welt. Das allein wäre banal und nicht der Rede wert, weil es ja jeder tut.

»Warum ich kein Christ sein will« aber stellt in aller Bescheidenheit und ohne großes Sendungsbewusstsein das gesammelte Wissen eines bildungshungrigen Menschen zum Thema Gott und die Welt zusammen, sachlich, seriös, aber in für jedermann verständlicher Sprache. Er will niemanden bekehren, sondern erzählt seine Geschichte. Und diese Geschichte liest sich spannend. Sie führt uns auf eine Reise in den Kosmos, beschreibt uns die wunderbare Natur und die atemberaubend spannende Welt der Wissenschaft, die niemals den Anspruch erhebt, fertige Antworten zu geben oder unumstößliche Erkenntnisse zu liefern. Lehnert lädt uns ein, ihm zuzuschauen, wie er noch einmal die Reise durch sein eigenes Leben macht, um mitzuerleben, wie es kam, dass er sich entschloss, kein Christ mehr sein zu wollen.

Er ist sich bewusst, dass sein Buch polarisieren kann, weil er weiß, dass gläubige Menschen oft mit Ablehnung reagieren, wenn man ihren Glauben infrage stellt. So finden sich in bisherigen Kritiken zu seinem Buch auch nur entweder umfassende Zustimmung oder totale Ablehnung. Letzterer fehlt es meist an Substanz, da es schwer ist, Lehnerts quasi vollständiger Beschreibung des naturalistischen Weltbilds auf der Basis des aktuellen Wissens der Welt etwas entgegenzuhalten.

Was mir am meisten an diesem Buch gefällt, ist die Einladung an uns, ihn auf seiner Reise bis zu seinem Fazit zu begleiten. Er hebt keinen mahnenden Zeigefinger und stellt sich nicht über andere. Jeder soll für sich selbst entscheiden, ob Religion und Glaube für ihn das Richtige ist, oder ob er sich lieber auf seinen eigenen Verstand verlassen und die Faszination unserer Welt unmittelbar erleben möchte. Er zeigt eindrücklich, dass „herkömmlicher Gottesglaube und christliche Lehre sich damit nicht mehr vereinbaren lassen“.

Früh im Buch erfahren wir, dass er erst spät (mit 16) konfirmiert wurde und schon als Student aus der Kirche wieder austrat. Doch wir alle leben nicht im luftleeren Raum und reden eben immer wieder über Gott und die Welt. Es könnte sein, dass es in einer Welt, die keine Religionen mehr hat, anders wäre. Aber auch in Deutschland sind noch immer ca. 60 Prozent der Menschen Mitglied einer christlichen Kirche. Die Zahl der Menschen, die sich von Religion lossagen oder ganz ohne religiöse Glaubensbindung aufwachsen, wächst allerdings stetig. Viele Menschen sind auf der Suche nach fundierten Argumenten, warum sie keine Christen mehr sein wollen. Es ist ja ein wenig wie die Suche nach Argumenten, mit dem Rauchen aufzuhören. Welches Argument ist mein Argument, was überzeugt mich ganz persönlich? Uwe Lehnert liefert ein ganzes Kaleidoskop an Argumenten; wir müssen nur lesen, verstehen und uns das für uns persönlich Richtige aussuchen. Dann können wir uns persönlich entscheiden, ob wir weiter glauben oder uns selbst vertrauen wollen.

Ein Buch, das den Kopf frei macht.

PS: Die Rezension erfolgt nicht unter meinem Klarnamen, da ich ein bekannter Politiker bin. Ein Familienangehöriger von mir sorgt sich, durch die Rezension um seinen Arbeitsplatz in einem kirchlich Unternehmen bangen zu müssen.

 

Prof. Dr. Wolfgang Klosterhalfen: Warum mir Lehnerts Kritik des Christentums so gut gefällt

Zunächst einmal gefällt mir die Ruhe, Geduld und Sorgfalt mit der Lehnert, der eine Professur für Didaktik an der Pädagogischen HS Berlin inne hatte, später eine für Unterrichtswissenschaft an der FU Berlin, seine glaubenskritischen Ansichten darstellt und ausführlich begründet. Das Buch wirkt insgesamt gepflegt, auch vom Drucksatz her.

Lehnerts Religionskritik ist gut durchdacht, basiert auf umfangreichen Recherchen und berücksichtigt auch neuste Forschungsergebnisse, z.B. aussagekräftige Experimente, die nach Libet von anderen Instituten zum Problem des „freien“ Willens durchgeführt wurden. Und es bietet eine Schatzkammer gefüllt mit ausgewählt interessanten Zitaten aus ganz unterschiedlichen Quellen. Wussten Sie z.B., dass Maria am Kreuz dem „Schlachtopfer ihres Sohnes liebevoll zugestimmt“ hat? Sie brauchen dazu nicht den Katechismus der RKK durchzulesen. Derartiges hat der Autor mit Fleiß und Übersicht zusammengetragen. Eine didaktisch hervorragende Darstellung der Dimensionen Raum und Zeit gibt es sozusagen als Zugabe. Aber auch sie hat ihren Sinn im Gesamtzusammenhang.

„Warum ich kein Christ sein will“ hat autobiographische Züge („Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung“), ist aber alles andere als selbstverliebt. Das Spektakuläre am Buch ist paradoxerweise seine Unaufgeregtheit, sein nicht nachlassendes Bemühen um Wahrheitsfindung, seine Höflichkeit im Umgang mit dem ideologischen Gegner, sein Verzicht auf Polemik und eine Ausführlichkeit, die nicht langweilt, sondern durch die große Anzahl und gute Qualität der religionskritischen Argumente deutlich macht, dass es mit der angeblichen Vereinbarkeit von Vernunft und Glauben nicht weit her ist. Und dass einer Moral, die auf Vernunft und Tatsachen basiert und nicht auf fragwürdigen Überlieferungen und Interpretationen, die Zukunft gehören sollte.

 

Uwe Schmidt (ehem. evgl. Pfarrer): Ein Buch für mündige Menschen

Durch Zufall entdeckte ich Uwe Lehnerts Buch im Internet, bestellte es umgehend und spürte recht bald beim Lesen, was mir da zu-gefallen“ war. Nämlich eine sehr detaillierte, sorgfältig recherchierte Begründung auch für mein eigenes schon sehr lange empfundenes Unbehagen an Christentum und Kirche.

Was mir über viele Jahre im Dienst als evangelischer Pfarrer erst allmählich immer deutlicher und bedrängender wurde, fand ich nun bei Uwe Lehnert systematisch und sachlich gut abgesichert dargestellt. Es sind die zum Teil haarsträubenden Zumutungen der Bibel und der daraus resultierenden Glaubenssätze, die für den Verstand ein beständiges scandalon darstellen und dem eigenständigen, geschichtlichen und naturwissenschaftlichen Denken im Wege stehen.

Es ist das besondere Verdienst des Autors, Menschen, die ein ähnliches Unbehagen im Umgang mit der christlichen Religion empfinden, Hilfen an die Hand zu geben, um das Bauchgefühl in den Kopf und damit in klare Argumente für die eigene Position zu bringen.

Ferner zeichnet es Buch und Autor aus, dass hier nicht in Verachtung, aggressiver Ablehnung oder gar Verhöhnung gesprochen wird, sondern in einer sehr sachlichen, die Gegenseite stets mit einbeziehenden Argumentatsionsweise. Es ist daher deutlich zu spüren, dass Uwe Lehnert seine Gegner nicht zu Feinden erklärt hat, sondern sehr wohl zwischen Person und der zur Diskussion stehenden Sache zu unterscheiden weiß.

Zusammenfassend ist dieses Buch als ein ganz wichtiger Beitrag zu werten, der Suchenden und Fragenden nicht nur gute und sachliche Argumente liefert in der Auseinandersetzung mit der christlichen Religion. Darüber hinausführend weist Uwe Lehnert einen Weg auf, wie mündige Menschen heute mit einem alternativen Welt- und Menschenbild“ im Kopf eigenständig und mündig in dieser Welt bestehen können.

 

Karl Siegert: Bestes Produkt zu diesem Thema in jüngster Zeit

Wer einen „Wegweiser“ für seine Lebensanschauungen braucht, dann ist es meiner Meinung nach das gegenwärtig beste Buch auf dem Markt. mfg K. Siegert

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Walter Schärf: Einfach das Beste zu diesem Thema

Das war für mich nicht das erste Buch zu diesem Thema, aber mit Abstand das Beste. Klar, verständlich, eindrucksvoll, vor allem auch in den persönlichen, sehr glaubhaften Bekenntnissen. Besonders hat mir auch gefallen, dass Uwe Lehnert ganz ohne Polemik auskommt. Mal abgesehen von den wissenschaftstheoretischen Erörterungen jederzeit ohne Fremdwörterbuch und besondere Vorkenntnisse mit viel Gewinn lesbar.

 

Hans Trutnau: „begeisternd begeistert“ (Eltville)

Ein sehr persönliches Buch, das in dieser Weise bisher in der säkularen Szene gefehlt hat.

Es liest sich von den Schlussfolgerungen streckenweise ganz ähnlich wie Jenseits von Gut und Böse: Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind von Michael Schmidt-Salomon. Und ist daher vielleicht ein Fall von Ko-Evolution bzw. ein Zeichen dafür, dass die Zeit wirklich reif ist für solche Gedanken. Geradezu rührend (und empathisch!) gelingt es Lehnert, wie er seinem Zielpublikum 10er-Potenzen erläutert oder auf andere naturwissenschaftliche Begriffe hinführt. Sicherlich wird sich nicht jede/r mit jeder einzelnen Auffassung des Autors identifizieren können; aber für z.B. Interessenten oder Förderer der Giordano Bruno Stiftung sollte das Buch (z.B. Kap IV über Willensfreiheit) insgesamt eine wirkliche Bereicherung sein. Was Lehnert z.B. auf S. 335 (3. Auflage) über wissenschaftliche Erkenntnisse sagt, mag nicht komplett neu sein, ist aber selten prägnant auf den Punkt gebracht. Und, und, und… Sein (persönliches) ‚Credo‘ ab S. 348 unterschreibe ich praktisch 1:1. Und die ‚Bergbesteigung‘ ganz am Ende ist erfreulicherweise keine Bergpredigt…  Hätte ich den Autor doch schon während meines Studiums in Berlin kennengelernt – es wäre sicher befruchtend gewesen.

 

Dr. Bernd Vowinkel (Bonn): Phantasie und Wirklichkeit

Mit diesem Buch ist dem Autor ein ganz hervorragendes Werk zur Aufklärung im besten Sinne gelungen. Es ist sachlich sowohl in seinen geisteswissenschaftlichen Grundlagen als auch in Bezug auf die Naturwissenschaften sehr fundiert und dennoch für einen Leser mit durchschnittlicher Bildung gut verständlich geschrieben. Der Autor zeigt, dass der christliche Glaube ein Produkt der menschlichen Phantasie ist und keinerlei Bezug zur Wirklichkeit hat. Im Gegensatz dazu bezeichnet der Autor die Naturwissenschaften sehr treffend als Wirklichkeitswissenschaften. Sie sind unser einziger verlässlicher Zugang zur Wirklichkeit. Zur Anerkennung der Wirklichkeit gehört die Abkehr vom Geist-Körper Dualismus und der Idee der absoluten Willensfreiheit. Der Autor verharrt nicht bei reiner Religionskritik, sondern diskutiert auch echte Alternativen. Er zeigt, dass wir für eine Ethik keine Religion brauchen und dass es keinen höheren Sinn des Lebens gibt, sondern dass der Sinn des Lebens im individuellen Glück im Diesseits liegt. Besonders hoch anzurechnen ist dem Autor, dass er den Naturalismus, im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern des naturalistischen Humanismus, zu Ende denkt und damit zu einer eher positiven Grundhaltung zum Transhumanismus kommt. Wer nach der Lektüre des Buches immer noch an seinem christlichen Glauben festhält, dem fehlt es einfach an Verstand und Vernunft.

 

Uta G.: Absolut empfehlenswert

Ein wirklich beeindruckendes Buch, das sein Geld absolut wert ist. Eine persönliche und ehrliche Abrechnung mit dem Christentum. Dem Leser wird verständlich nahegebracht, dass Trost, Sinn und Hoffnung auch zu finden sind, ohne Denkverzicht ab einem bestimmten Punkt zu üben bzw. sein Hirn auszuschalten. Das Buch überzeugt durch fachliches Wissen und eine bestechende Logik, gerade auch für den Laien gut verdaulich dargelegt und müsste eigentlich bei jedem Gläubigen große Nachdenklichkeit hinterlassen. Leider ist bei Gottesfürchtigen gehäuft kognitive Dissonanz anzutreffen und sie scheinen sich vor solcher Literatur zu fürchten wie der Teufel vor dem Weihwasser. Wichtig finde ich auch, dass vom Autor die in Deutschland fatalerweise immer noch nicht vollzogene Trennung von Staat und Kirche angesprochen wird.

 

Dr. Fritz Berthold (Duisburg)

Lieber Leser, Sie müssen jetzt ganz tapfer sein. Und bereit, zu neuen Ufern aufzubrechen. Denn wenn Sie sich dieses Buch erarbeitet haben, werden Sie ein anderer Mensch sein! Möchten wir das nicht auch? Wozu lesen wir denn über ein Thema, welches uns interessiert, wenn wir nicht auch Neuland betreten wollen? …

Uwe Lehnert nennt z.B. das christliche Abendmahl mit Recht einen bizarr-kannibalischen Kult aus überkommener Zeit. Der christliche Glaube ist für ihn eine gedankliche Konstruktion, die aus älteren religiösen Vorbildern und Mythen, unter anderen dem Mithraskult, durch machtinteressierte Menschen entwickelt wurden. Gleichzeitig anerkennt er auch den Trost, die Hoffnung und den Glauben an die Zukunft, den diese Religion spendet und sicherlich von vielen in großem Glauben gegeben und empfangen wird. Nur – mit einem Jenseits hat das alles nichts zu tun. Selbst ihm fällt es schwer, mit einem betonten „Ja“ zu antworten, wenn es um die Frage geht, ob es sich beim Glauben um eine religiöse „Einbildung“ handelt, um eine Wahnvorstellung, in deren Schatten die wunderbaren kirchenmusikalischen Werke eines Johann Sebastian Bach geschaffen worden sind oder auch wenn es um das opfervolle Leben unzähliger Menschen geht.

Wir, die wir zumeist ab der frühesten Kindheit christlich indoktriniert sind, haben keine Probleme damit, den Glauben der Muslime und der Hindus als Irrglauben abzutun – und viele werden erst durch die glasklare Darstellung in dieser lesenswerten fünften Ausgabe bemerken, dass auch ihr Glaube ein Aberglaube ist.

Uwe Lehnert schreibt auch über die Einmaligkeit unseres Daseins, über das ungeheure Glück, nicht nur, dass wir einen kosmischen Augenblick lang an diesem Leben teilnehmen dürfen, sondern uns dessen auch bewusst sind! Wir wussten nicht, wo wir vorher waren, und unsere Atome werden weiterziehen – aber WIR, im Gegensatz zu vielen anderen denkbaren möglichen “ ICH’s“, werden gelebt haben! Das genügt.

Bei aller Skepsis (ob der dogmatisch auferlegten Glaubensgrundsätze) den Menschen gegenüber, die im Laufe der Jahrhunderte eine Schrift zusammengestellt und für heilig erklärt haben, wird in diesem Buch dennoch die Größe und Erhabenheit der Kunstwerke gesehen, die im Schatten der tiefen Volksfrömmigkeit entstanden sind. Auch die Gestaltung des Jahresablaufs, gleich ob heidnischen oder christlichen Ursprungs, wird nicht in Frage gestellt, auch nicht die Rituale bei Hochzeits- oder Begräbnisfeierlichkeiten, obwohl der Verstand sich lautstark meldet, sobald ein Kleriker den Mund aufmacht und alte Ritualbestandteile ausbreitet. Wörtlich: „… es fehlt eine Form von Feierlichkeit, die das Gemüt – oder wenn man es lieber so ausdrücken möchte: die Seele – anspricht, ohne den Verstand zu kränken.“

Es wird klargestellt, dass das Gebet nichts nützt, dass auch ein Papst sich lieber in die heilende Kunst ärztlicher Hände begibt, das Papamobil mit sechs Zentimeter Panzerglas geschützt ist und alle Gotteshäuser mit Blitzableitern versehen sind. Fragen wie: Warum sind bei dem Erdbeben in Lissabon 1755 besonders viele Gläubige umgekommen oder wann sei je einem Bedrängten durch ein Gebet Hilfe zugekommen außer durch Menschen, müssen erlaubt sein, auch wenn die Kirchen einen solchen Fragesteller am liebsten noch heute würden brennen sehen.

„Der Kern des Christentums ist eine Wunschvorstellung“ entstanden aus der Sehnsucht der Menschen nach Schutz, Halt und Sinn, ausgenutzt durch eine Priesterkaste, die Macht und Einfluss über die Menschen gewinnen und behalten will. …

Viele Bücher habe ich inzwischen gelesen, die sich mit Religionskritik und mit dem Christentum befassen. Dieses ist das absolut feingeistigste und feinsinnigste, zurückhaltendste, dem jede Angriffslust fehlt – was wohl an der privaten Natur des Autors liegt, den ich persönlich noch gar nicht kenne. Es kommt dem Autor überhaupt nicht auf Angriff an, sondern nur auf die Erfassung logischer Zusammenhänge zum Zweck des eigenen Verstehens.

Aber mit dem Verstehen des Christentums haben schon andere ihre Probleme gehabt.

 

Winfried Krakau: Mutmacher Vernunft

Ein Buch für alle, die sich mit Religionen auseinandersetzen wollen. Sehr überzeugend, weil der Autor aus ehemaliger christlicher Indoktrination kommend, intellektuell redlich argumentiert. Die Argumentation bewegt sich auf hohem didaktischen Niveau und analysiert das Christentum stellvertretend für alle transzendenten Religionen. Neben der Darstellung des modernen Weltbildes der Naturwissenschaften wird auch ein ganzes Kapitel der gegenwärtig brisantesten Frage der Willensfreiheit gewidmet. Konsequent werden die tiefgehenden Probleme zu Schuld und Sühne und die strafrechtlichen Auswirkungen diskutiert. Wenn Willensfreiheit eine Illusion ist, tut sich eine neue Sicht auf das Verhältnis des Menschen zu sich selbst und dem Anderen auf. Als Folge aus seinen Erkenntnissen, beschreibt der Autor ein naturalistisch-humanistisches Welt- und Menschenbild. Dieses Buch ist hervorragend geeignet, als Lehrmaterial in Schulen zu dienen. Es tritt der verstärkten Tendenz der Kirchen entgegen, verlorene Positionen in der Gesellschaft durch vom Staat weitgehend finanzierte konfessionelle Schulen zurück zu gewinnen. Es stellt einen weiteren Baustein zu einer säkularen Verfassung der Gesellschaft und einer längst fälligen wirklichen Trennung von Staat und Kirche dar.

 

Frank Gerth: Zu Ende denken 

„Warum ich kein Christ sein will“ ist in meinen Augen ein geniales Buch. Richard Dawkins „Der Gotteswahn“ hat mich tief beeindruckt, Michael Schmidt-Salomons „Manifest des Evolutionären Humanismus“ hat mich überzeugt. Aber Herr Uwe Lehnert hat mit seinem Buch meine frühen Jugendüberzeugungen so felsenfest mit Argumenten zementiert, dass ich immer mehr, leichten Sinnes und frohen Mutes, mein Leben lebe, in einem Land, in dem viele Menschen vom archaischen Gedankengut der beiden Großkirchen gefangen sind.

Lehnerts analytische, sachliche Argumentation, die aber nie beleidigend wird, überzeugt mich ganz und gar. Die logische Dichte der Argumente seines Buches erfordert vom Leser Zeit und Reflexion, die, lässt man sich auf das Buch ein, sehr gut in kluge Gedanken investiert werden.

Mich überzeugte in Glaubensfragen zuerst L. Feuerbach und nun besonders U. Lehnert. Ein großartiges Buch für alle, die zu Ende denken wollen.

 

Dr. Günther (Celle): Vernunft gegen Offenbarung 

Unter den Büchern für und wider die Religion ragt dieses Buch heraus.

Es ist keine polemische Streit – oder Rechtfertigungsschrift, sondern ein Aufruf zu einer unvoreingenommenen Diskussion unter Führung von Vernunft und Logik.

Die schon in der frühen Jugend des Autors quälenden Zweifel am christlichen Glauben und den Glaubensdogmen führten zu einer lebenslangen Sinnsuche menschlicher Existenz.

Außergewöhnlich ist, dass dem Leser primär mit didaktischem Können die fundamentalen Erkenntnisse der Physik, Astronomie, der Evolutionsbiologie, denen wir unser heutiges Weltbild verdanken, vor Augen geführt werden. Nur die wissenschaftlichen Einblicke in den Mikro – und Makrokosmos erlauben Aussagen über Mensch und Universum, nicht alte, über 2000 jährige Bibelvorstellungen naturwissenschaftlich blinder religiöser Männer.

Die Naturwissenschaft musste sich immer wie ein Vulkanausbruch gegen die harten Krusten des Glaubens durchsetzen.

Die aus menschlichen Denkmustern stammenden Fragen des Woher u. Wohin, des Warum u. Wozu dienen der Orientierung auf unserem Globus, haben keine kosmische Relevanz. Die Sinngebung als Dasein für andere unter dem Aspekt individueller Möglichkeiten wird mit anderen Autoren diskutiert.

Der säkulare Erkenntnisschub der Aufklärung konnte Tabus brechen und heilige Dogmen erschüttern.

Es wird die Nähe von Dogmen und Fanatismus gezeigt. Selbst Luther hat die Vernunft als Hure bezeichnet, um kritische Glaubenszweifel zu ersticken.

Es werden Humanität und Brutalität der christlichen Bibel und christlichen Geschichte gegenüber gestellt und die Fragen der Moral und Ethik, des Willens und Bewusstseins ausführlich erörtert.

Es wird gefragt, warum hinter den vielen Ungewissheiten unseres Kosmos noch eine weitere Ungewissheit göttlicher Ratio stehen muß, was die Erkenntnis nicht fördert.

Jeder, der den Willen und Mut hat, seine eigene Meinung der Wahrheit unterzuordnen, wird von diesem Buch profitieren.

 

Eine namentlich nicht bekannte Leserin: Innere Revolution durch ein Buch 

Meine Vorredner haben im Grunde schon alles Wichtige zum Inhalt gesagt. Hier nur ein Dank einer ehemaligen überzeugten Katholikin an den Autor:

Um es mit den Worten des englischen Comedian George Carlin zu beschreiben (kommt nicht im Buch vor):

„Im Himmel ist ein unsichtbarer Mann der eine Liste hat  mit 10 Dingen, die Du nicht tun sollst. Und er sieht dich immer und überall und er sieht alles, was Du tust. Und wenn Du eines der Dinge auf der Liste tust, hat er einen Platz voll Feuer und Leiden und dort wirst du für alle Zeit in der Hölle brennen! Aber er liebt Dich“.

Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Glauben, der uns direkt durch die Erziehung oder die Gesellschaft geprägt hat, lohnt sich! Uwe Lehnert macht das sorgfältig, ohne Polemik und überzeugt argumentativ.

Dieses Buch hat meine Einstellung zur Stellung des Menschen im Universum, der Bibel, der Institution der Kirche und zum Leben an sich grundlegend verändert.

Ich schließe mich also einem Vorredner an, der meinte: „Sie müssen jetzt ganz mutig sein“.

Es gibt wenige Bücher, die mich in meinem Leben so grundlegend bewegt haben. Dieses Buch gehört eindeutig dazu.

In diesem Sinne bedanke ich mich herzlich beim Autor.

 

Rainer Buchheim: Pflichtlektüre für Lebenskundelehrer und Katecheten

Gewiß gibt es seit der Aufklärung und auch nach Nietzsche und Dawkins eine ganze Reihe hervorragender religionskritischer Werke. Setzt man diese aber einmal rein zahlenmäßig ins Verhältnis zu dem unübersehbaren Wust religiöser, esoterischer, spiritueller, theologischer, erbaulich-frommer und frömmelnder Literatur, so ist jedes Buch mehr, das einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung verpflichtet ist, ein Gewinn. Und dieses Buch ist ein besonderer Gewinn:

Lehnert erläutert in überschaubarem Umfang und für den Laien verständlich die philosphischen und vor allem naturwissenschaftlichen Grundlagen einer atheistischen oder agnostischen Weltsicht, und das auf sehr präzise, populäre aber dabei keineswegs simplifizierende Weise. Aktuelle Theorien der Astro- und Quantenphysik fließen dabei ebenso ein wie die neueren Erkenntnisse der Evolutionsbiologie und der Hirnforschung. Allein damit gelingt ihm der Nachweis, dass Atheismus/Agnostizismus eben mehr ist als nur eine andere Art Glaube.

Im Kap. VI schreibt Lehnert über einen seiner Lehrer: Frei von polemischen und aggressiven Attacken, in geschliffener Sprache und gestützt auf ein umfangreiches philosophisches, theologisches und kulturgeschichtliches Wissen entwickelte Szczesny seine Position als Nichtchrist. Und genau dieser Diktion bleibt Lehnert treu, wenn er sich im zweiten Teil des Buches anhand des nicht ganz einfachen Problems der Willensfreiheit, der Frage von christlicher Moral und menschlicher Ethik, des Inhalts der Bibel sowie der Geschichte des Christentums direkt mit Kirche, Religion und Glauben auseinandersetzt: unaufgeregt aber redlich und konsequent im Denken, gelassen aber kompromißlos im Urteil.

Doch Lehnert läßt es nicht bei der Kritik bewenden. In den beiden letzten Kapiteln entwirft er ein zum religiösen alternatives Welt- und Menschenbild und skizziert ein evolutionär-humanistisches Herangehen an den Sinn des Lebens.

Der Leser ahnt im Verlauf der Lektüre, welch gewaltiger Schatz an Wissen, Lebenserfahrung und -weisheit des Autors dem Werk zugrunde liegt. Es sei dem Suchenden oder dem zweifelnd Gläubigen ebenso empfohlen wie dem überzeugten Atheisten, der nach Argumenten für die geistige Auseinandersetzung fahndet. Es sei Pflichtlektüre für Lebenskundelehrer ebenso wie für Katecheten!

 

W. Schober: Eine Analyse fundamentaler Fragestellungen zum Christsein

Das Buch trifft den Nerv vieler kritischer Menschen, die intellektuell ansprechende Abhandlungen zum Sinn des Lebens suchen und die Hilfestellungen durch die christlichen Religionen in Frage stellen. Der Titel des Buches nimmt das Ergebnis der Analyse vorweg. Themen zum Universum, der Quantentheorien, Erkenntnisse der Neurologie und Gedanken großer Philosophen werden ebenso behandelt, wie die Grundlagen der christlichen Religionen zu Gott. Besonders beachtenswert sind die Ausführungen zur Willensfreiheit, zu Schuld und Strafe.

Das Buch gehört zu den besten und niveauvollsten kirchenkritischen Abhandlungen. Die Präzision der Analyse, die Sachlichkeit der Argumentation, aber auch die gute Lesbarkeit und Verständlichkeit auch komplexer Themen zeichnen es aus. Viele Menschen stellen sich ähnliche Fragen zum Sinn des Lebens. In diesem Buch findet man seine eigenen Fragen oftmals einfacher und klarer gestellt, als man es selbst bisher vermochte – und diese werden auch seriös beantwortet. Das Ringen um Erkenntnis steht im Vordergrund, es gibt bei Lehnert keine untergriffige Argumentation gegen die christlichen Kirchen, er geht immer respektvoll mit Andersdenkenden um.

Wir können dankbar sein, dass jemand sein Wissen und seine Erkenntnisse, welche das Ergebnis eines mehrjährigen Ringens, Fragens und Diskutierens waren, publiziert und damit anderen zugänglich macht.

 

Abild-Schindler: Gut für Menschen, die an ihrem Glauben zweifeln

Es ist kein leichter Weg, den Uwe Lehnert in seinem Buch gegangen ist: Der Weg vom anerzogenen Glauben des Jugendlichen, über die Infragestellung aller christlichen Glaubenssätze und Vorschriften hin zu seiner heutigen Überzeugung, einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung.

Der Autor hat das Buch quasi im Zwiegespräch mit sich selbst geschrieben, um mit Hilfe von Naturwissenschaften, Philosophie, Geschichtswissenschaft und kritischer Theologie sich ein wohldurchdachtes Urteil über Gott, Christentum und Kirche zu bilden. Er kann deshalb auch ein guter Begleiter sein für alle, die bisher im Zweifel gelebt haben und nun entschlossen sind, ihr Verhältnis zur Religion zu klären.

Lehnert greift subjektiv und dennoch umfassend die wichtigsten Fragen zu „Gott und die Welt“ heraus. Seine gut untermauerten Argumente sind radikal, gehen tief, sind aber immer nachvollziehbar. Und sie führen an häufig noch gar nicht bewußte Denkverbote heran.

Das Buch fordert dazu heraus, sich ebenfalls zu positionieren, sich selbst Fragen zu stellen: Wie weit gehe ich inhaltlich mit, wo stimme ich nicht zu, was mache ich mit meinen Erkenntnissen? Habe ich den Mut, mich meinem katholischen oder protestantischen Umfeld als „Ungläubige/r“ oder – positiv ausgedrückt – als Humnanist/in zu erkennen zu geben? Wenn nein, warum nicht? Was habe ich zu befürchten, wenn ich meine Kritik an der Kirche öffentlich mache? Und: Wo finde ich bei meiner Suche nach selbstbestimmtem Leben und nach einem kirchen­unabhängigen, nichtreligiösen Lebenskonzept Gleichgesinnte? Auch bei dieser Frage gibt der Autor Hilfestellung durch Hinweise auf bereits bestehende humanistisch-orientierte, atheistische oder freigeistige Organisationen und ihre Ziele. Den Weg dahin können die Leser dann alleine finden….

 

Günther Drutschmann: Warum ich kein Christ sein will

Das Buch ist brillant geschrieben und der Logik der Argumente kann man sich kaum verschließen. Die Fragen, die der Autor stellt und speziell seine Gedanken zu Gott und dessen Schweigen im Holocaust, beschäftigen mich seit meiner Jugend. Auch stehe ich heute der katholischen Amtskirche sehr kritisch bis ablehnend gegenüber.

Trotzdem bereitet mir dieses Buch großes Kopfzerbrechen. Die Radikalität, mit der Herr Prof. Lehnert Gott und den Glauben in der Versenkung verschwinden lässt, bewundere ich und gleichzeitig irritiert sie mich. Dass wir nur ein Haufen alberner Menschen sein sollen, die eine gewissen Zeit und mehr oder weniger zufällig hier auf diesem Planeten herumirren und unsere Erfüllung und den Sinn in den Dingen des täglichen Lebens finden, fällt mir sehr schwer zu glauben. Ich fühle mich nicht so stark wie der Autor, ganz auf eine höhere Macht zu verzichten. Das Buch hat mich gerade in diesem Punkt tief erschüttert, weil die Argumente des Verfassers so stichhaltig erscheinen. Wer in diesen Dingen sehr sensibel ist, sollte das Buch mit Vorsicht lesen. Leider war ich unvorsichtig und las es. Ich hoffe zudem, dass der Autor das auch wirklich lebt, insbesondere zum Sinn des Lebens und dessen Ende, was er in seinem Buch so eindrucksvoll und wortgewandt schildert.

 

J.O. aus Lüdenscheid. Ausgezeichnet (beim Buchversender www.buecher.de eingestellt):

Wenn es richtig ist, dass die Frage nach Gott und nach der Existenz von uns Menschen grundlegende Fragen jedes denkenden Individuums sind, so darf man jeden Einzelnen sicher als ‚Fachmann’ in eigener Sache ansehen. Uwe Lehnert, kein Fachmann irgendeiner theologischen Disziplin, gleichwohl aufrichtiger Nachdenker, adressiert seine Auseinandersetzung mit diesen Fragen und speziell mit dem Christentum folglich zuallererst an sich. Wie es einem emeritierten Hochschullehrer aber zusteht, münden seine Überlegungen in einem systematisch aufgebauten Buch, das viele Aspekte anspricht. In einer leicht verständlichen Sprache werden aus erkenntnistheoretischer Warte naturwissenschaftliche Informationen, philosophische Positionen und Ergebnisse kritischer Theologen ebenso referiert wie Fakten aus der oft unrühmlichen und widersprüchlichen Geschichte der Christen. Das Resümee des Autors, der uneingeschränkt ein humanistisches Welt- und Menschenbild vertritt, wird manchen Leser ernüchtern: Um moralisch zu leben, sind der Glaube an einen jenseitigen Gott und die Lehre der christlichen Kirchen entbehrlich. Insgesamt bietet die durchweg anregende Lektüre m.E. selbst dem bekennenden Christen die Möglichkeit, durch das Angebot des begründeten Zweifels den eigenen Glauben zu festigen; dem Zweifler zeigt es Perspektiven einer menschenwürdigen Alternative zum Christentum auf.

 

Siegfried R. Krebs (Journalist): Ein informatives und zum Nachdenken anregendes Lesebuch

In bereits fünfter, und überarbeiteter und erweiterter, Auflage liegt das erstmals im Jahre 2009 erschienene Buch des emeritierten Hochschullehrers Prof. Dr.-Ing. Uwe Lehnert »Warum ich kein Christ sein will« vor. Lehnert beschreibt darin nicht nur seinen eigenen »Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung«. Seine Intention war es nicht minder »Ein Lesebuch [zu verfassen; SRK] für Menschen, die sich über wissenschaftliche Erkenntnisse, Glauben und Kirche informieren und darüber nachdenken möchten«. Kirchen- und religionskritische Bücher werden zumeist von Philosophen, Geisteswissenschaftlern oder (Ex-)Theologen geschrieben. Daß sich nun ein naturwissenschaftlich-technischer Akademiker zu Wort meldet, ist in Bundesdeutschland nicht gerade üblich. Und Lehnerts Ansatz ist folgerichtig auch ein anderer, doch dafür sind seine Ausführungen um so beeindruckender und oftmals sogar überzeugender als die Kirchen- und Religionskritik der Geisteswissenschaftler, die allein vom Wort ausgehen. Die Natur, die Materie und ihre bislang erkannten Gesetze sprechen eben eine ganz besondere Sprache; sind nachprüfbare Fakten…

Uwe Lehnerts Buch ist seit der ersten Auflage bereits vielfach rezensiert worden, daher soll sich die Besprechung der fünften Auflage auf einige ausgewählte Schwerpunkte beschränken. Eine Erweiterung und Aktualisierung haben in dieser Auflage vor allem kirchenkritische Fragen (u.a. priesterliche Verfehlungen, kirchliches Arbeitsrecht, Nähe des Bundesverfassungsgerichtes zu den beiden großen Kirchen), die Themen Laizismus bzw. Trennung von Staat und Kirche(n) sowie die Darstellung weltanschaulicher und praktischer Alternativen zu Glauben und Kirche(n) erfahren.

Lehnert hat sein Buch zwar in acht Kapitel gegliedert, die man aber jedoch auch zu vier Komplexen zusammenfassen kann.

Einen ersten Komplex bilden die Kapitel I bis IV, die wie folgt überschrieben sind:

* Was können wir wissen? Was können wir erkennen? * Raum und Zeit: Unbegreiflich in Dimension und Wesen * Naturwissenschaft, Religion und menschliches Selbstverständnis * Schuld, Sühne, Glaube und die Illusion von der Willensfreiheit

Hier versucht der Autor, ein naturalistisches (oder wie im Marxismus heißt: materialistisches) Weltbild auf der Grundlage heutigen Wissens, also naturwissenschaftlicher Kenntnisse zu skizzieren.

Obwohl dieser Teil des Buches sehr umfangreich ausgefallen ist, so ist dies doch notwendig für eine argumentative Auseinandersetzung mit christlichen Glaubensdogmen. Und Lehnert geht damit auch auf Theologen ein, die der Wissenschaft, den Wissenschaften, unterstellen, nicht auf alles eine Antwort zu haben. Doch der Naturwissenschaftler macht klar, daß die Wissenschaften eben keine ewigen und einzigen heiligen Wahrheiten verkünden, sondern sich durch kritische Forschung auch immer selbst wieder in Frage stellen und sich somit der Welterkenntnis ständig weiter annähern.

Und dieser Teil ist durchaus notwendig, da das bundesdeutsche Schulwesen den Naturwissenschaften nach wie vor zu wenig Platz einräumt und mit der Religionsunterricht genannten Glaubensunterweisung einem unwissenschaftlichen Weltbild (Schöpfungslehre) breiten Raum gewährt. Für DDR-sozialisierte Leser dürfte Lehnert aber wohl eher offene Türen einrennen, denn jeder 10-Klassen-Schüler und auch Abiturient erfuhr eine umfassende Bildung in den Fächern Mathematik, Biologie, Chemie, Physik und Astronomie. Und er blieb zudem in Schule und Massenmedien von Missionierung und Astrologie verschont.

Lehnerts Ausführungen in diesem Komplex sind im besten Sinne des Wortes populärwissenschaftlich, also bei hohem inhaltlichen Niveau auch dem Laien verständlich und anschaulich.

Einen zweiten Komplex bilden die Kapitel V und VI, die auf einem naturwissenschaftlichen geprägten Weltverständnis aufbauen. Hier zeigt Lehnert auf, daß sich herkömmlicher Gottesglaube und christliche Lehre mit einem solchen Weltverständnis nicht vereinbaren lassen. Auch die den meisten Menschen weithin unbekannte Amoral der Bibel (Altes wie Neues Testament) und die Geschichte der Kirche, insbesondere ihres katholischen und lutherischen Zweiges, werden ausführlich behandelt.

Die beiden Kapitelüberschriften sprechen für sich, ebenso die Überschriften der Unterkapitel:

* Nachdenken über Gott, seine weltlichen Vertreter und deren Moral (Von den vergeblichen Versuchen, Gottes Existenz zu beweisen oder zu widerlegen; Theodizee – Gottes grenzenlose Liebe und das unendliche Leiden in der Welt; Ist Moral ohne Gott möglich?; Was denken andere und was denke ich?)

* Endgültiger Abschied von Christentum und Kirche (u.a. Die Bibel – Gottes Wort? Was wäre das für ein Gott!; Die erschütternde Bilanz von 2000 Jahren Christentum; Warum ›bekennen‹ sich trotzdem so viele Menschen zum Christentum?)

Eine Anmerkung dazu: gerade das zuerst genannte Kapitel könnte vielleicht auch als separater Sonderdruck eine weitere Verbreitung finden.

Auch wenn sich Lehnert in seinem Buch mit dem Christentum auseinandersetzt und daher immer den Begriff Gott gebraucht, so sollte aufgrund seiner universellen Weltsicht und -betrachtung dies immer wieder mit erwähnt werden: Es gibt nicht nur den Gott der Christen und das Christentum, sondern unzählige Götter und Religionen. Mit einem nicht in Anführungszeichen gesetzten Begriff Gott wird leider auch indirekt das Christentum als einzig richtige und einzig mögliche Religion anerkannt. Besser wäre es, auch bei Betrachtungen zum Christentum bzw. zu Religion allgemein immer von »Gott und Göttern« zu sprechen. Gerade wenn es um eine solche immer wiederkehrende Frage hierzulande geht: »Die Frage aller Fragen: die nach der Existenz Gottes.«(S. 157)

Unterstreichen kann man ohne Abstriche diese sogar noch höflich formulierte Feststellung Lehnerts: »Auffällig ist, wie viel logische Anstrengung und gedankliche Phantasie Theologen über Jahrhunderte in die Konstruktion solcher Gottesbeweise gesteckt haben, um ‚seine‘ Existenz zu beweisen.« (S. 165) Und er bemerkt ganz trocken auf der selben Seite dies: »Die Frage nach der Existenz der alten ägyptischen, griechischen oder zum Beispiel aztekischen Götter ist heute auch keinem Menschen mehr des Nachdenkens wert.«

Obwohl es nicht explizit zum Ausdruck kommt, so steht doch die Fragestellung im Raum, warum ausgerechnet der Gott der Christen (der Gott der Juden) DER Schöpfer sein soll. Und aus Lehnerts Ausführungen, inklusive der vielen Zitate aus der Bibel und anderen christlichen Traktaten, wird deutlich, warum seinerzeit das Christentum zur Staatsreligion gemacht worden ist und es hierzulande de facto immer noch ist: Damit die da unten nicht gegen die da oben aufbegehren, damit alles (die Eigentums- und Machtverhältnisse) so bleibt wie es ist, damit die Menschen sich nicht selbst ein menschenwürdiges Diesseits schaffen. Noch offenbarer wird die Rolle der betrachteten Kirchen, wenn man anstelle des Begriffs Kirche den Begriff Priesterkaste einsetzt. Was bei Lehnert in Einzelfällen auch geschieht.

Nachdenkenswert ist diese Feststellung Lehnerts: »Im Buch Jesaia, Kap.2, Vers 4 steht übrigens der oft zitierte Spruch, der gern als Beweis für die angeblich friedensstiftenden Weisheiten der Bibel herausgestellt wird: ›Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen.‹ Daß im Buch Joel, Kap. 4, Vers 10 das genaue Gegenteil steht, wird geflissentlich verschwiegen, wenn man es denn überhaupt weiß oder wissen will: ›Schmiedet Schwerter aus euren Pflugscharen und Lanzen aus euren Winzermessern!‹«(S. 229) …

Neugefaßt und ergänzt wurde insbesondere der dritte Abschnitt, bestehend aus dem Kapitel VII »Überlegungen zu einem alternativen Welt- und Menschenbild.«

Hier geht Lehnert auf solche Fragenstellungen und Themen ein, wie z.B.: Was ist der Sinn des Lebens?; Bekenntnis zu einem humanistischen Lebenskonzept; Ziele und Leitbilder humanistischer und atheistischer Organisationen; Trennung von Staat und Religion(en) um des gesellschaftlichen Friedens willen.

Der Autor beruft sich hier u.a. auf die Allgemeinen Menschenrechte in der Unabhängigkeitserklärung von 1776. Ja, diese Formulierungen sind zeitlos und universell, doch die Redlichkeit verlangt auch diese Feststellung: Diese Rechte bezogen und beziehen sich teilweise bis in die Gegenwart nur auf weiße, christliche Männer, und das oft auch nur, wenn sie vermögend waren. Frauen und erst recht Schwarze und noch mehr die indigenen Völker blieben hiervon ausgeschlossen.

Besser begründet und ohne Wenn und Aber sind da die von ihm ausführlich referierten Humanismus-Konzepte von Michael Schmidt-Salomon oder Joachim Kahl.

Lehnert setzt sich hier auch mit den Positionen der etablierten Parteien zum Verfassungsgebot von Staat und Religion/Kirche(n) auseinander. Und da kommen alle Parteien von CDU bis hin zu DIE LINKE nicht gut weg. Während er den Parteien CDU/CSU, FDP, SPD und DIE GRÜNEN deutliche Kirchennähe bescheinigt, so nennt er die Position der LINKEN in dieser Frage opportunistisch.

Breiten Raum nimmt die Vorstellung des 2010 gegründeten laizistischen Arbeitskreises in der SPD ein. Daß nahezu zeitgleich sich auch in der LINKEN laizistische Arbeitsgemeinschaften gebildet haben, wird leider nur mit einem Satz erwähnt. Beiden Gruppierungen ist durchaus gemeinsam, daß das Partei-Establishment von SPD und LINKE dem organisierten Laizismus alles andere als wohlgesonnen gegenübersteht. Hinzuzufügen wäre der Unterschied zwischen den Laizisten beider Parteien: In der SPD gründeten Prominente »von oben« ihren Bundesarbeitskreis, während in der LINKEN die Initiative von der Basis (zunächst in Bayern und Thüringen) ausging. Erwähnenswert wäre nicht zuletzt das dezidiert laizistische Programm der Piraten-Partei gewesen.

Für die politische Durchsetzung des Verfassungsgebotes zur Trennung von Staat und Religionen sieht Lehnert zwei Alternativen: durch die bestehenden Parteien selbst, initiiert durch das Wirken laizistischer Kräfte in diesen oder aber Gründung einer von ihm so genannten »Humanistischen Partei«, auch wenn dies zu Beginn nur eine Ein-Punkt-Partei sei. Angesichts der Kirchennähe bzw. -freundlichkeit aller gegenwärtigen Bundestagsparteien favorisiert er die zweite Möglichkeit.

Abschließend formuliert Uwe Lehnert im vierten Abschnitt, dem Kapitel VIII sein »Credo«, sein Plädoyer für einen weltanschaulich und religiös neutralen Staat, für ein Menschenbild und eine Weltsicht, die vom Menschen ausgeht – auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse.

U.a. schreibt er hier: »Religionen predigen den Menschen, was sie zu denken haben, die Wissenschaften, speziell die Naturwissenschaften, zeigen den Menschen, wie sie denken sollen, um zu wirklichkeitsgerechten und damit menschengemäßen Einsichten zu gelangen. (…) Warum sollte es ausgeschlossen sein, daß im Diesseits das wirklich wird, was die [christliche; SRK] Religion für ein angebliches Jenseits nur verspricht? Allein moderne Landwirtschaft und Medizin haben hungernden und kranken Menschen mehr an ›Trost‹ bieten können als Glaube und Kirche je vermochten. (…) Der physische, psychische und moralische Zustand unserer Gesellschaft wäre mit Sicherheit weitaus befriedigender, wenn die in der Summe ungeheuren geistigen Anstrengungen unzähliger Theologen, das angebliche Wort Gottes, wie es in der Bibel niedergelegt ist, mit der Logik und der Wirklichkeit in Übereinstimmung zu bringen, sich auf die Bewältigung konkreter, die Menschen tatsächlich bedrängender Probleme gerichtet hätten.«(S. 439/439)

Danke, lieber Professor Lehnert, denn dem ist nichts hinzuzufügen!

 

Negative Buchkritiken

Natürlich provoziert ein solches kritisches Buch auch ablehnende Stellungnahmen. Das ist legitim und grundsätzlich nicht zu beanstanden.

Wie sich der Leser anhand der eingestellten Rezensionen auf meiner Amazon-Buchseite selbst überzeugen kann, sind davon aber allenfalls eine oder zwei so substantiiert, dass sie Grundlage einer sachlichen Auseinandersetzung darstellen. Interessant ist, dass insbesondere diese wenigen negativen Rezensionen andere Leser herausgefordert haben, sich gegen diese Rezensenten zu wenden. Im Ergebnis liegen derzeit weit über 1000 (in Worten: tausend!) diesbezügliche Diskussionsbeiträge vor. Rezensent FMA hat leider einen Großteil seiner Auseinandersetzungen mit anderen Lesern wieder gelöscht.