Buchkritiken

Die Giordano Bruno Stiftung schrieb am 31. März 2010 in ihrem regelmäßig erscheinenden Newsletter:

Es gibt mitt­ler­wei­le eine beträcht­li­che Anzahl von Büchern, in denen ehe­mals gläu­bi­ge Autoren ihre Befrei­ung von reli­giö­sen Dog­men sowie ihren Weg zu einem neu­en, in sich kon­sis­ten­ten säku­la­ren Welt­bild schil­dern. Zwei Bücher ragen aus der Mas­se der Ver­öf­fent­li­chun­gen her­aus: Uwe Leh­nerts “War­um ich kein Christ sein will” und Rein­hold Mil­lers “Gott, ein Geschöpf des Men­schen”. Bei­de Autoren sind Mit­glie­der des gbs-För­der­krei­ses und waren vie­le Jah­re lang als Didak­ti­ker tätig, was man ihren Büchern wohl­tu­end anmerkt.

Uwe Leh­nert war bis 2002 Pro­fes­sor für Bil­dungs­in­for­ma­tik an der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin. Im Jahr 2000 wur­de er mit dem “Wie­ner-Schmidt-Wis­sen­schafts­preis” aus­ge­zeich­net. In sei­nem Buch “War­um ich kein Christ sein will” skiz­ziert Leh­nert zunächst den Stand der heu­ti­gen Natur­wis­sen­schaf­ten, ins­be­son­de­re der Kos­mo­lo­gie, der Quan­ten­phy­sik, der Evo­lu­ti­ons­bio­lo­gie und der Hirn­for­schung und fragt nach deren phi­lo­so­phi­schen und theo­lo­gi­schen Kon­se­quen­zen.

Im zwei­ten Teil befasst sich der Autor mit der Leh­re und Geschich­te des Chris­ten­tums und der Kir­che und beur­teilt sie im Lich­te der Ver­nunft und heu­ti­ger wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis­se. Im letz­ten Teil for­mu­liert er – von den Ergeb­nis­sen der vor­an­ge­hen­den Tei­le aus­ge­hend – ein natu­ra­lis­tisch-huma­nis­ti­sches Lebens­mo­dell, das … in erstaun­li­cher Wei­se mit den Ein­sich­ten kor­re­spon­diert, die Micha­el Schmidt-Salo­mon in sei­nem etwa zeit­gleich erschie­ne­nen Buch “Jen­seits von Gut und Böse” dar­stell­te.

Unser Fazit: Ein über­aus klu­ges, didak­tisch her­vor­ra­gend gemach­tes Buch, das es auch inter­es­sier­ten Lai­en ermög­licht, die zen­tra­len Grund­ide­en einer huma­nis­tisch-natu­ra­lis­ti­schen Welt­sicht zu ver­ste­hen. (Die­se Kri­tik bezog sich auf die 3. Auf­la­ge!)

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Die Auf­la­gen 1 bis 5 erhiel­ten allein beim Buch­ver­sen­der Ama­zon 75 Rezen­sio­nen, von denen 84 Pro­zent zustim­mend aus­fie­len. Die Rezen­sio­nen kön­nen hier im Ori­gi­nal nach­ge­le­sen wer­den:
www.amazon.de/Warum-kein-Christ-sein-naturalistisch-humanistischen/dp/3939520705/

Die 6. Auf­la­ge erhielt 41 Rezen­sio­nen, von denen 85 Pro­zent zustim­mend aus­fie­len. Sie kön­nen hier ein­ge­se­hen wer­den:
www.amazon.de/Warum-kein-Christ-sein-naturalistisch-humanistischen/dp/3828834752

Der Huma­nis­ti­sche Pres­se­dienst ver­öf­fent­lich­te fol­gen­de emp­feh­len­de Rezen­sio­nen:
Am 16. Dez. 2015: www.hpd.de/artikel/12543
Am 10. Sept. 2010: www.hpd.de/node/10184
Am 3. März 2010: www.hpd.de/node/8967

Zählt man die zustim­men­den Rezen­sio­nen auf den Sei­ten des Huma­nis­ti­schen Pres­se­diens­tes und die aus­schließ­lich zustim­men­den Buch­be­spre­chun­gen bei den ande­ren Buch­ver­sen­dern hin­zu, kommt man ins­ge­samt – Stand 29.10.2018 – auf etwa 125 Rezen­sio­nen mit etwa 90 Pro­zent Zustim­mung.

Lei­der über­nahm Ama­zon, auf des­sen Sei­ten die aller­meis­ten Rezen­sio­nen ein­ge­stellt wer­den, für die 7. Auf­la­ge wie­der­um die bis­her ver­fass­ten Rezen­sio­nen nicht. Das ist bedau­er­lich, ent­steht doch für den poten­ti­el­len Inter­es­sen­ten der fälsch­li­che Ein­druck eines nicht wei­ter beach­te­ten Buches.

Da Reli­gi­ons­kri­tik  in Deutsch­land fast ein Tabu ist, habe ich mit beson­de­rem Inter­es­se ver­merkt, dass das 2014 von der Stif­tung Christ­li­che Medi­en her­aus­ge­ge­be­ne Buch »War­um ich nicht mehr glau­be: Wenn jun­ge Erwach­se­ne den Glau­ben ver­lie­ren« expli­zit auf zwei als Best­sel­ler bezeich­ne­te reli­gi­ons­kri­ti­sche Wer­ke auf­merk­sam mach­te. Als ers­tes wur­de mein vor­lie­gen­des Buch genannt, zwei­tens das von Chris­to­pher Hit­chens »Der Herr ist kein Hir­te«. Bei­de Titel, nicht nur der bekann­te von Richard Daw­kins, hät­ten – so heißt es auf Sei­te 18 – »die Dis­kus­si­on um den neu­en Athe­is­mus ange­heizt« und wür­den inso­fern wesent­lich zu des­sen Ver­ständ­nis bei­tra­gen.

Zu fast allen Rezen­sio­nen bei Ama­zon gibt es Kom­men­ta­re von Lesern. Bemer­kens­wert ist, dass vor allem die ableh­nen­den Rezen­sio­nen weit über 1.000 (!) Dis­kus­si­ons­bei­trä­ge aus­lös­ten. Sie wur­den von zustim­men­den wie kri­tisch-ableh­nen­den Dis­kus­si­ons­teil­neh­mern ver­fasst.

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Nach­fol­gend eine fast will­kür­li­che Aus­wahl von zustim­men­den Rezen­sio­nen, die mit zwei Aus­nah­men alle beim Buch­ver­sen­der Ama­zon für die Auf­la­gen 1 bis 6 ein­ge­stellt wur­den:

Uwe Schmidt (ehem. evgl. Pfarrer): Ein Buch für mündige Menschen

Durch Zufall ent­deck­te ich Uwe Leh­nerts Buch im Inter­net, bestell­te es umge­hend und spür­te recht bald beim Lesen, was mir da zu-gefal­len” war. Näm­lich eine sehr detail­lier­te, sorg­fäl­tig recher­chier­te Begrün­dung auch für mein eige­nes schon sehr lan­ge emp­fun­de­nes Unbe­ha­gen an Chris­ten­tum und Kir­che.

Was mir über vie­le Jah­re im Dienst als evan­ge­li­scher Pfar­rer erst all­mäh­lich immer deut­li­cher und bedrän­gen­der wur­de, fand ich nun bei Uwe Leh­nert sys­te­ma­tisch und sach­lich gut abge­si­chert dar­ge­stellt. Es sind die zum Teil haar­sträu­ben­den Zumu­tun­gen der Bibel und der dar­aus resul­tie­ren­den Glau­bens­sät­ze, die für den Ver­stand ein bestän­di­ges scan­da­lon dar­stel­len und dem eigen­stän­di­gen, geschicht­li­chen und natur­wis­sen­schaft­li­chen Den­ken im Wege ste­hen.

Es ist das beson­de­re Ver­dienst des Autors, Men­schen, die ein ähn­li­ches Unbe­ha­gen im Umgang mit der christ­li­chen Reli­gi­on emp­fin­den, Hil­fen an die Hand zu geben, um das Bauch­ge­fühl in den Kopf und damit in kla­re Argu­men­te für die eige­ne Posi­ti­on zu brin­gen.

Fer­ner zeich­net es Buch und Autor aus, dass hier nicht in Ver­ach­tung, aggres­si­ver Ableh­nung oder gar Ver­höh­nung gespro­chen wird, son­dern in einer sehr sach­li­chen, die Gegen­sei­te stets mit ein­be­zie­hen­den Argu­men­ta­ti­ons­wei­se. Es ist daher deut­lich zu spü­ren, dass Uwe Leh­nert sei­ne Geg­ner nicht zu Fein­den erklärt hat, son­dern sehr wohl zwi­schen Per­son und der zur Dis­kus­si­on ste­hen­den Sache zu unter­schei­den weiß.

Zusam­men­fas­send ist die­ses Buch als ein ganz wich­ti­ger Bei­trag zu wer­ten, der Suchen­den und Fra­gen­den nicht nur gute und sach­li­che Argu­men­te lie­fert in der Aus­ein­an­der­set­zung mit der christ­li­chen Reli­gi­on. Dar­über hin­aus­füh­rend weist Uwe Leh­nert einen Weg auf, wie mün­di­ge Men­schen heu­te mit einem alter­na­ti­ven Welt- und Men­schen­bild” im Kopf eigen­stän­dig und mün­dig in die­ser Welt bestehen kön­nen.

Uwe Schmidt (Ex-Pfarrer): Ein grundlegendes Werk!

Vor gut sechs Jah­ren las ich Uwe Leh­nerts Buch zum ers­ten Mal. Nach einem lang­sam sich ent­wi­ckeln­den Skep­ti­zis­mus im kirch­li­chen Dienst fand ich hier zu ers­tem Mal in aller Klar­heit und mit prä­zi­sen Argu­men­ten den Hin­ter­grund mei­nes eige­nen Unbe­ha­gens am Chris­ten­tum geschil­dert und bestä­tigt.

Jetzt habe ich mir die­ses Buch, nun in 6. sorg­fäl­tig über­ar­bei­te­ten Auf­la­ge, noch ein­mal vor­ge­nom­men. Es war ein gutes Wie­der­ken­nen. Uwe Leh­nert besitzt die Fähig­keit, Unvor­stell­ba­res (Uni­ver­sum) vor­stell­bar und/oder vor Erstau­nen stumm zu machen. Kein unge­wöhn­li­ches Fremd­wort bleibt uner­klärt, er zeigt viel Ver­ständ­nis für sei­ne Leser, nimmt sie behut­sam an die Hand und lässt sie mit sei­ner eige­nen Stumm­heit vor der Unfass­lich­keit des Uni­ver­sums eben­falls stumm wer­den. Nicht wegen intel­lek­tu­el­len Unver­mö­gens, son­dern aus purem Ent­set­zen vor der Groß­ar­tig­keit des Unfass­li­chen, der Wei­te und der Auf­lö­sung unse­rer Vor­stel­lung von Zeit.

Mein Fazit: ich könn­te jede Sei­te die­ses Buchs unter­schrei­ben, weil es Uwe Leh­nert gelun­gen ist, auch mein Den­ken und Füh­len zum The­ma Christ­sein sach­lich, enga­giert und mit gro­ßer Red­lich­keit ohne jeden Anstrich von Eitel­keit dar­zu­stel­len. Was ich für mich und sicher­lich auch für alle übri­gen Leser wohl­tu­end und hilf­reich emp­fun­den habe, ist die Red­un­danz in der Dar­stel­lung. D. h. man muss nicht immer noch mal zurück­zu­blät­tern, um zu sehen, was genau an einer ent­spre­chen­den Stel­le stand. Er selbst erin­nert dar­an und macht so den Fluss des Lesens leich­ter. Außer­dem habe ich auch sei­ne sach­li­che, prä­zi­se und dem dazu­stel­len­den Sach­ver­halt ent­spre­chen­de Spra­che bewun­dert. Sehr ange­nehm fin­de ich auch, dass die Zita­te zwar druck­tech­nisch abge­setzt, aber nicht in irgend­wel­che Fuß­no­ten ver­bannt sind, wobei man dann immer wie­der sprin­gen müss­te. Gut fin­de ich zudem, dass man das Buch auch kapi­tel­wei­se lesen kann, wenn man schwer­punkt­mä­ßig vor allem an Kos­mo­lo­gie, Hirn­for­schung, Bibel, Kri­mi­nal­ge­schich­te des Chris­ten­tums oder eben auch an den anschau­lich dar­ge­stell­ten Alter­na­ti­ven zum Chris­ten­tum inter­es­siert ist. Denn Uwe Leh­nert gelingt es, auch in den ein­zel­nen Abschnit­ten immer wie­der die Bezü­ge zum Gan­zen her­zu­stel­len (s. Red­un­danz).

Die­se vor dem Leser aus­ge­brei­te­ten gesam­ten Pro­ble­ma­tik ist für mich so schlüs­sig und ein­sich­tig, dass ich immer wie­der mit leich­ter Beschä­mung zurück­ge­blickt und mich gefragt habe, war­um es bei mir mehr als ein hal­bes Leben gebraucht hat, um zu den­sel­ben kla­ren Schlüs­sen zu kom­men. Wahr­schein­lich hat es Uwe Leh­nert halt auch ein wenig ein­fa­cher gehabt: ohne elter­li­che Indok­tri­na­ti­on von Kind­heit an. Aber bes­ser spät als nie!

Ich kann also die­ses Buch Inter­es­sier­ten auch des­we­gen dring­lich emp­feh­len, weil Leh­nerts Dar­stel­lung des Sach­ver­halts bar jeg­li­cher Häme ist und er mensch­lich respekt­voll mit den „Gläu­bi­gen“ umgeht, ohne von sei­nen per­sön­li­chen Erkennt­nis­sen und Schlüs­sen auch nur einen Zen­ti­me­ter abzu­wei­chen.

Also noch ein­mal Glück­wunsch zu die­sem umfas­sen­den, grund­le­gen­den und gelun­ge­nen Werk!

Elke Metke-Dippel: Ein Vorbild der intellektuellen Redlichkeit

Es ist die­se „intel­lek­tu­el­le Red­lich­keit“, die Uwe Leh­nert ein­for­dert und die er in sei­nem Buch dem Leser vor­lebt, die ich wäh­rend der Lek­tü­re am meis­ten geschätzt habe. Selbst aus evan­ge­li­ka­len Krei­sen stam­mend kann ich seit eini­gen Jah­ren nicht genug Bücher in Sachen Reli­gi­ons­kri­tik lesen – von Ran­ke-Hei­ne­mann über Desch­ner bis Daw­kins, Berg­mei­er, Kubitza und Lüde­mann, Bug­g­le, uvm … und jetzt Uwe Leh­nert.

Obwohl ich mit eini­gen Fak­ten bereits ver­traut bin, hat mir Uwe Leh­nerts Buch viel gezeigt, gera­de im ers­ten, wis­sen­schaft­li­chen Teil über Erkennt­nis­theo­rie, Zeit & Raum und den unschätz­ba­ren Wert der Wis­sen­schaft. So ermu­tigt Uwe Leh­nert die Men­schen, ihren eige­nen Wahr­neh­mun­gen und Erkennt­nis­sen zu ver­trau­en: sie lie­fern „nicht völ­lig fal­sche Ergeb­nis­se“, da sie sich „offen­sicht­lich im Pro­zess der Evo­lu­ti­on bewährt haben“. Obwohl der Mensch im Ver­gleich zu dem Raum, der ihn umgibt, ver­schwin­dend klein ist und den äuße­ren Rand­be­reich nicht mehr „begrei­fen“ kann, und obwohl die wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se ergeb­nis­of­fen sind und eines Tages durch neue ergänzt oder als nicht mehr „wahr“ offen gelegt wer­den kön­nen, ist das jet­zi­ge Wis­sen des­halb nicht „falsch“.

Leh­nert setzt den Argu­men­ten der Gläu­bi­gen – wer „Gott“ nicht wahr­neh­me, ver­schlie­ße sich mut­wil­lig einer höhe­ren (logi­schen) Erkennt­nis, oder die Wis­sen­schaft sei ledig­lich eine Anhäu­fung von Ver­mu­tun­gen und kön­ne kei­ner­lei Aus­sa­ge zu eine mög­li­chen Exis­tenz eines Schöp­fers machen – auf sehr gut erklär­te und logi­sche Wei­se die erho­be­ne Hand der Ver­nunft ent­ge­gen – ohne dabei mit dem Zei­ge­fin­ger zu wedeln.

Der Abschnitt „Natur­wis­sen­schaft, Reli­gi­on und mensch­li­ches Selbst­ver­ständ­nis“ behan­delt die Ent­wick­lung der mensch­li­chen Sin­nes­or­ga­ne und des Ner­ven­sys­tems sowie das schwie­ri­ge und bis­her noch nicht völ­lig „ver­stan­de­ne“ Ver­hält­nis von „Geist zu Gehirn“ – eine Fund­gru­be von erstaun­li­chen und ernüch­tern­den Fak­ten. Der Mensch, ledig­lich ein kom­ple­xes Gebil­de ohne See­le? Obwohl es erschüt­ternd sein mag, kön­nen wir die wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se nicht igno­rie­ren, so Leh­nert, denn wir neh­men ihre Vor­tei­le tag­täg­lich in Anspruch. Er geht der kom­ple­xen Fra­ge nach der „Wil­lens­frei­heit“ nach, von den Über­le­gun­gen der Phi­lo­so­phie bis zu den Erkennt­nis­sen der Neu­ro­bio­lo­gie: hier herrscht die Erkennt­nis, dass der mensch­li­che Wil­le von „unbe­wusst han­deln­den Instan­zen vor­be­rei­tet“ wird. Anschlie­ßend beschäf­tigt sich Leh­nert mit den mora­li­schen und theo­lo­gi­schen Kon­se­quen­zen und den Aus­sa­gen der Phi­lo­so­phie zum The­ma „Schuld“ sowie mit der Fra­ge nach einer „Moral ohne Gott“.

Der Autor ver­lässt sei­nen ruhi­gen und den­noch ein­dring­li­chen Ton nicht, selbst wenn er über die Moral der „Ver­tre­ter Got­tes auf Erden“ spricht und die man­nig­fa­chen Absur­di­tä­ten der Glau­bens­welt ent­larvt. Kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Die feh­len­de Pole­mik, sei sie noch so ver­ständ­lich, wenn es um Glau­bens­din­ge geht, ist bewun­derns­wert – schon allein des­halb ist das Buch unbe­dingt zu emp­feh­len.

Uwe Leh­nert Abschied vom Chris­ten­tum ist ein gründ­li­ches, wis­sen­schaft­lich fun­dier­tes, und per­sön­lich ehr­li­ches Buch. Es ent­hält so vie­le Fak­ten, dass es sich lohnt, es mehr­mals zu lesen. Zweif­ler, Glau­bens­schwan­ken­de, Neu­gie­ri­ge und Ein­stei­ger in die Reli­gi­ons­kri­tik soll­ten dies gründ­lich tun. Über­zeug­te Chris­ten eben­so. Und bereits mit reli­gi­ons­kri­ti­schen Büchern Ver­trau­te auch.

Roswitha Braun: Sehr gründliche und intellektuell redliche Auseinandersetzung mit dem Christentum

Als Stu­den­tin durch “Das Elend des Chris­ten­tums” reli­gi­ons­kri­tisch “vor­so­zia­li­siert” stieß ich Jahr­zehn­te spä­ter auf Uwe Leh­nerts Buch, das mei­ne kri­ti­sche Hal­tung umfas­send ver­tief­te und befes­tig­te.

Leh­nert spannt zunächst den Bogen zu den Erkennt­nis­sen der moder­nen Wis­sen­schaft auf den Fel­dern Kos­mo­lo­gie, Phy­sik, Evo­lu­ti­ons- und Neu­ro­bio­lo­gie. Auf die­sem Fun­da­ment kri­ti­siert er dann im Kern­teil des Buches auf über 200 Sei­ten das christ­li­che Got­tes- und Men­schen­bild.

Das Buch ist als Rechen­schafts­be­richt des Autors gehal­ten, der sich zusam­men­fas­send Klar­heit über sei­nen schon lan­ge bestehen­den “Nicht-Glau­ben” ver­schaf­fen woll­te. Die Kapi­tel, die sich expli­zit mit dem Chris­ten­tum befas­sen, sind denn auch mit sehr per­sön­lich for­mu­lier­ten Abschnit­ten ver­se­hen, die die­ses stän­di­ge Bemü­hen bezeu­gen ( “Was den­ken die ande­ren und was den­ke ich?” – “Mein CREDO ” usw.)

Leh­nerts Buch hat nicht die pole­mi­sche Schär­fe von Daw­kins GOTTESWAHN. Gera­de aber auf­grund sei­ner behut­sa­men Gründ­lich­keit, sei­ner Klar­heit und intel­lek­tu­el­len Red­lich­keit ist es eine Emp­feh­lung wert ! Dar­über hin­aus ist es eine Fund­gru­be für “schwar­ze” Bibel­stel­len in AT und NT, die den meis­ten moder­nen Chris­ten nicht bekannt sein dürf­ten …

FAZIT: Huma­nis­ten, Agnos­ti­ker, Athe­is­ten – aber auch zwei­feln­de (und ver­zwei­fel­te) Chris­ten wer­den das Buch mit Gewinn lesen.

Für die eben­falls bei Ama­zon erschie­ne­ne bro­schier­te 5. Auf­la­ge fin­den sich dort 76 z. T. sehr aus­führ­li­che Kun­den­re­zen­sio­nen, die selt­sa­mer­wei­se für die neue 6. Auf­la­ge nicht über­nom­men wor­den sind. …

Edgar Dahl: Eine Anatomie der Theologie

Mit Richard Daw­kins’ ‘Der Got­tes­wahn’, Chris­to­pher Hit­chens’ ‘Der Herr ist kein Hir­te’ und Sam Har­ris’ ‘Das Ende des Glau­bens’ schaff­ten es kürz­lich gleich drei reli­gi­ons­kri­ti­sche Bücher zu welt­wei­ten Best­sel­lern zu wer­den. Die erfolg­reichs­ten Bücher sind jedoch sel­ten die bes­ten Bücher. Wer mehr als nur eine poin­tier­te Pole­mik sucht, dem sei daher unbe­dingt Uwe Leh­nerts ‘War­um ich kein Christ sein will’ ans Herz gelegt. Die­ses Buch begnügt sich nicht mit einer nai­ven Kri­tik der evi­den­ten Absur­di­tä­ten der christ­li­chen Dog­men, son­dern lie­fert auch eine pro­fun­de Ana­ly­se der sub­ti­le­ren christ­li­chen Apo­lo­gi­en. Vor allem aber lie­fert es auch eine sys­te­ma­ti­sche Dar­stel­lung der ein­zig logi­schen Alter­na­ti­ve zu einem reli­giö­sen Welt­bild ’ näm­lich eine detail­lier­te Expo­si­ti­on eines natu­ra­lis­tisch-huma­nis­ti­schen Welt­bil­des.

Nach der Lek­tü­re die­ses Buches, das von der Kos­mo­lo­gie und Epis­te­mo­lo­gie über die Quan­ten­me­cha­nik und Evo­lu­ti­ons­theo­rie bis hin zur Neu­ro­bio­lo­gie und Bio­ethik reicht, kann man nur zu dem Shake­speare para­phra­sie­ren­den Urteil gelan­gen: Es gibt vie­le Din­ge im Him­mel und auf Erden, von denen sich unse­re Theo­lo­gen nichts träu­men las­sen!

Das ein­zi­ge Rät­sel, das sich mir nicht erschlie­ßen will, ist, wes­halb sich Ama­zon beharr­lich wei­gert, die 76 aus­ge­zeich­ne­ten Rezen­sio­nen zu publi­zie­ren, die vor­an­ge­gan­ge­ne Auf­la­gen die­ses Buches bereits erhal­ten hat­ten.

Bibliophilia: Wissen statt Glauben!

Es gibt sehr vie­le gute Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit den Christ­li­chen Glau­bens­in­hal­ten. Die­ses Buch gehört mei­ner Mei­nung nach zu den bes­ten.

Der Autor hat sich gründ­lich mit Natur­wis­sen­schaf­ten, Psy­cho­lo­gie, Theo­lo­gie und auch mit der Bibel aus­ein­an­der­ge­setzt und er über­zeugt mit sei­ner schö­nen Spra­che, mit Sach­lich­keit, mit Tole­ranz und mit Fein­ge­fühl. „War­um ich kein Christ sein will“ hat mich vom Anfang bis zum Schluss gefes­selt und ich konn­te mich abso­lut damit iden­ti­fi­zie­ren.

In den ers­ten Kapi­teln führt er den Leser ver­ständ­lich und fun­diert durch den heu­ti­gen Wis­sens­stand der Natur­wis­sen­schaf­ten und rüt­telt damit an der Glaub­wür­dig­keit der christ­li­chen Inhal­te. Die­se Kapi­tel haben mich beson­ders über­zeugt. Uwe Leh­nert ist es her­vor­ra­gend gelun­gen, Lai­en auf ver­ständ­li­che Art und Wei­se, kom­pli­zier­te Sach­ver­hal­te aus Phi­lo­so­phie, Reli­gi­ons­his­to­rie und Wis­sen­schaft zu erklä­ren.

Ich kann die­ses Buch Men­schen emp­feh­len, die der Kir­che kri­tisch gegen­über­ste­hen, aber auch für Chris­ten kann die­ses Buch eine gro­ße Berei­che­rung zum Über­den­ken der eige­nen Welt­an­schau­ung sein.

Ein Amazon Kunde: Dieses Buch hat mich zutiefst überzeugt!

In einem “erz­ka­tho­li­schen” Umfeld auf­ge­wach­sen habe ich mich seit mei­ner Jugend mit Reli­gi­on und reli­gi­ons­kri­ti­schen Büchern befaßt. Uwe Lehnert’s Buch hat mich am meis­ten über­zeugt und ange­spro­chen: sach­lich, kom­pe­tent, authen­tisch!

Ein Buch ist immer nur so gut oder wert­voll, wie es “Ergeb­nis­se” beim Leser zei­tigt. Damit hat Uwe Leh­nert bei mir total ins “Schwar­ze” getrof­fen, da sein Buch das ers­te und ein­zi­ge war, das mich DEN ent­schei­den­den Schritt tun ließ: Den Aus­tritt aus einer men­schen­ver­ach­ten­den Insti­tu­ti­on- DANKE!

Martin Praska: Dies ist ein ‘gefährliches’ Buch. Im besten Sinn

Noch vor einem hal­ben Jahr­hun­dert wäre es auf dem Index Libro­rum Pro­hi­bi­torum des Vati­kan gelan­det — in bes­ter Gesell­schaft neben den Wer­ken von Balzac, Hei­ne, Dide­rot, Kant, Dar­win oder Sart­re. Inhal­te, die sich mit der Glau­bens- und Sit­ten­leh­re der katho­li­schen Kir­che nicht ver­ein­ba­ren lie­ßen. („Mein Kampf“ von Adolf Hit­ler war übri­gens nicht dar­un­ter.) Die Kir­che hat es auf­ge­ge­ben, Bücher zu ver­bie­ten, wohl auch, weil sie mit die­ser ver­dienst­vol­len Tätig­keit heu­te kaum nach­kom­men wür­de. Denn die Lis­te der reli­gi­ons­kri­ti­schen Schrif­ten ist lang gewor­den. „Wer sich über das Chris­ten­tum nicht empört, kennt es nicht“, schreibt der frisch geba­cke­ne Dok­tor der Theo­lo­gie, Joa­chim Kahl, 1968, ein Jahr nach dem Ende des Index, in sei­nem Klas­si­ker „Das Elend des Chris­ten­tums“. Und tat­säch­lich ist auch mei­ne Empö­rung gewach­sen, je mehr ich mich mit der Reli­gi­on befasst habe. Es ist ein gera­de­zu „hei­li­ger Zorn“, den auch Uwe Leh­nert zu wecken weiß. Gera­de weil er dabei ganz unauf­ge­regt, nüch­tern und sach­lich die ent­spre­chen­den Ankla­ge­punk­te zusam­men­trägt: Theo­lo­gi­sche Wider­sprü­che, intel­lek­tu­el­le Unred­lich­kei­ten, mensch­li­cher Grö­ßen­wahn und him­mel­schrei­en­de ethi­sche Defi­zi­te, die dem gewohn­ten sen­ti­men­ta­len Nächs­ten­lie­be-Geplap­per Hohn spre­chen. Eine span­nen­de­re Lek­tü­re für einen christ­lich sozia­li­sier­ten Men­schen, der nichts­des­to­trotz sei­nen Ver­stand noch zu gebrau­chen weiß, gibt es nicht.

Auch Leh­nerts Schrift ist mitt­ler­wei­le in der bereits 6. erwei­ter­ten und aktua­li­sier­ten Auf­la­ge zu einem Klas­si­ker gewor­den. Wohl auch des­we­gen, weil die kla­re unmiss­ver­ständ­li­che Spra­che und die Stich­hal­tig­keit der Argu­men­ta­ti­on kaum zu schla­gen sind. Hier fin­den die Zweif­ler wie­der fes­ten Boden auf dem Grund einer natu­ra­lis­ti­schen Welt­an­schau­ung. Vor den „wun­der­ba­ren“ Erkennt­nis­sen der Wis­sen­schaft und mit dem Trost eines „evo­lu­tio­nä­ren Huma­nis­mus“ (Hux­ley, Schmidt-Salo­mon).

Die „fes­ten“ Gläu­bi­gen indes wer­den in Angst vor der Des­il­lu­sio­nie­rung die­ses Buch mei­den wie der Teu­fel das Weih­was­ser. Ange­sichts des am wei­tes­ten ver­brei­te­ten Aber­glau­bens der Welt, näm­lich dem Chris­ten­tum, fürch­te ich, Inge­borg Bach­mann hat sich geirrt, als sie mein­te, die Wahr­heit sei den Men­schen zumut­bar.

So gese­hen, ein Buch nur für Muti­ge, die der ein­lul­len­den Folk­lo­re zuwi­der und dem Jesus-liebt-dich-Kitsch zum Trotz vor den Gefah­ren der Reli­gi­on nicht die Augen ver­schlie­ßen. Denn „manch­mal glau­be ich, die Welt wäre eine bes­se­re ohne Reli­gi­on“, sagt der Dalai Lama. Ich glau­be das nicht nur manch­mal. Ich habe mich davon über­zeu­gen las­sen. Von muti­gen Leu­ten wie Uwe Leh­nert. Und ich wün­sche sei­nem Buch min­des­tens noch ein­mal 6 wei­te­re Auf­la­gen.

Frank Gerth: Zu Ende denken

War­um ich kein Christ sein will” ist in mei­nen Augen ein genia­les Buch. Richard Daw­kins “Der Got­tes­wahn” hat mich tief beein­druckt, Micha­el Schmidt-Salo­mons “Mani­fest des Evo­lu­tio­nä­ren Huma­nis­mus” hat mich über­zeugt. Aber Herr Uwe Leh­nert hat mit sei­nem Buch mei­ne frü­hen Jugend­über­zeu­gun­gen so fel­sen­fest mit Argu­men­ten zemen­tiert, dass ich immer mehr, leich­ten Sin­nes und fro­hen Mutes, mein Leben lebe, in einem Land, in dem vie­le Men­schen vom archai­schen Gedan­ken­gut der bei­den Groß­kir­chen gefan­gen sind.

Leh­nerts ana­ly­ti­sche, sach­li­che Argu­men­ta­ti­on, die aber nie belei­di­gend wird, über­zeugt mich ganz und gar. Die logi­sche Dich­te der Argu­men­te sei­nes Buches erfor­dert vom Leser Zeit und Refle­xi­on, die, lässt man sich auf das Buch ein, sehr gut in klu­ge Gedan­ken inves­tiert wer­den.

Mich über­zeug­te in Glau­bens­fra­gen zuerst L. Feu­er­bach und nun beson­ders U. Leh­nert. Ein groß­ar­ti­ges Buch für alle, die zu Ende den­ken wol­len.

O. aus Lüdenscheid. Ausgezeichnet

(beim Buch­ver­sen­der www.buecher.de ein­ge­stellt):

Wenn es rich­tig ist, dass die Fra­ge nach Gott und nach der Exis­tenz von uns Men­schen grund­le­gen­de Fra­gen jedes den­ken­den Indi­vi­du­ums sind, so darf man jeden Ein­zel­nen sicher als ‚Fach­mann’ in eige­ner Sache anse­hen. Uwe Leh­nert, kein Fach­mann irgend­ei­ner theo­lo­gi­schen Dis­zi­plin, gleich­wohl auf­rich­ti­ger Nach­den­ker, adres­siert sei­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit die­sen Fra­gen und spe­zi­ell mit dem Chris­ten­tum folg­lich zual­ler­erst an sich. Wie es einem eme­ri­tier­ten Hoch­schul­leh­rer aber zusteht, mün­den sei­ne Über­le­gun­gen in einem sys­te­ma­tisch auf­ge­bau­ten Buch, das vie­le Aspek­te anspricht. In einer leicht ver­ständ­li­chen Spra­che wer­den aus erkennt­nis­theo­re­ti­scher War­te natur­wis­sen­schaft­li­che Infor­ma­tio­nen, phi­lo­so­phi­sche Posi­tio­nen und Ergeb­nis­se kri­ti­scher Theo­lo­gen eben­so refe­riert wie Fak­ten aus der oft unrühm­li­chen und wider­sprüch­li­chen Geschich­te der Chris­ten. Das Resü­mee des Autors, der unein­ge­schränkt ein huma­nis­ti­sches Welt- und Men­schen­bild ver­tritt, wird man­chen Leser ernüch­tern: Um mora­lisch zu leben, sind der Glau­be an einen jen­sei­ti­gen Gott und die Leh­re der christ­li­chen Kir­chen ent­behr­lich. Ins­ge­samt bie­tet die durch­weg anre­gen­de Lek­tü­re m.E. selbst dem beken­nen­den Chris­ten die Mög­lich­keit, durch das Ange­bot des begrün­de­ten Zwei­fels den eige­nen Glau­ben zu fes­ti­gen; dem Zweif­ler zeigt es Per­spek­ti­ven einer men­schen­wür­di­gen Alter­na­ti­ve zum Chris­ten­tum auf.

Dr. Peter M. Suchan: Sine ira et studio

Betr.: Uwe Leh­nert „War­um ich kein Christ sein will“. Die­sen Titel muss man ergän­zen: …“ und sein kann“. Auf nahe­zu 500 Sei­ten begrün­det der aus dem natur­wis­sen­schaft­li­chen-tech­ni­sche Bereich der FU Ber­lin kom­men­de eme­ri­tier­te Hoch­schul­leh­rer Uwe Leh­nert sei­ne Ent­schei­dung, zum orga­ni­sier­ten Chris­ten­tum auf Distanz zu gehen und dies auch nach­voll­zieh­bar zu machen.

Ein Schritt aus einer der gros­sen deut­schen Amts­kir­chen, den im ver­gan­ge­nen Jahr erneut hun­dert­tau­sen­de zwangs­ge­tauf­ter Bür­ge­rin­nen und Bür­ger mit teils schlech­tem Gewis­sen getan haben. Immer noch geis­tert unter den auto­ri­täts­süch­ti­gen deut­schen Chris­ten der Irr­glau­be, Kir­chen­flucht bewei­se einen Cha­rak­ter­man­gel. Immer noch hal­ten sich vie­le der z.T. straf­fäl­lig gewor­de­nen „hoch­wür­di­gen Her­ren“ für selbst­ver­ständ­lich befugt und auch beru­fen, als klu­ge Ober­hir­ten die dum­men Scha­fe hüten zu müs­sen und sich dafür auch noch mit­tels Staat­ver­trä­gen und Kon­kor­da­ten fürst­bi­schöf­lich ali­men­tie­ren zu las­sen.

Sine ira et stu­dio, dafür lei­se und logisch, ver­tritt Leh­nert bereits in der 6. Auf­la­ge als Alter­na­ti­ve sein natu­ra­lis­tisch-natur­wis­sen­schaft­li­ches Cre­do. Offen­sicht­lich kommt ihm sein nicht nur an den Natur­wis­sen­schaf­ten son­dern auch sein an den Erzie­hungs­wis­sen­schaf­ten geschul­ter Scharf­blick zu gute. Sei­ne Unter­su­chung liest sich der­art ein­gän­gig und nach­voll­zieh­bar, sodass regel­rech­te Lese­freu­de auf­kommt. Wer nichts weiss muss bekannt­lich alles glau­ben, also je mehr man weiss, umso weni­ger muss man glau­ben.

Wer Leh­nerts klu­ges Buch liest, der hat anschlies­send mehr als genug Grün­de, geis­tig frei atmen zu kön­nen. Ein schlech­tes Gewis­sen, Angst vor dem „Fege­feu­er“ oder sogar vor dem „Ewi­gen Höl­len­feu­er“ braucht wegen eines Kir­chen­aus­tritts wirk­lich nie­mand zu haben.

Leh­nert lie­fert sei­nen Lesern zahl­rei­che gute Grün­de, den Got­tes­wahn ohne Geschrei zu über­win­den. Prak­ti­zier­te Nächs­ten­lie­be kann bekannt­lich jeder jeden Tag üben.

Bernd Kammermeier: “Wer mehr weiß, glaubt weniger”

Auf 500 Sei­ten doku­men­tiert Uwe Leh­nert sei­nen lan­gen Abschied vom Chris­ten­tum. Leh­nert war Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor für Bil­dungs­in­for­ma­tik und Bil­dungs­or­ga­ni­sa­ti­on. In sei­nem dar­aus resul­tie­ren­den wis­sen­schaft­li­chen Selbst­an­spruch und dem the­ma­ti­schen Zugang als theo­lo­gi­scher Laie liegt die Stär­ke sei­nes Wer­kes. Es kann sich nicht an Theo­lo­gen wen­den, die in ihrer eige­nen her­me­neu­ti­schen Welt leben, die kaum noch Berüh­rung zu ihrem „For­schungs­ge­gen­stand“ auf­weist.

Leh­nerts Buch ist aber für Gläu­bi­ge von Inter­es­se, die sich über die Grund­la­gen ihres Glau­bens unvor­ein­ge­nom­men infor­mie­ren wol­len oder bereits an deren Sinn zwei­feln. Sei­ne Moti­va­ti­on beschreibt Leh­nerts so: „Die­ses Buch ist her­vor­ge­gan­gen aus per­sön­li­chen Auf­zeich­nun­gen und Mate­ria­li­en, die ich über vie­le Jah­re gesam­melt habe.“ (S. 11) Auf der Titelei umreißt er des­sen Funk­ti­on: „Ein Lese­buch für Men­schen, die sich über wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se, Glau­ben und Kir­che infor­mie­ren und dar­über nach­den­ken möch­ten“. Die­se Ein­la­dung ist auch im Wesent­li­chen die Glie­de­rung des Wer­kes, das mich zunächst in die Welt der Wahr­neh­mungs­mög­lich­kei­ten des Men­schen in Bezug auf sei­ne Umwelt und sich selbst ent­führt. Die­se Rei­se beginnt mit der Erkennt­nis­theo­rie, die uns die Beschränkt­heit unse­rer Beob­ach­tung unse­rer Rea­li­tät vor Augen führt. Die Sys­te­ma­tik, mit der dies erfolgt, ist bewun­derns­wert. Aller­dings muss­te ich Muse mit­brin­gen, da der Autor akri­bisch alle rele­van­ten Details zusam­men­ge­tra­gen hat. Sei­ne Schritt-für-Schritt-Prä­sen­ta­ti­on erlaub­te es mir jedoch sei­ne Gedan­ken­gän­ge lücken­los nach­zu­voll­zie­hen.

Leh­nert setz­te bei mir nur gren­zen­lo­se Neu­gier vor­aus, mich auf das Aben­teu­er „Begrei­fen der Welt“ ein­zu­las­sen. Der wis­sen­schaft­li­che Teil ist sehr aus­führ­lich und genau das macht „War­um ich kein Christ sein will“ zu einem Kom­pen­di­um, das vor­züg­lich belegt, war­um unse­re Vor­fah­ren bei der Erfas­sung und Beschrei­bung unse­rer Welt schei­tern muss­ten. In „hei­li­gen“ Schrif­ten kön­nen des­halb kei­ne Wahr­hei­ten ste­hen. Ihr Inhalt ent­springt dem äußerst engen Wahr­neh­mungs­be­reich, der einer vor­tech­ni­schen Zivi­li­sa­ti­on zur Ver­fü­gung stand. Heu­te eröff­net uns die Tech­nik Ein­bli­cke in Mikro- und Makro­kos­mos, die jede Got­tes­vor­stel­lung absurd erschei­nen las­sen.

Dar­auf­hin beglei­te­te mich Uwe Leh­nert auf das Glatt­eis der Reli­gio­nen selbst. Auch hier sind zunächst die Aus­sa­gen an der Rei­he, die uns die „hei­li­gen“ Schrif­ten ver­mit­teln. Vor allem die mora­li­sche Sei­te der Reli­gi­on – ihr Aus­hän­ge­schild – nimmt er unter die empi­ri­sche Lupe. Die wich­ti­gen The­men­kom­plex „Schöp­fung“, „Schuld“ und „Süh­ne“ haben es ihm dabei beson­ders ange­tan. Er ana­ly­siert Bibel­tex­te nicht mit ver­harm­lo­sen­der Exege­se, son­dern indem er sie prä­zi­se mit den Augen eines Nicht­kle­ri­kers liest. Er nutzt den Kon­text ein­zel­ner Bibel­ver­se, um zu zei­gen, wie unmensch­lich sie nach heu­ti­gem Ver­ständ­nis von Gesell­schaft wir­ken, wenn sie ohne beschwich­ti­gen­de theo­lo­gi­sche Wort­akro­ba­tik gele­sen wer­den.

Das 5. Kapi­tel (Nach­den­ken über Gott und sei­ne welt­li­chen Ver­tre­ter und deren Moral) wen­det sich dann den Aus­wir­kun­gen der Bibel in der Kir­che zu und streift auch das zen­tra­le Reli­gi­ons­pro­blem: die Theo­di­zee. Auch die Behaup­tung des Chris­ten­tums, die Urhe­be­rin der Moral zu sein, zer­legt Leh­nert gründ­lich, indem er auf älte­re Tex­te ver­weist, in denen es ähn­li­che mora­li­sche Regeln gab. Auch die Zehn Gebo­te wer­den als untaug­lich für eine moder­ne Rechts­ord­nung ent­larvt.

Den per­sön­li­chen Weg Uwe Leh­nerts aus dem Glau­ben zeich­net das 6. Kapi­tel („End­gül­ti­ger Abschied von Chris­ten­tum und Kir­che“) nach. Ein letz­tes gro­ßes Kapi­tel schließt sich an („Über­le­gun­gen zu einem alter­na­ti­ven Welt- und Men­schen­bild“), in dem der Autor einen Weg in die Zukunft skiz­ziert, wie die Rei­se der Mensch­heit fort­ge­setzt wer­den könn­te, wie die zen­tra­len Fra­gen der Reli­gi­on – z. B. der Sinn des Lebens – ohne Got­tes­glau­ben zufrie­den­stel­lend beant­wor­tet wer­den könn­ten. Wäre dies nicht ein geeig­ne­tes Geschenk für zwei­feln­de Gläu­bi­ge? Es muss nicht so sein, dass man nach der Lek­tü­re auto­ma­tisch kein Christ mehr sein will – aber schwer nach­voll­zieh­bar wäre ein Ver­bleib in der Kir­che schon.

Felix Bölter

Die­ses groß­ar­ti­ge Buch von Uwe Leh­nert führ­te mich vom simp­len Athe­is­mus zur Reli­gi­ons­kri­tik, erwei­ter­te mei­ne Welt­sicht, ermög­lich­te mir die Selbst­iden­ti­fi­ka­ti­on als Huma­nist und reg­te mich erst­mals zum Nach­den­ken über so kom­ple­xe Pro­ble­me wie den (un)freien Wil­len oder die Quan­ten­phy­sik an.

Vie­len Dank an den Autor und kla­re Kauf­emp­feh­lung an jeden ande­ren.

Dr. Bernd Vowinkel (Bonn): Phantasie und Wirklichkeit

Mit die­sem Buch ist dem Autor ein ganz her­vor­ra­gen­des Werk zur Auf­klä­rung im bes­ten Sin­ne gelun­gen. Es ist sach­lich sowohl in sei­nen geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Grund­la­gen als auch in Bezug auf die Natur­wis­sen­schaf­ten sehr fun­diert und den­noch für einen Leser mit durch­schnitt­li­cher Bil­dung gut ver­ständ­lich geschrie­ben. Der Autor zeigt, dass der christ­li­che Glau­be ein Pro­dukt der mensch­li­chen Phan­ta­sie ist und kei­ner­lei Bezug zur Wirk­lich­keit hat. Im Gegen­satz dazu bezeich­net der Autor die Natur­wis­sen­schaf­ten sehr tref­fend als Wirk­lich­keits­wis­sen­schaf­ten. Sie sind unser ein­zi­ger ver­läss­li­cher Zugang zur Wirk­lich­keit. Zur Aner­ken­nung der Wirk­lich­keit gehört die Abkehr vom Geist-Kör­per Dua­lis­mus und der Idee der abso­lu­ten Wil­lens­frei­heit. Der Autor ver­harrt nicht bei rei­ner Reli­gi­ons­kri­tik, son­dern dis­ku­tiert auch ech­te Alter­na­ti­ven. Er zeigt, dass wir für eine Ethik kei­ne Reli­gi­on brau­chen und dass es kei­nen höhe­ren Sinn des Lebens gibt, son­dern dass der Sinn des Lebens im indi­vi­du­el­len Glück im Dies­seits liegt. Beson­ders hoch anzu­rech­nen ist dem Autor, dass er den Natu­ra­lis­mus, im Gegen­satz zu vie­len ande­ren Ver­tre­tern des natu­ra­lis­ti­schen Huma­nis­mus, zu Ende denkt und damit zu einer eher posi­ti­ven Grund­hal­tung zum Trans­hu­ma­nis­mus kommt. Wer nach der Lek­tü­re des Buches immer noch an sei­nem christ­li­chen Glau­ben fest­hält, dem fehlt es ein­fach an Ver­stand und Ver­nunft.

Erwin Nüßler: Erhellend und inspirierend

Uwe Leh­nert befasst sich in die­sem Buch mit dem christ­li­chen Glau­ben und sei­nen per­sön­li­chen Grün­den war­um er die­sen ablehnt.

Unauf­ge­regt, sach­lich und sehr gründ­lich hin­ter­fragt der Autor die ein­zel­nen Aspek­te die­ses Glau­bens und stellt dar, dass die christ­li­che Vor­stel­lungs­welt einer kri­ti­schen Prü­fung nicht stand­hal­ten kann.

Im Gegen­satz zu dem Groß­teil der reli­gi­ons­kri­ti­schen Büchern (wie zB “der Got­tes­wahn”) gefällt mir an die­sem Buch ganz beson­ders, dass Uwe Leh­nert nicht nur sach­li­che Kri­tik am christ­li­chen Glau­ben übt, son­dern sehr über­zeu­gend ein moder­nes, rea­li­täts­be­zo­ge­nes huma­nis­ti­sches Welt­bild als Alter­na­ti­ve gegen­über stellt.

Ich war buch­stäb­lich ergrif­fen, dass ich in die­sem Buch sehr vie­le mei­ne eige­nen Gedan­ken zum Glau­ben und mei­ner Ableh­nung der Got­tes­hy­po­the­se so kris­tall­klar for­mu­liert fand sowie vie­le wei­te­re Aspek­te an die ich noch gar nicht gedacht hat­te.

Es ist ein sehr per­sön­lich geschrie­be­nes Buch, das ich immer wie­der ger­ne lese.

Eberhard Kox: Anregung für Unentschlossene

So ein unauf­ge­reg­tes und zugleich span­nen­des Buch lesend in der Hand zu hal­ten ist für alle die­je­ni­gen, die sich ernst­haft, kri­tisch und zwei­felnd mit ihren bis­he­ri­gen welt­an­schau­li­chen und reli­giö­sen Auf­fas­sun­gen aus­ein­an­der set­zen wol­len, ein Glücks­fall.

Das Fun­da­ment, auf dem Uwe Leh­nert in den ers­ten Kapi­teln sei­nes Buches sei­ne spä­ter gereif­te Über­zeu­gung gegen ein „bron­ze­zeit­li­ches“ Chris­ten­tum auf­baut, ist die Dar­stel­lung der Erkennt­nis­se moder­ner Wis­sen­schafts­zwei­ge, wozu vor allem die evo­lu­tio­nä­re Erkennt­nis­theo­rie, die Rela­ti­vi­täts- und Quan­ten­theo­rie, sowie die Neu­ro­bio­lo­gie gehö­ren.

Ein eige­nes Kapi­tel befasst sich mit dem Pro­blem der Wil­lens­frei­heit, deren Beja­hung ja grund­le­gend ist für den reli­giö­sen Men­schen, um sich frei zwi­schen Gut oder Böse, also zwi­schen Him­mel oder Höl­le, für Gott oder Teu­fel ent­schei­den zu kön­nen. Dass es für Uwe Leh­nert auf­grund neue­rer Erkennt­nis­se der Neu­ro­bio­lo­gie Wil­lens­frei­heit in dem üblich gemein­ten Sin­ne nicht gibt, ist nicht ver­wun­der­lich.

Der „erschüt­tern­den“ Bilanz von 2000 Jah­ren Chris­ten­tum – nir­gends so aus­führ­lich und genau belegt wie von Karl-Heinz Desch­ner – ist ein wei­te­res Kapi­tel gewid­met. Im Kern ent­hält es Leh­nerts sich all­mäh­lich ent­wi­ckeln­de und kon­se­quen­te Ableh­nung des Chris­ten­tums schon auf­grund sei­ner Geschich­te. Mich per­sön­lich – als ehe­ma­li­ger evan­ge­li­scher Christ – hat vor allem die Erklä­rung eini­ger evan­ge­li­scher Lan­des­bi­schö­fe und Lan­des­kir­chen­prä­si­den­ten vom 17.12.1941, in der sie sich voll auf die Sei­te der Nazis und ihren Kampf gegen die Juden schla­gen, betrof­fen gemacht; hat­te ich doch immer geglaubt, dass die pro­tes­tan­ti­sche Kir­che ihrem Namen gerech­ter gewor­den wäre.

Aus der sich im all­mäh­li­chen Pro­zess ent­wi­ckeln­den Ableh­nung reli­giö­ser Mythen ist auch Leh­nerts kri­ti­sches Auf­merks­amma­chen auf die heu­ti­ge Dis­kus­si­on bzgl. des Islams zu ver­ste­hen. Und zu Recht weist er auf die immer noch viel zu star­ke Ver­qui­ckung von Poli­tik und Medi­en mit reli­giö­sen Insti­tu­tio­nen hin, wobei er vor allem auch die lasche Hal­tung die­ser Insti­tu­tio­nen gegen­über des zuneh­men­den Ein­fluss­neh­men­wol­lens des poli­ti­schen Islams beklagt, indem sie die­sen als „befreun­de­te“ Reli­gi­on betrach­te­ten, sozu­sa­gen als Boll­werk gegen das Säku­la­re, den Huma­nis­mus und die Athe­is­ten.

Uwe Leh­nert beschreibt all dies ohne Hass oder Ver­bit­te­rung. Im Gegen­teil: Immer wie­der betont er aus­drück­lich sei­ne Aner­ken­nung reli­giö­ser Men­schen, die sich in den sozia­len Berei­chen enga­gie­ren und aus­ge­zeich­ne­te Arbeit im seel­sor­ge­ri­schen Bereich machen. Dass dies aber natür­lich kein Pri­vi­leg reli­giö­ser Men­schen ist, soll­te klar sein.

Die eigent­li­che „Aus­ein­an­der­set­zung“ mit der Reli­gi­on im All­ge­mei­nen und des Chris­ten­tums im Beson­de­ren nimmt sodann den größ­ten Teil des Buches ein. Die Ver­geb­lich­keit der Got­tes­be­wei­se, das immer­wäh­ren­de The­ma der Theo­di­zee, die soge­nann­ten „christ­li­chen Grund­wer­te“ und die Fra­ge nach einer mög­li­chen mora­li­schen Hal­tung außer­halb von Reli­gi­on sind The­men­schwer­punk­te. Mit einer Fül­le von Bibel­zi­ta­ten, die die für heu­ti­ge Ver­hält­nis­se unglaub­li­che Nicht­be­ach­tung von Men­schen­rech­ten bele­gen, beschreibt Leh­nert sei­ne eige­ne, sehr per­sön­li­che und end­gül­ti­ge Ver­ab­schie­dung vom Chris­ten­tum, die bereits mit den ers­ten kri­ti­schen Fra­gen nach sei­ner Kon­fir­ma­ti­on began­nen. Beson­ders wohl­tu­end beim Lesen ist, dass all dies nicht in Form eines theo­re­tisch-theo­lo­gi­schen Dis­kur­ses geschrie­ben ist. Gera­de weil es so per­sön­lich ist, spricht es einen direkt an und macht die Span­nung, die einen dazu bringt, wei­ter zu lesen, aus. Es sind ein­fach die Fra­gen, die sich jeder nor­ma­le, kri­ti­sche und zwei­feln­de Mensch wäh­rend sei­nes Lebens stellt, wenn er sich der Ver­nunft und einer gewis­sen „intel­lek­tu­el­len Red­lich­keit“ ver­pflich­tet fühlt. Und oft begeg­nen einem Gedan­ken oder Per­so­nen, mit denen man sich im Lau­fe sei­nes Lebens auch selbst befasst hat, sodass am Ende nur der Schluss bleibt, auch „kein Christ“ mehr sein zu wol­len und dar­aus die Kon­se­quen­zen zieht.

Der Klar­heit und Ver­ständ­lich­keit sei­ner Spra­che kommt auch sicher Leh­nerts beruf­li­che Aus­bil­dung und Ent­wick­lung zugu­te, die weni­ger geis­tes­wis­sen­schaft­lich denn natur­wis­sen­schaft­lich geprägt ist: Leh­nert hat zunächst Nach­rich­ten­tech­nik und Elek­tro­nik stu­diert und ist Dok­tor der Inge­nieurs­wis­sen­schaf­ten. Ein Stu­di­um in Erzie­hungs­wis­sen­schaf­ten kam erst spä­ter hin­zu.

Eine posi­ti­ve Alter­na­ti­ve zum christ­li­chen Men­schen­bild sieht Leh­nert in einem „neu­en“ huma­nis­ti­schen Lebens­kon­zept, des­sen Grund­la­ge die ratio­na­le, logi­sche und sys­te­ma­ti­sche Denk­wei­se der Natur­wis­sen­schaf­ten ist und in einer ver­nunft­ba­sier­ten Ethik, die den Blick für den Mit­men­schen nicht außer Acht lässt.

Sei­ne dies­be­züg­li­che Posi­ti­on stellt Leh­nert aus­führ­li­cher anhand der Prä­im­plan­ta­ti­ons­dia­gnos­tik und der Selbst­be­stimmt­heit auch im Tode dar.

Abschlie­ßend weist Leh­nert auf eini­ge Orga­ni­sa­tio­nen wie den Huma­nis­ti­schen Ver­band Deutsch­lands (HVD), den Inter­na­tio­na­len Bund der Kon­fes­si­ons­lo­sen und Athe­is­ten (IBKA), die Gior­da­no-Bru­no-Stif­tung (gbs) und die Frei­den­ker­ver­ei­ni­gung der Schweiz (FVS) hin, plä­diert noch ein­mal für eine strik­te Tren­nung von Staat und Kir­che und umreißt kurz die Visi­on einer mög­li­chen „Huma­nis­ti­schen Par­tei“.

Der Begriff der „Spi­ri­tua­li­tät“ tritt ab und zu, aber nur kurz behan­delt auf, der Begriff „Mys­tik“ tritt über­haupt nicht auf. Wer also meint, er müss­te sei­nem Leben doch noch etwas mehr „Tie­fe“ geben, der soll­te sich mit der Sicht­wei­se Tho­mas Met­zin­gers befas­sen, der ja die Spi­ri­tua­li­tät im Gegen­satz zur Reli­gi­on sieht oder auch unter dem Bereich „säku­la­re Mys­tik“ selbst wei­ter for­schen.

Fazit: Wenn Sie (sinn­ge­mäß zitiert nach Uwe Leh­nert) „Wider­sprü­che zwi­schen Glau­ben und Ver­nunft, zwi­schen Wis­sen­schaft und Theo­lo­gie, zwi­schen reli­giö­sen Behaup­tun­gen und erfah­re­ner Lebens­wirk­lich­keit“ erken­nen, wenn Sie sich nicht gegen­über „Fak­ten zur Geschich­te und Leh­re des Chris­ten­tums“ ver­schlie­ßen wol­len, wenn Sie sich nicht „auto­ri­täts­ori­en­tier­ter Deu­tung“ und der „Sehn­sucht nach Füh­rung und ver­bind­li­chen Lebens­re­geln“ fügen wol­len, wenn sie kei­ne Angst (mehr) haben wol­len vor „gött­li­chem Zorn und Ver­damm­nis“, wenn Sie sich nicht mehr „ent­ge­gen Ihrer Über­zeu­gung dem gesell­schaft­li­chen und beruf­li­chen Druck“ anpas­sen wol­len und wenn Sie sich der „Behar­rungs­kräf­te einer früh­kind­li­chen Indok­tri­na­ti­on“ ent­zie­hen wol­len, dann ist die­ses Buch ein „Muss“ für Sie und: Die dahin­ter ste­hen­de, sich all­mäh­lich ent­wi­ckeln­de natu­ra­lis­tisch-huma­nis­ti­sche Auf­fas­sung kann für Sie – wie auch bei Uwe Leh­nert — eine beglü­cken­de und erfül­len­de Alter­na­ti­ve wer­den!

Redaktion von Testmania.de: Warum ich kein Christ sein will

Wort­ge­wandt und in einer äußerst unter­halt­sa­men Erzähl­art ist dem Autor die­ses Buches mit dem heik­len The­ma „War­um ich kein Christ mehr sein will und war­um ich einen christ­li­chen Glau­ben nicht mehr mit der moder­nen, natur­wis­sen­schaft­li­chen For­schung ver­ein­ba­ren kann“, ein sehr ein­drucks­vol­les Werk gelun­gen.

(Hier folgt die Zitie­rung des ein­lei­ten­den Vor­spanns der Buch­ver­sen­der zu die­sem Buch)

Der beson­de­re Reiz die­ser Lek­tü­re liegt dar­in, dass der Schrei­ber alle Erkennt­nis­se und Ein­drü­cke per­sön­lich gesam­melt hat, und gera­de des­halb wirkt das Nie­der­ge­schrie­be­ne sehr frisch und authen­tisch.

Jeder Leser, der nicht (mehr) an Gott glaubt oder sei­nen Glau­ben immer wie­der anzwei­felt, wird die­ses Buch schät­zen, beson­ders auch weil er vie­le Par­al­le­len der Gedan­ken und Ein­drü­cke des Autors zu sei­nen Erkennt­nis­sen fin­den wird.

Von Anfang bis Ende eine fes­seln­de Lek­tü­re, die den Leser trotz des sach­li­chen The­mas immer wie­der mit teil­wei­se recht humor­vol­len Ein­la­gen über­rascht.

Stefan König: Ein Buch, das den Kopf frei macht

(Vor­weg: Mei­ne Buch­re­zen­si­on bezieht sich auf die aktu­el­le, 6. Aus­ga­be die­ses Werks. Es ist scha­de, dass Ama­zon die lesens­wer­ten Kom­men­ta­re der Vor­gän­ger­ver­si­on nicht auto­ma­tisch mit die­ser Aus­ga­be ver­knüpft. Ich emp­feh­le, die Kom­men­ta­re zur 5. Aus­ga­be den­noch zu lesen, da die 6., erwei­ter­te Aus­ga­be im Grund­satz natür­lich das glei­che Buch ist und sich alles dort Gesag­te auch auf die 6. Aus­ga­be über­tra­gen lässt.)

Alle Men­schen reden immer wie­der über Gott und die Welt. Das scheint ein Natur­ge­setz zu sein. Uwe Leh­nert, Hoch­schul­pro­fes­sor im Unru­he­stand, hat sich selbst ein Her­zens­buch geschrie­ben, nach­dem er sein Leben lang wis­sen­schaft­lich gear­bei­tet und publi­ziert hat. Auch er redet dar­in über Gott und die Welt. Das allein wäre banal und nicht der Rede wert, weil es ja jeder tut.

»War­um ich kein Christ sein will« aber stellt in aller Beschei­den­heit und ohne gro­ßes Sen­dungs­be­wusst­sein das gesam­mel­te Wis­sen eines bil­dungs­hung­ri­gen Men­schen zum The­ma Gott und die Welt zusam­men, sach­lich, seri­ös, aber in für jeder­mann ver­ständ­li­cher Spra­che. Er will nie­man­den bekeh­ren, son­dern erzählt sei­ne Geschich­te. Und die­se Geschich­te liest sich span­nend. Sie führt uns auf eine Rei­se in den Kos­mos, beschreibt uns die wun­der­ba­re Natur und die atem­be­rau­bend span­nen­de Welt der Wis­sen­schaft, die nie­mals den Anspruch erhebt, fer­ti­ge Ant­wor­ten zu geben oder unum­stöß­li­che Erkennt­nis­se zu lie­fern. Leh­nert lädt uns ein, ihm zuzu­schau­en, wie er noch ein­mal die Rei­se durch sein eige­nes Leben macht, um mit­zu­er­le­ben, wie es kam, dass er sich ent­schloss, kein Christ mehr sein zu wol­len.

Er ist sich bewusst, dass sein Buch pola­ri­sie­ren kann, weil er weiß, dass gläu­bi­ge Men­schen oft mit Ableh­nung reagie­ren, wenn man ihren Glau­ben infra­ge stellt. So fin­den sich in bis­he­ri­gen Kri­ti­ken zu sei­nem Buch auch nur ent­we­der umfas­sen­de Zustim­mung oder tota­le Ableh­nung. Letz­te­rer fehlt es meist an Sub­stanz, da es schwer ist, Leh­nerts qua­si voll­stän­di­ger Beschrei­bung des natu­ra­lis­ti­schen Welt­bilds auf der Basis des aktu­el­len Wis­sens der Welt etwas ent­ge­gen­zu­hal­ten.

Was mir am meis­ten an die­sem Buch gefällt, ist die Ein­la­dung an uns, ihn auf sei­ner Rei­se bis zu sei­nem Fazit zu beglei­ten. Er hebt kei­nen mah­nen­den Zei­ge­fin­ger und stellt sich nicht über ande­re. Jeder soll für sich selbst ent­schei­den, ob Reli­gi­on und Glau­be für ihn das Rich­ti­ge ist, oder ob er sich lie­ber auf sei­nen eige­nen Ver­stand ver­las­sen und die Fas­zi­na­ti­on unse­rer Welt unmit­tel­bar erle­ben möch­te. Er zeigt ein­drück­lich, dass “her­kömm­li­cher Got­tes­glau­be und christ­li­che Leh­re sich damit nicht mehr ver­ein­ba­ren las­sen”.

Früh im Buch erfah­ren wir, dass er erst spät (mit 16) kon­fir­miert wur­de und schon als Stu­dent aus der Kir­che wie­der aus­trat. Doch wir alle leben nicht im luft­lee­ren Raum und reden eben immer wie­der über Gott und die Welt. Es könn­te sein, dass es in einer Welt, die kei­ne Reli­gio­nen mehr hat, anders wäre. Aber auch in Deutsch­land sind noch immer ca. 60 Pro­zent der Men­schen Mit­glied einer christ­li­chen Kir­che. Die Zahl der Men­schen, die sich von Reli­gi­on los­sa­gen oder ganz ohne reli­giö­se Glau­bens­bin­dung auf­wach­sen, wächst aller­dings ste­tig. Vie­le Men­schen sind auf der Suche nach fun­dier­ten Argu­men­ten, war­um sie kei­ne Chris­ten mehr sein wol­len. Es ist ja ein wenig wie die Suche nach Argu­men­ten, mit dem Rau­chen auf­zu­hö­ren. Wel­ches Argu­ment ist mein Argu­ment, was über­zeugt mich ganz per­sön­lich? Uwe Leh­nert lie­fert ein gan­zes Kalei­do­skop an Argu­men­ten; wir müs­sen nur lesen, ver­ste­hen und uns das für uns per­sön­lich Rich­ti­ge aus­su­chen. Dann kön­nen wir uns per­sön­lich ent­schei­den, ob wir wei­ter glau­ben oder uns selbst ver­trau­en wol­len.

Ein Buch, das den Kopf frei macht.

PS: Die Rezen­si­on erfolgt nicht unter mei­nem Klar­na­men, da ich ein bekann­ter Poli­ti­ker bin. Ein Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ger von mir sorgt sich, durch die Rezen­si­on um sei­nen Arbeits­platz in einem kirch­li­chen Unter­neh­men ban­gen zu müs­sen.

Prof. Dr. Wolfgang Klosterhalfen: Warum mir Lehnerts Kritik des Christentums so gut gefällt

Zunächst ein­mal gefällt mir die Ruhe, Geduld und Sorg­falt mit der Leh­nert, der eine Pro­fes­sur für Didak­tik an der Päd­ago­gi­schen HS Ber­lin inne hat­te, spä­ter eine für Unter­richts­wis­sen­schaft an der FU Ber­lin, sei­ne glau­bens­kri­ti­schen Ansich­ten dar­stellt und aus­führ­lich begrün­det. Das Buch wirkt ins­ge­samt gepflegt, auch vom Druck­satz her.

Leh­nerts Reli­gi­ons­kri­tik ist gut durch­dacht, basiert auf umfang­rei­chen Recher­chen und berück­sich­tigt auch neus­te For­schungs­er­geb­nis­se, z. B. aus­sa­ge­kräf­ti­ge Expe­ri­men­te, die nach Libet von ande­ren Insti­tu­ten zum Pro­blem des “frei­en” Wil­lens durch­ge­führt wur­den. Und es bie­tet eine Schatz­kam­mer gefüllt mit aus­ge­wählt inter­es­san­ten Zita­ten aus ganz unter­schied­li­chen Quel­len. Wuss­ten Sie z. B., dass Maria am Kreuz dem “Schlacht­op­fer ihres Soh­nes lie­be­voll zuge­stimmt” hat? Sie brau­chen dazu nicht den Kate­chis­mus der RKK durch­zu­le­sen. Der­ar­ti­ges hat der Autor mit Fleiß und Über­sicht zusam­men­ge­tra­gen. Eine didak­tisch her­vor­ra­gen­de Dar­stel­lung der Dimen­sio­nen Raum und Zeit gibt es sozu­sa­gen als Zuga­be. Aber auch sie hat ihren Sinn im Gesamt­zu­sam­men­hang.

War­um ich kein Christ sein will” hat auto­bio­gra­phi­sche Züge (“Mein Weg vom christ­li­chen Glau­ben zu einer natu­ra­lis­tisch-huma­nis­ti­schen Welt­an­schau­ung”), ist aber alles ande­re als selbst­ver­liebt. Das Spek­ta­ku­lä­re am Buch ist para­do­xer­wei­se sei­ne Unauf­ge­regt­heit, sein nicht nach­las­sen­des Bemü­hen um Wahr­heits­fin­dung, sei­ne Höf­lich­keit im Umgang mit dem ideo­lo­gi­schen Geg­ner, sein Ver­zicht auf Pole­mik und eine Aus­führ­lich­keit, die nicht lang­weilt, son­dern durch die gro­ße Anzahl und gute Qua­li­tät der reli­gi­ons­kri­ti­schen Argu­men­te deut­lich macht, dass es mit der angeb­li­chen Ver­ein­bar­keit von Ver­nunft und Glau­ben nicht weit her ist. Und dass einer Moral, die auf Ver­nunft und Tat­sa­chen basiert und nicht auf frag­wür­di­gen Über­lie­fe­run­gen und Inter­pre­ta­tio­nen, die Zukunft gehö­ren soll­te.

Karl Siegert: Bestes Produkt zu diesem Thema in jüngster Zeit

Wer einen “Weg­wei­ser” für sei­ne Lebens­an­schau­un­gen braucht, dann ist es mei­ner Mei­nung nach das gegen­wär­tig bes­te Buch auf dem Markt. mfg K. Sie­gert

Walter Schärf: Einfach das Beste zu diesem Thema

Das war für mich nicht das ers­te Buch zu die­sem The­ma, aber mit Abstand das Bes­te. Klar, ver­ständ­lich, ein­drucks­voll, vor allem auch in den per­sön­li­chen, sehr glaub­haf­ten Bekennt­nis­sen. Beson­ders hat mir auch gefal­len, dass Uwe Leh­nert ganz ohne Pole­mik aus­kommt. Mal abge­se­hen von den wis­sen­schafts­theo­re­ti­schen Erör­te­run­gen jeder­zeit ohne Fremd­wör­ter­buch und beson­de­re Vor­kennt­nis­se mit viel Gewinn les­bar.

Hans Trutnau: “begeisternd begeistert” (Eltville)

Ein sehr per­sön­li­ches Buch, das in die­ser Wei­se bis­her in der säku­la­ren Sze­ne gefehlt hat.

Es liest sich von den Schluss­fol­ge­run­gen stre­cken­wei­se ganz ähn­lich wie Jen­seits von Gut und Böse: War­um wir ohne Moral die bes­se­ren Men­schen sind von Micha­el Schmidt-Salo­mon. Und ist daher viel­leicht ein Fall von Ko-Evo­lu­ti­on bzw. ein Zei­chen dafür, dass die Zeit wirk­lich reif ist für sol­che Gedan­ken. Gera­de­zu rüh­rend (und empa­thisch!) gelingt es Leh­nert, wie er sei­nem Ziel­pu­bli­kum 10er-Poten­zen erläu­tert oder auf ande­re natur­wis­sen­schaft­li­che Begrif­fe hin­führt. Sicher­lich wird sich nicht jede/r mit jeder ein­zel­nen Auf­fas­sung des Autors iden­ti­fi­zie­ren kön­nen; aber für z. B. Inter­es­sen­ten oder För­de­rer der Gior­da­no Bru­no Stif­tung soll­te das Buch (z. B. Kap IV über Wil­lens­frei­heit) ins­ge­samt eine wirk­li­che Berei­che­rung sein. Was Leh­nert z. B. auf S. 335 (3. Auf­la­ge) über wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se sagt, mag nicht kom­plett neu sein, ist aber sel­ten prä­gnant auf den Punkt gebracht. Und, und, und … Sein (per­sön­li­ches) ‘Cre­do’ ab S. 348 unter­schrei­be ich prak­tisch 1:1. Und die ‘Berg­be­stei­gung’ ganz am Ende ist erfreu­li­cher­wei­se kei­ne Berg­pre­digt …  Hät­te ich den Autor doch schon wäh­rend mei­nes Stu­di­ums in Ber­lin ken­nen­ge­lernt – es wäre sicher befruch­tend gewe­sen.

Uta G.: Absolut empfehlenswert

Ein wirk­lich beein­dru­cken­des Buch, das sein Geld abso­lut wert ist. Eine per­sön­li­che und ehr­li­che Abrech­nung mit dem Chris­ten­tum. Dem Leser wird ver­ständ­lich nahe­ge­bracht, dass Trost, Sinn und Hoff­nung auch zu fin­den sind, ohne Denk­ver­zicht ab einem bestimm­ten Punkt zu üben bzw. sein Hirn aus­zu­schal­ten. Das Buch über­zeugt durch fach­li­ches Wis­sen und eine bestechen­de Logik, gera­de auch für den Lai­en gut ver­dau­lich dar­ge­legt und müss­te eigent­lich bei jedem Gläu­bi­gen gro­ße Nach­denk­lich­keit hin­ter­las­sen. Lei­der ist bei Got­tes­fürch­ti­gen gehäuft kogni­ti­ve Dis­so­nanz anzu­tref­fen und sie schei­nen sich vor sol­cher Lite­ra­tur zu fürch­ten wie der Teu­fel vor dem Weih­was­ser. Wich­tig fin­de ich auch, dass vom Autor die in Deutsch­land fata­ler­wei­se immer noch nicht voll­zo­ge­ne Tren­nung von Staat und Kir­che ange­spro­chen wird.

Dr. Fritz Berthold (Duisburg)

Lie­ber Leser, Sie müs­sen jetzt ganz tap­fer sein. Und bereit, zu neu­en Ufern auf­zu­bre­chen. Denn wenn Sie sich die­ses Buch erar­bei­tet haben, wer­den Sie ein ande­rer Mensch sein! Möch­ten wir das nicht auch? Wozu lesen wir denn über ein The­ma, wel­ches uns inter­es­siert, wenn wir nicht auch Neu­land betre­ten wol­len? …

Uwe Leh­nert nennt z. B. das christ­li­che Abend­mahl mit Recht einen bizarr-kan­ni­ba­li­schen Kult aus über­kom­me­ner Zeit. Der christ­li­che Glau­be ist für ihn eine gedank­li­che Kon­struk­ti­on, die aus älte­ren reli­giö­sen Vor­bil­dern und Mythen, unter ande­ren dem Mithras­kult, durch macht­in­ter­es­sier­te Men­schen ent­wi­ckelt wur­den. Gleich­zei­tig aner­kennt er auch den Trost, die Hoff­nung und den Glau­ben an die Zukunft, den die­se Reli­gi­on spen­det und sicher­lich von vie­len in gro­ßem Glau­ben gege­ben und emp­fan­gen wird. Nur — mit einem Jen­seits hat das alles nichts zu tun. Selbst ihm fällt es schwer, mit einem beton­ten “Ja” zu ant­wor­ten, wenn es um die Fra­ge geht, ob es sich beim Glau­ben um eine reli­giö­se “Ein­bil­dung” han­delt, um eine Wahn­vor­stel­lung, in deren Schat­ten die wun­der­ba­ren kir­chen­mu­si­ka­li­schen Wer­ke eines Johann Sebas­ti­an Bach geschaf­fen wor­den sind oder auch wenn es um das opfer­vol­le Leben unzäh­li­ger Men­schen geht.

Wir, die wir zumeist ab der frü­hes­ten Kind­heit christ­lich indok­tri­niert sind, haben kei­ne Pro­ble­me damit, den Glau­ben der Mus­li­me und der Hin­dus als Irr­glau­ben abzu­tun — und vie­le wer­den erst durch die glas­kla­re Dar­stel­lung in die­ser lesens­wer­ten fünf­ten Aus­ga­be bemer­ken, dass auch ihr Glau­be ein Aber­glau­be ist.

Uwe Leh­nert schreibt auch über die Ein­ma­lig­keit unse­res Daseins, über das unge­heu­re Glück, nicht nur, dass wir einen kos­mi­schen Augen­blick lang an die­sem Leben teil­neh­men dür­fen, son­dern uns des­sen auch bewusst sind! Wir wuss­ten nicht, wo wir vor­her waren, und unse­re Ato­me wer­den wei­ter­zie­hen – aber WIR, im Gegen­satz zu vie­len ande­ren denk­ba­ren mög­li­chen “ICH’s”, wer­den gelebt haben! Das genügt.

Bei aller Skep­sis (ob der dog­ma­tisch auf­er­leg­ten Glau­bens­grund­sät­ze) den Men­schen gegen­über, die im Lau­fe der Jahr­hun­der­te eine Schrift zusam­men­ge­stellt und für hei­lig erklärt haben, wird in die­sem Buch den­noch die Grö­ße und Erha­ben­heit der Kunst­wer­ke gese­hen, die im Schat­ten der tie­fen Volks­fröm­mig­keit ent­stan­den sind. Auch die Gestal­tung des Jah­res­ab­laufs, gleich ob heid­ni­schen oder christ­li­chen Ursprungs, wird nicht in Fra­ge gestellt, auch nicht die Ritua­le bei Hoch­zeits- oder Begräb­nis­fei­er­lich­kei­ten, obwohl der Ver­stand sich laut­stark mel­det, sobald ein Kle­ri­ker den Mund auf­macht und alte Ritu­al­be­stand­tei­le aus­brei­tet. Wört­lich: “… es fehlt eine Form von Fei­er­lich­keit, die das Gemüt – oder wenn man es lie­ber so aus­drü­cken möch­te: die See­le – anspricht, ohne den Ver­stand zu krän­ken.”

Es wird klar­ge­stellt, dass das Gebet nichts nützt, dass auch ein Papst sich lie­ber in die hei­len­de Kunst ärzt­li­cher Hän­de begibt, das Papa­mo­bil mit sechs Zen­ti­me­ter Pan­zer­glas geschützt ist und alle Got­tes­häu­ser mit Blitz­ab­lei­tern ver­se­hen sind. Fra­gen wie: War­um sind bei dem Erd­be­ben in Lis­sa­bon 1755 beson­ders vie­le Gläu­bi­ge umge­kom­men oder wann sei je einem Bedräng­ten durch ein Gebet Hil­fe zuge­kom­men außer durch Men­schen, müs­sen erlaubt sein, auch wenn die Kir­chen einen sol­chen Fra­ge­stel­ler am liebs­ten noch heu­te wür­den bren­nen sehen.

Der Kern des Chris­ten­tums ist eine Wunsch­vor­stel­lung” ent­stan­den aus der Sehn­sucht der Men­schen nach Schutz, Halt und Sinn, aus­ge­nutzt durch eine Pries­ter­kas­te, die Macht und Ein­fluss über die Men­schen gewin­nen und behal­ten will. …

Vie­le Bücher habe ich inzwi­schen gele­sen, die sich mit Reli­gi­ons­kri­tik und mit dem Chris­ten­tum befas­sen. Die­ses ist das abso­lut fein­geis­tigs­te und fein­sin­nigs­te, zurück­hal­tends­te, dem jede Angriffs­lust fehlt – was wohl an der pri­va­ten Natur des Autors liegt, den ich per­sön­lich noch gar nicht ken­ne. Es kommt dem Autor über­haupt nicht auf Angriff an, son­dern nur auf die Erfas­sung logi­scher Zusam­men­hän­ge zum Zweck des eige­nen Ver­ste­hens.

Aber mit dem Ver­ste­hen des Chris­ten­tums haben schon ande­re ihre Pro­ble­me gehabt.

Dr. Günther (Celle): Vernunft gegen Offenbarung

Unter den Büchern für und wider die Reli­gi­on ragt die­ses Buch her­aus.

Es ist kei­ne pole­mi­sche Streit – oder Recht­fer­ti­gungs­schrift, son­dern ein Auf­ruf zu einer unvor­ein­ge­nom­me­nen Dis­kus­si­on unter Füh­rung von Ver­nunft und Logik.

Die schon in der frü­hen Jugend des Autors quä­len­den Zwei­fel am christ­li­chen Glau­ben und den Glau­bens­dog­men führ­ten zu einer lebens­lan­gen Sinn­su­che mensch­li­cher Exis­tenz.

Außer­ge­wöhn­lich ist, dass dem Leser pri­mär mit didak­ti­schem Kön­nen die fun­da­men­ta­len Erkennt­nis­se der Phy­sik, Astro­no­mie, der Evo­lu­ti­ons­bio­lo­gie, denen wir unser heu­ti­ges Welt­bild ver­dan­ken, vor Augen geführt wer­den. Nur die wis­sen­schaft­li­chen Ein­bli­cke in den Mikro- und Makro­kos­mos erlau­ben Aus­sa­gen über Mensch und Uni­ver­sum, nicht alte, über 2000 jäh­ri­ge Bibel­vor­stel­lun­gen natur­wis­sen­schaft­lich blin­der reli­giö­ser Män­ner.

Die Natur­wis­sen­schaft muss­te sich immer wie ein Vul­kan­aus­bruch gegen die har­ten Krus­ten des Glau­bens durch­set­zen.

Die aus mensch­li­chen Denk­mus­tern stam­men­den Fra­gen des Woher u. Wohin, des War­um u. Wozu die­nen der Ori­en­tie­rung auf unse­rem Glo­bus, haben kei­ne kos­mi­sche Rele­vanz. Die Sinn­ge­bung als Dasein für ande­re unter dem Aspekt indi­vi­du­el­ler Mög­lich­kei­ten wird mit ande­ren Autoren dis­ku­tiert.

Der säku­la­re Erkennt­nis­schub der Auf­klä­rung konn­te Tabus bre­chen und hei­li­ge Dog­men erschüt­tern.

Es wird die Nähe von Dog­men und Fana­tis­mus gezeigt. Selbst Luther hat die Ver­nunft als Hure bezeich­net, um kri­ti­sche Glau­bens­zwei­fel zu ersti­cken.

Es wer­den Huma­ni­tät und Bru­ta­li­tät der christ­li­chen Bibel und christ­li­chen Geschich­te gegen­über gestellt und die Fra­gen der Moral und Ethik, des Wil­lens und Bewusst­seins aus­führ­lich erör­tert.

Es wird gefragt, war­um hin­ter den vie­len Unge­wiss­hei­ten unse­res Kos­mos noch eine wei­te­re Unge­wiss­heit gött­li­cher Ratio ste­hen muß, was die Erkennt­nis nicht för­dert.

Jeder, der den Wil­len und Mut hat, sei­ne eige­ne Mei­nung der Wahr­heit unter­zu­ord­nen, wird von die­sem Buch pro­fi­tie­ren.

Eine namentlich nicht bekannte Leserin: Innere Revolution durch ein Buch

Mei­ne Vor­red­ner haben im Grun­de schon alles Wich­ti­ge zum Inhalt gesagt. Hier nur ein Dank einer ehe­ma­li­gen über­zeug­ten Katho­li­kin an den Autor:

Um es mit den Wor­ten des eng­li­schen Come­di­an Geor­ge Car­lin zu beschrei­ben (kommt nicht im Buch vor):

Im Him­mel ist ein unsicht­ba­rer Mann der eine Lis­te hat  mit 10 Din­gen, die Du nicht tun sollst. Und er sieht dich immer und über­all und er sieht alles, was Du tust. Und wenn Du eines der Din­ge auf der Lis­te tust, hat er einen Platz voll Feu­er und Lei­den und dort wirst du für alle Zeit in der Höl­le bren­nen! Aber er liebt Dich”.

Eine kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Glau­ben, der uns direkt durch die Erzie­hung oder die Gesell­schaft geprägt hat, lohnt sich! Uwe Leh­nert macht das sorg­fäl­tig, ohne Pole­mik und über­zeugt argu­men­ta­tiv.

Die­ses Buch hat mei­ne Ein­stel­lung zur Stel­lung des Men­schen im Uni­ver­sum, der Bibel, der Insti­tu­ti­on der Kir­che und zum Leben an sich grund­le­gend ver­än­dert.

Ich schlie­ße mich also einem Vor­red­ner an, der mein­te: “Sie müs­sen jetzt ganz mutig sein”.

Es gibt weni­ge Bücher, die mich in mei­nem Leben so grund­le­gend bewegt haben. Die­ses Buch gehört ein­deu­tig dazu.

In die­sem Sin­ne bedan­ke ich mich herz­lich beim Autor.

Winfried Krakau: Mutmacher Vernunft

Ein Buch für alle, die sich mit Reli­gio­nen aus­ein­an­der­set­zen wol­len. Sehr über­zeu­gend, weil der Autor aus ehe­ma­li­ger christ­li­cher Indok­tri­na­ti­on kom­mend, intel­lek­tu­ell red­lich argu­men­tiert. Die Argu­men­ta­ti­on bewegt sich auf hohem didak­ti­schen Niveau und ana­ly­siert das Chris­ten­tum stell­ver­tre­tend für alle tran­szen­den­ten Reli­gio­nen. Neben der Dar­stel­lung des moder­nen Welt­bil­des der Natur­wis­sen­schaf­ten wird auch ein gan­zes Kapi­tel der gegen­wär­tig bri­san­tes­ten Fra­ge der Wil­lens­frei­heit gewid­met. Kon­se­quent wer­den die tief­ge­hen­den Pro­ble­me zu Schuld und Süh­ne und die straf­recht­li­chen Aus­wir­kun­gen dis­ku­tiert. Wenn Wil­lens­frei­heit eine Illu­si­on ist, tut sich eine neue Sicht auf das Ver­hält­nis des Men­schen zu sich selbst und dem Ande­ren auf. Als Fol­ge aus sei­nen Erkennt­nis­sen, beschreibt der Autor ein natu­ra­lis­tisch-huma­nis­ti­sches Welt- und Men­schen­bild. Die­ses Buch ist her­vor­ra­gend geeig­net, als Lehr­ma­te­ri­al in Schu­len zu die­nen. Es tritt der ver­stärk­ten Ten­denz der Kir­chen ent­ge­gen, ver­lo­re­ne Posi­tio­nen in der Gesell­schaft durch vom Staat weit­ge­hend finan­zier­te kon­fes­sio­nel­le Schu­len zurück zu gewin­nen. Es stellt einen wei­te­ren Bau­stein zu einer säku­la­ren Ver­fas­sung der Gesell­schaft und einer längst fäl­li­gen wirk­li­chen Tren­nung von Staat und Kir­che dar.

Rainer Buchheim: Pflichtlektüre für Lebenskundelehrer und Katecheten

Gewiß gibt es seit der Auf­klä­rung und auch nach Nietz­sche und Daw­kins eine gan­ze Rei­he her­vor­ra­gen­der reli­gi­ons­kri­ti­scher Wer­ke. Setzt man die­se aber ein­mal rein zah­len­mä­ßig ins Ver­hält­nis zu dem unüber­seh­ba­ren Wust reli­giö­ser, eso­te­ri­scher, spi­ri­tu­el­ler, theo­lo­gi­scher, erbau­lich-from­mer und fröm­meln­der Lite­ra­tur, so ist jedes Buch mehr, das einer natu­ra­lis­tisch-huma­nis­ti­schen Welt­an­schau­ung ver­pflich­tet ist, ein Gewinn. Und die­ses Buch ist ein beson­de­rer Gewinn:

Leh­nert erläu­tert in über­schau­ba­rem Umfang und für den Lai­en ver­ständ­lich die phi­lo­s­phi­schen und vor allem natur­wis­sen­schaft­li­chen Grund­la­gen einer athe­is­ti­schen oder agnos­ti­schen Welt­sicht, und das auf sehr prä­zi­se, popu­lä­re aber dabei kei­nes­wegs sim­pli­fi­zie­ren­de Wei­se. Aktu­el­le Theo­ri­en der Astro- und Quan­ten­phy­sik flie­ßen dabei eben­so ein wie die neue­ren Erkennt­nis­se der Evo­lu­ti­ons­bio­lo­gie und der Hirn­for­schung. Allein damit gelingt ihm der Nach­weis, dass Atheismus/Agnostizismus eben mehr ist als nur eine ande­re Art Glau­be.

Im Kap. VI schreibt Leh­nert über einen sei­ner Leh­rer: Frei von pole­mi­schen und aggres­si­ven Atta­cken, in geschlif­fe­ner Spra­che und gestützt auf ein umfang­rei­ches phi­lo­so­phi­sches, theo­lo­gi­sches und kul­tur­ge­schicht­li­ches Wis­sen ent­wi­ckel­te Szc­zes­ny sei­ne Posi­ti­on als Nicht­christ. Und genau die­ser Dik­ti­on bleibt Leh­nert treu, wenn er sich im zwei­ten Teil des Buches anhand des nicht ganz ein­fa­chen Pro­blems der Wil­lens­frei­heit, der Fra­ge von christ­li­cher Moral und mensch­li­cher Ethik, des Inhalts der Bibel sowie der Geschich­te des Chris­ten­tums direkt mit Kir­che, Reli­gi­on und Glau­ben aus­ein­an­der­setzt: unauf­ge­regt aber red­lich und kon­se­quent im Den­ken, gelas­sen aber kom­pro­miß­los im Urteil.

Doch Leh­nert läßt es nicht bei der Kri­tik bewen­den. In den bei­den letz­ten Kapi­teln ent­wirft er ein zum reli­giö­sen alter­na­ti­ves Welt- und Men­schen­bild und skiz­ziert ein evo­lu­tio­när-huma­nis­ti­sches Her­an­ge­hen an den Sinn des Lebens.

Der Leser ahnt im Ver­lauf der Lek­tü­re, welch gewal­ti­ger Schatz an Wis­sen, Lebens­er­fah­rung und -weis­heit des Autors dem Werk zugrun­de liegt. Es sei dem Suchen­den oder dem zwei­felnd Gläu­bi­gen eben­so emp­foh­len wie dem über­zeug­ten Athe­is­ten, der nach Argu­men­ten für die geis­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zung fahn­det. Es sei Pflicht­lek­tü­re für Lebens­kun­de­leh­rer eben­so wie für Kate­che­ten!

Schober: Eine Analyse fundamentaler Fragestellungen zum Christsein

Das Buch trifft den Nerv vie­ler kri­ti­scher Men­schen, die intel­lek­tu­ell anspre­chen­de Abhand­lun­gen zum Sinn des Lebens suchen und die Hil­fe­stel­lun­gen durch die christ­li­chen Reli­gio­nen in Fra­ge stel­len. Der Titel des Buches nimmt das Ergeb­nis der Ana­ly­se vor­weg. The­men zum Uni­ver­sum, der Quan­ten­theo­ri­en, Erkennt­nis­se der Neu­ro­lo­gie und Gedan­ken gro­ßer Phi­lo­so­phen wer­den eben­so behan­delt, wie die Grund­la­gen der christ­li­chen Reli­gio­nen zu Gott. Beson­ders beach­tens­wert sind die Aus­füh­run­gen zur Wil­lens­frei­heit, zu Schuld und Stra­fe.

Das Buch gehört zu den bes­ten und niveau­volls­ten kir­chen­kri­ti­schen Abhand­lun­gen. Die Prä­zi­si­on der Ana­ly­se, die Sach­lich­keit der Argu­men­ta­ti­on, aber auch die gute Les­bar­keit und Ver­ständ­lich­keit auch kom­ple­xer The­men zeich­nen es aus. Vie­le Men­schen stel­len sich ähn­li­che Fra­gen zum Sinn des Lebens. In die­sem Buch fin­det man sei­ne eige­nen Fra­gen oft­mals ein­fa­cher und kla­rer gestellt, als man es selbst bis­her ver­moch­te — und die­se wer­den auch seri­ös beant­wor­tet. Das Rin­gen um Erkennt­nis steht im Vor­der­grund, es gibt bei Leh­nert kei­ne unter­grif­fi­ge Argu­men­ta­ti­on gegen die christ­li­chen Kir­chen, er geht immer respekt­voll mit Anders­den­ken­den um.

Wir kön­nen dank­bar sein, dass jemand sein Wis­sen und sei­ne Erkennt­nis­se, wel­che das Ergeb­nis eines mehr­jäh­ri­gen Rin­gens, Fra­gens und Dis­ku­tie­rens waren, publi­ziert und damit ande­ren zugäng­lich macht.

Abild-Schindler: Gut für Menschen, die an ihrem Glauben zweifeln

Es ist kein leich­ter Weg, den Uwe Leh­nert in sei­nem Buch gegan­gen ist: Der Weg vom aner­zo­ge­nen Glau­ben des Jugend­li­chen, über die Infra­ge­stel­lung aller christ­li­chen Glau­bens­sät­ze und Vor­schrif­ten hin zu sei­ner heu­ti­gen Über­zeu­gung, einer natu­ra­lis­tisch-huma­nis­ti­schen Welt­an­schau­ung.

Der Autor hat das Buch qua­si im Zwie­ge­spräch mit sich selbst geschrie­ben, um mit Hil­fe von Natur­wis­sen­schaf­ten, Phi­lo­so­phie, Geschichts­wis­sen­schaft und kri­ti­scher Theo­lo­gie sich ein wohl­durch­dach­tes Urteil über Gott, Chris­ten­tum und Kir­che zu bil­den. Er kann des­halb auch ein guter Beglei­ter sein für alle, die bis­her im Zwei­fel gelebt haben und nun ent­schlos­sen sind, ihr Ver­hält­nis zur Reli­gi­on zu klä­ren.

Leh­nert greift sub­jek­tiv und den­noch umfas­send die wich­tigs­ten Fra­gen zu “Gott und die Welt” her­aus. Sei­ne gut unter­mau­er­ten Argu­men­te sind radi­kal, gehen tief, sind aber immer nach­voll­zieh­bar. Und sie füh­ren an häu­fig noch gar nicht bewuß­te Denk­ver­bo­te her­an.

Das Buch for­dert dazu her­aus, sich eben­falls zu posi­tio­nie­ren, sich selbst Fra­gen zu stel­len: Wie weit gehe ich inhalt­lich mit, wo stim­me ich nicht zu, was mache ich mit mei­nen Erkennt­nis­sen? Habe ich den Mut, mich mei­nem katho­li­schen oder pro­tes­tan­ti­schen Umfeld als “Ungläubige/r” oder – posi­tiv aus­ge­drückt – als Humnanist/in zu erken­nen zu geben? Wenn nein, war­um nicht? Was habe ich zu befürch­ten, wenn ich mei­ne Kri­tik an der Kir­che öffent­lich mache? Und: Wo fin­de ich bei mei­ner Suche nach selbst­be­stimm­tem Leben und nach einem kir­chen­un­ab­hän­gi­gen, nicht­re­li­giö­sen Lebens­kon­zept Gleich­ge­sinn­te? Auch bei die­ser Fra­ge gibt der Autor Hil­fe­stel­lung durch Hin­wei­se auf bereits bestehen­de huma­nis­tisch-ori­en­tier­te, athe­is­ti­sche oder frei­geis­ti­ge Orga­ni­sa­tio­nen und ihre Zie­le. Den Weg dahin kön­nen die Leser dann allei­ne fin­den. …

Günther Drutschmann: Warum ich kein Christ sein will

Das Buch ist bril­lant geschrie­ben und der Logik der Argu­men­te kann man sich kaum ver­schlie­ßen. Die Fra­gen, die der Autor stellt und spe­zi­ell sei­ne Gedan­ken zu Gott und des­sen Schwei­gen im Holo­caust, beschäf­ti­gen mich seit mei­ner Jugend. Auch ste­he ich heu­te der katho­li­schen Amts­kir­che sehr kri­tisch bis ableh­nend gegen­über.

Trotz­dem berei­tet mir die­ses Buch gro­ßes Kopf­zer­bre­chen. Die Radi­ka­li­tät, mit der Herr Prof. Leh­nert Gott und den Glau­ben in der Ver­sen­kung ver­schwin­den lässt, bewun­de­re ich und gleich­zei­tig irri­tiert sie mich. Dass wir nur ein Hau­fen alber­ner Men­schen sein sol­len, die eine gewis­sen Zeit und mehr oder weni­ger zufäl­lig hier auf die­sem Pla­ne­ten her­um­ir­ren und unse­re Erfül­lung und den Sinn in den Din­gen des täg­li­chen Lebens fin­den, fällt mir sehr schwer zu glau­ben. Ich füh­le mich nicht so stark wie der Autor, ganz auf eine höhe­re Macht zu ver­zich­ten. Das Buch hat mich gera­de in die­sem Punkt tief erschüt­tert, weil die Argu­men­te des Ver­fas­sers so stich­hal­tig erschei­nen. Wer in die­sen Din­gen sehr sen­si­bel ist, soll­te das Buch mit Vor­sicht lesen. Lei­der war ich unvor­sich­tig und las es. Ich hof­fe zudem, dass der Autor das auch wirk­lich lebt, ins­be­son­de­re zum Sinn des Lebens und des­sen Ende, was er in sei­nem Buch so ein­drucks­voll und wort­ge­wandt schil­dert.

Negative Buchkritiken

Natür­lich pro­vo­ziert ein sol­ches kri­ti­sches Buch auch ableh­nen­de Stel­lung­nah­men. Das ist nicht nur legi­tim son­dern gehört grund­sätz­lich zu einer sach­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung.

Wie sich der Leser anhand der ein­ge­stell­ten Rezen­sio­nen auf den bei­den Ama­zon-Buch­sei­ten für die 1. bis 5. sowie die 6. Auf­la­ge selbst über­zeu­gen kann, sind davon aber allen­falls zwei oder drei so sub­stan­ti­iert, dass sie Grund­la­ge einer sach­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung dar­stel­len. Inter­es­sant ist, dass ins­be­son­de­re die­se weni­gen nega­ti­ven Rezen­sio­nen ande­re Leser her­aus­ge­for­dert haben, sich gegen die­se Rezen­sen­ten zu wen­den. Im Ergeb­nis lie­gen der­zeit weit über 1.000 (in Wor­ten: tau­send!) dies­be­züg­li­che Dis­kus­si­ons­bei­trä­ge vor. Rezen­sent FMA, der mein Buch sehr kri­tisch betrach­tet hat, hat lei­der einen Groß­teil sei­ner Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit ande­ren Lesern wie­der gelöscht.

Hier aus der Feder eines über­zeug­ten Katho­li­ken eine der ganz weni­gen ableh­nen­den Buch­be­spre­chun­gen. Der aller­dings wie­der­um eine Viel­zahl von Kom­men­ta­to­ren wider­spra­chen:

K. Bernhard: Laufen auf sehr dünnem Eis …

Nach­dem ich mei­ne ers­te “Rezen­si­on” nur auf Basis von eini­gen Leh­nert-Inter­views geschrie­ben hat­te, ohne aber das Buch gele­sen zu haben, möch­te ich nun tie­fer ein­stei­gen und das Buch selbst “unter die katho­li­sche Lupe” neh­men. Es bleibt bei einem Stern, ich möch­te jedoch mei­nen Dank an Herrn Prof. Leh­nert zum Aus­druck brin­gen. Wir haben mitt­ler­wei­le (hier auf Ama­zon) doch inten­siv “dis­ku­tiert” soweit dies eben über die Ama­zon-Kom­men­ta­re mög­lich ist. Er hat mir durch sein Buch und durch unse­re Dis­kus­sio­nen gezeigt, wie Athe­is­ten den­ken und argu­men­tie­ren. Ich bin der Mei­nung, dass der rei­ne Natu­ra­lis­mus letzt­lich das BESTE Argu­ment FÜR den christ­li­chen Glau­be bie­tet, weil er ein­fach zu kurz greift (von daher müss­te ich eigent­lich 5 Ster­ne ver­ge­ben). Für mich steht ohne den gerings­ten Zwei­fel fest: Athe­is­ten den­ken viel zu “kurz”, und genau des­halb errei­chen sie — lei­der — die Ebe­nen des Glau­bens, wie wir Chris­ten ihn ver­ste­hen, nicht.

Die­se Rezen­si­on ist noch nicht voll­stän­dig, sie “lebt” also und wird suk­zes­si­ve erwei­tert und ver­bes­sert wer­den. Die Sei­ten­an­ga­ben bezie­hen sich auf die mir vor­lie­gen­de 5. Auf­la­ge.

Als begeis­ter­ter Katho­lik möch­te ich ver­su­chen zu zei­gen, war­um Athe­is­ten ein­fach nicht zum Kern(!) der span­nends­ten The­ma­tik die­ser Erde — der Fra­ge nach Gott — vor­drin­gen kön­nen. Zugleich ist mir in vie­len Dis­kus­sio­nen bewusst gewor­den, dass wir Chris­ten argu­men­ta­tiv wenig Chan­cen haben — hier­in liegt also durch­aus ein gewis­ser Wider­spruch. Wir haben aber nicht des­halb wenig Chan­cen, weil wir die schlech­te­ren Argu­men­te hät­ten — NEIN. Es liegt viel­mehr dar­an, dass Athe­is­ten in kei­ner Lie­bes­be­zie­hung zu Gott leben und des­halb(!) nicht wis­sen, wor­über Chris­ten spre­chen, wenn sie über ihren Glau­ben spre­chen. Das Argu­men­tie­ren muss also noch beglei­tet wer­den durch die stärks­te “Kraft” der Chris­ten — das Gebet für Athe­is­ten.

Ja, das Gebet! Es ver­bin­det unser Herz direkt mit Gott — es zieht uns förm­lich in eine Lie­bes­be­zie­hung mit Gott hin­ein und lässt uns erah­nen, wie wahr, schön und auch “logisch” die christ­li­chen Glau­bens­sät­ze sind. Natu­ra­lis­ten wie Herr Prof. Leh­nert bezeich­nen unse­ren Glau­ben ger­ne als einen “Kin­der­glau­ben” und belä­cheln ihn aus ihrer intel­lek­tu­el­len Per­spek­ti­ve. Sie sehen einen Wider­spruch zwi­schen der moder­nen Natur­wis­sen­schaft und die­sem “Kin­der­glau­ben”, der sich bei­spiels­wei­se aus­drückt in einer Jung­frau­en­geburt, in Wun­dern, im Erlö­sungs­tod und der Auf­er­ste­hung Jesu Chris­ti, in der rea­len(!) Gegen­wart Jesu Chris­ti in der hei­li­gen Eucha­ris­tie, in Him­mel und Höl­le und in vie­lem mehr! Zu die­sem Vor­wurf des “Kin­der­glau­bens” möch­te ich ger­ne aus dem Buch “Licht der Welt” (Papst Bene­dikt XVI.) zitie­ren.

Der Inter­view­er Peter See­wald sagt zu Papst Bene­dikt:

Der Phi­lo­soph Robert Spa­e­mann wur­de ein­mal gefragt, ob er, ein inter­na­tio­nal renom­mier­ter Wis­sen­schaft­ler, denn wirk­lich dar­an glau­be, dass Jesus von einer Jung­frau gebo­ren wur­de und Wun­der wirk­te, dass er vom Tod auf­er­stan­den sei und man mit ihm ewi­ges Leben erhal­te. Dies wäre doch ein rich­ti­ger Kin­der­glau­be. Der 83-jäh­ri­ge Phi­lo­soph ant­wor­te­te. “Wenn Sie so wol­len, gewiss. Ich glau­be unge­fähr das­sel­be, was ich als Kind geglaubt habe — nur dass ich inzwi­schen mehr dar­über nach­ge­dacht habe. Das Nach­den­ken hat mich am Ende im Glau­ben immer bestärkt.”

See­wald wei­ter: “Glaubt auch der Papst immer noch, was er als Kind geglaubt hat?”

Dar­auf Papst Bene­dikt XVI.:

Ich wür­de das ähn­lich sagen. Ich wür­de sagen: Das Ein­fa­che ist das Wah­re — und das Wah­re ist ein­fach […] Es ist eine Arro­ganz des Intel­lekts, dass wir sagen: Das hat etwas Wider­sprüch­li­ches, Unsin­ni­ges in sich, schon des­halb ist es gar nicht mög­lich. Aber wie vie­le Mög­lich­kei­ten der Kos­mos birgt und sich über und in dem Kos­mos ver­ber­gen — das zu ent­schei­den, ist nicht unse­re Sache.” (Zita­ten­de)

Hal­ten wir also fest: Auf der einen Sei­te höchst intel­li­gen­te Natu­ra­lis­ten, die den “Kin­der­glau­ben” belä­cheln, auf der ande­ren Sei­te höchst intel­li­gen­te Gläu­bi­ge, für die ihr (Kinder-)Glauben das wert­volls­te Geschenk ihres Lebens ist, etwas, wor­auf sie ihr Leben, Den­ken und Han­deln begrün­den und dabei äußerst froh, glück­lich und dank­bar sind — und das, wie soeben erwähnt, in abso­lu­tem Ein­klang mit ihrer her­aus­ra­gen­den Intel­li­genz und Ver­nunft!

Die Erklä­rung für die­se bei­den fun­da­men­tal unter­schied­li­chen Sicht­wei­sen liegt ein­zig und allein in der Bezie­hung zu Gott und im Gebet.

–> Gläu­bi­ge Men­schen erfah­ren, wie wun­der­bar (im wahrs­ten Wort­sin­ne) Intel­li­genz, Ver­nunft, Wis­sen­schaft und Glau­ben zuein­an­der pas­sen; Glau­ben und Wis­sen sind unter­schied­li­che, aber kom­ple­men­tä­re Wege zur Erkennt­nis. Die­se Erkennt­nis kommt von Gott, sie ist, wie Chris­ten sagen, eine Gna­de (also ein unver­dien­tes Geschenk).

–> Natu­ra­lis­ten sind dies­be­züg­lich voll­kom­men “blind”.

Von daher ist es so unglaub­lich absurd, wenn Athe­is­ten bzw. Natu­ra­lis­ten ein Buch gegen Gott, gegen den christ­li­chen Glau­ben, gegen die Kir­che und ihre Glau­bens­sät­ze schrei­ben. Sie inves­tie­ren Zeit und Ener­gie in ein The­ma, von dem sie (lei­der) nicht den blas­ses­ten Schim­mer haben. Es wäre fast so, wie wenn ein Mann, der noch nie eine Frau geküsst hat und auch noch nie von der Lie­be zu einer Frau über­wäl­tigt wur­de, ein Buch GEGEN die Schön­heit der Lie­be schrei­ben wür­de.

Nun, Herr Pro­fes­sor Leh­nert und so vie­le ande­re athe­is­ti­schen bzw. natu­ra­lis­ti­schen Autoren ver­su­chen es den­noch immer wie­der — irgend­wie komisch und trau­rig zugleich.

Wor­in lie­gen nun die fun­da­men­ta­len bzw. stra­te­gi­schen Feh­ler in der Argu­men­ta­ti­on des Buches?

  1. Fal­sche Defi­ni­ti­on von Glau­ben. Athe­is­ten den­ken, Glau­be bedeu­te in etwa so viel wie “Ich glau­be, dass wir an mei­nem nächs­ten Geburts­tag wie­der eine Son­nen­fins­ter­nis haben wer­den.” Bei die­ser “Alter­na­ti­ve” gewinnt immer die Natur­wis­sen­schaft und kein ver­nünf­ti­ger Mensch bräuch­te “glau­ben” (es wäre schlicht dumm). Die­se grund­fal­sche Defi­ni­ti­on von “Glau­ben” zeigt sich auch an dem von Herrn Prof. Leh­nert ange­führ­ten Scho­pen­hau­er-Zitat (S. 357): “Glau­be und Wis­sen ver­hal­ten sich wie zwei Scha­len einer Waa­ge: in dem Maße, als die eine steigt, sinkt die ande­re.”

–> Eine für den christ­li­chen Glau­ben ange­mes­se­ne Defi­ni­ti­on könn­te lau­ten: Glau­be = Lie­bes­be­zie­hung mit einem per­so­na­len Gott.

Es ist offen­kun­dig, dass Athe­is­ten genau das nicht ver­ste­hen wol­len und auch nicht kön­nen. Der christ­li­che Glau­be ent­fal­tet sich in einer Lie­bes-Bezie­hung zu Gott. Und die­se ECHTE Bezie­hung schenkt eine Gewiss­heit, die die (immer nur vor­läu­fi­ge) “Gewiss­heit” der Wis­sen­schaf­ten (vgl. den Kri­ti­schen Ratio­na­lis­mus von POPPER) über­steigt.

Aus die­ser fal­schen Glau­bens-Defi­ni­ti­on folgt zwin­gend:

  1. Fun­da­men­tal fal­sches Ver­ständ­nis vom Ver­hält­nis zwi­schen Wis­sen­schaft und Glau­ben (v.a. S. 354 ff.). Glau­be und Wis­sen­schaft bil­den eben gera­de KEINE Gegen­sät­ze; im Fal­le “Wis­sen­schaft und Glau­ben” gibt es kei­nen Wider­spruch. So, wie es etwa kei­nen “Wider­spruch” gibt zwi­schen Ham­mer und Schrau­ben­zie­her. Man könn­te hier viel­mehr von “Arbeits­tei­lung” spre­chen und sich über die gegen­sei­ti­ge Ergän­zung freu­en! Und dies ist z.B. auch ein Grund, war­um auch lei­den­schaft­li­che Chris­ten so ger­ne lei­den­schaft­li­che Wis­sen­schaft­ler wer­den (wie zum Bei­spiel der bekann­te Astro­phy­si­ker Harald Lesch, der TOP-Phy­si­ker Anton Zei­lin­ger, der Mathe­ma­tik-Prof. John Lennox und unend­lich vie­le mehr).

–> Unvor­ein­ge­nom­me­ne bzw. “Hard­core-Wis­sen­schaft­ler” wis­sen, dass die Natur­wis­sen­schaf­ten die “Dimen­sio­nen” des Glau­bens (im christ­li­chen Ver­ständ­nis) metho­disch gar nicht “errei­chen” kön­nen. Oder anders for­mu­liert: wenn(!) sich die Wis­sen­schaft­ler an ihre Metho­den hal­ten, kön­nen sie dem Glau­ben gar nicht wider­spre­chen.

Herr Prof. Leh­nert erwähnt eben­falls den lei­den­schaft­li­chen Pro­tes­tan­ten und Phy­si­ker Harald Lesch. Sei­ne Denk­wei­se zeigt sich dann in fol­gen­der Fra­ge über­deut­lich: Prof. Leh­nert fragt sich: “Ist es früh­kind­li­che Indok­tri­na­ti­on, von der er [Prof. Lesch] sich nicht befrei­en kann, ist es — was ich nicht unter­stel­len mag — der Preis für eine ihm sonst nicht mög­li­che media­le Ent­fal­tungs­mög­lich­keit und öffent­li­che Aner­ken­nung…” (S. 358).

An die­ser fal­schen Fra­ge zeigt sich (ers­tens) die­ses oben beschrie­be­ne fal­sche Glau­bens­ver­ständ­nis sowie (zwei­tens) das voll­kom­me­ne Unver­ständ­nis vom wah­ren Ver­hält­nis zwi­schen Wis­sen­schaft und Glau­ben. Herr Prof. Leh­nert zitiert eben­falls den gro­ßen (nun­mehr hei­li­gen) Papst Joh. Paul II. Die “Schluss­fol­ge­run­gen” Prof. Leh­nerts zei­gen dann ein wei­te­res Mal sein fun­da­men­ta­les Unver­ständ­nis auf (S. 355).

Dabei ist es doch so ein­fach: Harald Lesch erklärt phy­si­ka­li­sche Sach­ver­hal­te aus­schließ­lich(!) und in einer genia­len Wei­se phy­si­ka­lisch und dar­über hin­aus gehen­de Sach­ver­hal­te aus der Per­spek­ti­ve des Gläu­bi­gen. Er weiß eben von der “Arbeits­tei­lung” zwi­schen Wis­sen­schaft und Glau­ben — mit einem Schrau­ben­zie­her kann ich, um im obi­gen Bild zu blei­ben, nun mal kei­nen Nagel in die Wand schla­gen.

Doch las­sen wir Harald Lesch selbst spre­chen, er sagt: “Wenn man ver­sucht, aus den Natur­wis­sen­schaf­ten auf die Eigen­schaf­ten von Gott zu schlie­ßen, dann kann das eigent­lich immer nur schief gehen.” Und zum Argu­ment “Natur­wis­sen­schaft und Glau­be schlie­ßen sich aus” sagt er “Freund, du hast kei­ne Ahnung von Natur­wis­sen­schaft.” Dies sei eine Metho­de, die sehr gut funk­tio­nie­re, aber sie lie­fe­re in ers­ter Linie ein Natur­bild, aber kein Welt­bild. Leu­ten, die mei­nen, dass der Glau­be an Gott “Quatsch sei” ent­geg­net er “macht ihr mal, da bin ich ganz ent­spannt.”

Der leuch­tend-schö­ne und kom­ple­men­tä­re Zusam­men­hang zwi­schen Wis­sen­schaft und Glau­ben ist mit den Hän­den zu grei­fen, wenn(!) man ver­steht, was Glau­be ist: So sagt etwa der TOP-Phy­si­ker Zei­lin­ger: “Mich hat ein­mal ein Jour­na­list gefragt, ob ich Agnos­ti­ker bin oder Athe­ist. Da hab ich gesagt: Als Natur­wis­sen­schaft­ler bin ich Agnos­ti­ker, weil ich natur­wis­sen­schaft­lich Gott nicht bewei­sen kann. Aber als Mensch bin ich weder Agnos­ti­ker noch Athe­ist.”

Von daher möch­te ich das Scho­pen­hau­er-Zitat umfor­mu­lie­ren: “Glau­be und Wis­sen ver­hal­ten sich wie die zwei Flü­gel eines Adlers, ohne die er weder abhe­ben, noch in den Him­mel auf­stei­gen kann.”

Eine wei­te­re (logi­sche) Fol­ge aus den oben erwähn­ten Denk­feh­lern ist:

  1. Es feh­len die wirk­li­chen Exper­ten­ge­sprä­che, also die Gesprä­che mit Gläu­bi­gen, die in der oben erwähn­ten Lie­bes­be­zie­hung leben. Auch die Hei­li­gen, die wah­ren “Meis­ter des Lebens”, hät­ten stu­diert wer­den müs­sen. Somit ist fest­zu­stel­len, dass lei­der oft­mals fal­sche Fra­gen an die fal­schen “Exper­ten” gestellt wor­den sind und deren “Ant­wor­ten” als Argu­men­te gegen den christ­li­chen Glau­ben her­hal­ten muss­ten (Bei­spiel Opfer­tod, Erb­sün­de, Theo­di­zee-Fra­ge u.v.m).

Ein Bei­spiel: “Wenn ich dann frag­te, wie man als Mensch des 21. Jahr­hun­derts glau­ben kön­ne, nur durch ein gött­lich ver­an­lass­tes Menschenopfer[sic!] geret­tet zu wer­den, das vor sei­nem Tode gefol­tert und dann auf die denk­bar bru­tals­te Art und Wei­se hin­ge­rich­tet wur­de, habe ich meis­tens nur in schweigende[sic!] Gesich­ter geblickt. Allen­falls kam als hilf­lo­se, aber die christ­li­che Leh­re miss­in­ter­pre­tie­ren­de Reak­ti­on, ‚dass das alles nur symbolisch[sic!] zu ver­ste­hen sei‘” (S. 363).

Ein wei­te­res Bei­spiel: Herr Prof. Leh­nert zitiert aus dem Kate­chis­mus (Nr. 964) fol­gen­de Stel­le: “Auch die seli­ge Jung­frau ging den Pil­ger­weg des Glau­bens. Ihre Ver­ei­ni­gung mit dem Sohn hielt sie in Treue bis zum Kreuz, wo sie nicht ohne gött­li­che Absicht stand, hef­tig mit ihrem Ein­ge­bo­re­nen litt und sich mit sei­nem Opfer in müt­ter­li­chem Geist ver­band, indem sie der Dar­brin­gung des Schlacht­op­fers, das sie gebo­ren hat­te, lie­be­voll zustimm­te…”

Er kom­men­tiert die­se Stel­le wie folgt: “Die­sen letz­ten .. Halb­satz muss man zwei­mal lesen, um ihn in sei­ner Abar­tig­keit voll zu erfas­sen — oder sind mei­ne Maß­stä­be so völ­lig ‘ver­rückt’, dass ich nicht in der Lage bin, die Erha­ben­heit die­ser Wor­te zu begrei­fen?” (S. 293)

Nun, mir ging es so, dass ich den Kom­men­tar Leh­nerts zwei­mal lesen muss­te: Er fin­det die Hal­tung der Hl. Maria, der Mut­tes Got­tes “abar­tig” und fragt, ob sei­ne Maß­stä­be “ver­rückt” sei­en? Auch hier wie­der ein Bei­spiel für fal­sche Fra­gen. Der Christ denkt fun­da­men­tal anders. Er kann dies ver­ste­hen, aber viel­leicht nicht auf den aller­ers­ten Blick. Maria wuss­te, dass ihr Sohn die Men­schen durch sein Leid erlö­sen wird, dass er sie ret­ten wird. Und dass er bei Gott sein wird. Natür­lich hat sie als Mut­ter auf das Äußers­te mit­ge­lit­ten am grau­sa­men Tod, wie es jede Mut­ter wür­de. Aber sie hat “lie­be­voll” zuge­stimmt, so wie auch Jesus Chris­tus, der frei­wil­lig und aus Lie­be für uns am Kreuz gestor­ben ist; er hat die Sün­den der gan­zen Mensch­heit “bezahlt” — und nur er konn­te es, weil er Gott sel­ber ist. Wer dies näher ver­ste­hen will, dem sei z.B. der gute Film “Die Pas­si­on Chris­ti” (von Mel Gib­son) emp­foh­len.

Ich emp­feh­le auch ger­ne den you­tube-Kurz­vor­trag “Die gan­ze Bibel in 7 Minu­ten” von Dr. Johan­nes Hartl (super­ge­ni­al!). Und die­ser span­nen­de Vor­trag zeigt bei­spiels­wei­se auch, wie “weit weg” die Fra­gen von Herrn Prof. Leh­nert sind. Wer die Bibel mit stau­nen­dem und offe­nem Her­zen liest, spürt, dass sie VON GOTT ist, da gibt es nicht die gerings­ten Zwei­fel! Und genau — und nur — des­halb ist die Bibel das berühm­tes­te Buch der Welt!

  1. Der Irr-“Glaube”, man kön­ne wis­sen­schaft­lich-intel­lek­tu­ell die zen­tra­len christ­li­chen Glau­bens­in­hal­te wider­le­gen. Dar­in kann man immer nur schei­tern. Lei­der — wie so oft in Büchern die­ser Art — wer­den wis­sen­schaft­li­che Aus­sa­gen unzu­läs­si­ger­wei­se mit nicht-wis­sen­schaft­li­chen Aus­sa­gen ver­knüpft und dar­aus unzu­läs­si­ge Schluss­fol­ge­run­gen gezo­gen (Bei­spiel Evo­lu­ti­ons­theo­rie, Hirn­for­schung etc.). So fällt man sicher durch dün­nes Eis in eis­kal­tes Was­ser …

Fazit:

–> ein für über­zeug­te und infor­mier­te Chris­ten irrele­van­tes Buch.

–> ein für “lau­war­me”, zwei­feln­de und wis­sen­schafts­theo­re­tisch weni­ger geschul­te Chris­ten höchst gefähr­li­ches Buch, da sie even­tu­ell auf die fal­sche Fähr­te ver­führt wer­den könn­ten.

P.S.: WAS kann die Natur­wis­sen­schaft WISSENSCHAFTLICH ABGESICHERT (im Sin­ne Pop­pers) zur Got­tes­fra­ge (Exis­tenz­fra­ge) bei­tra­gen?

Leh­nert: “Ob es über die­se Wirk­lich­keit hin­aus noch eine wei­te­re, uns uner­kenn­bar blei­ben­de jen­sei­ti­ge Wirk­lich­keit gibt, von deren Exis­tenz der Glau­be spricht, wird sich wohl nie klä­ren las­sen” (S. 61).

Herr Prof. Leh­nert hat Recht, ver­weist dann aller­dings dif­fus (zB S. 73, 81, 89) auf eine sog. “Welt­lo­gik”, die die “All­tags­lo­gik” nun ein­fach über­stei­gen sol­le, da die “All­tags­lo­gik” in bestimm­ten Berei­chen ganz offen­kun­dig nicht mehr greift. Das ist übri­gens ein klas­si­scher Glau­bens­satz. Die Wis­sen­schaft­ler rät­seln also — das ist gut und lässt “Platz” für Gott.

Der Christ dage­gen braucht — Gott sei Dank — kei­ne irgend­wie gear­te­te “Welt­lo­gik”. Gott erklärt dies — und zwar viel bes­ser.

Wie for­mu­liert der Mathe­ma­tik-Pro­fes­sor John Lennox: “Eine Intel­li­genz [Gott] ist die BESTE abduk­ti­ve Erklä­rung der Situa­ti­on, wo Zufall und Not­wen­dig­keit die Sache nicht erklä­ren kön­nen!”

Antwort des Autors auf eine frühere Kritik (5. Auflage) von K. Bernhard:

Lie­ber Herr Bern­hard,

ich muss ver­mu­ten, dass Sie mein Buch gar nicht gele­sen haben. (Wie übri­gens noch mehr mei­ner Kri­ti­ker hier auf Ama­zon.) Sie wür­den sich dann mit wesent­li­che­ren Argu­men­ten aus­ein­an­der­set­zen und nicht auf neben­säch­li­che phi­lo­so­phi­sche Aspek­te aus­wei­chen. Scha­de, dass Sie so wenig Über­zeu­gen­des zu sagen haben zum Bei­spiel zu den inzwi­schen nach­ge­wie­se­nen durch­gän­gi­gen Fäl­schun­gen und den vie­len fata­len Wider­sprü­chen im Neu­en Tes­ta­ment — zur desas­trö­sen und blut­trie­fen­den Geschich­te des Chris­ten­tums — zur Rol­le Ihres angeb­lich all­mäch­ti­gen und barm­her­zi­gen Got­tes bei den klei­nen und gro­ßen all­täg­li­chen Kata­stro­phen — zu den intel­lek­tu­el­len Zumu­tun­gen des Glau­bens, ob es sich dabei um die Erb­sün­de oder das archai­sche Men­schen­op­fer von Jesus oder die immer noch von vie­len Theo­lo­gen beschwo­re­ne Höl­le han­delt, wie auch immer sie heu­te gedeu­tet wird — zu den nicht zu ver­ein­ba­ren­den Erkennt­nis­sen heu­ti­ger Natur­wis­sen­schaf­ten mit den sog. Glau­bens­wahr­hei­ten. Wie­so spre­chen Sie so abschät­zig von jenen Men­schen, die sich red­lich um eine »glaub­haf­te« Alter­na­ti­ve zur Reli­gi­on bemü­hen. Ich spre­che einem ehr­lich gläu­bi­gen Chris­ten, der sei­nen Glau­ben auch wirk­lich lebt und Nächs­ten­lie­be tat­säch­lich prak­ti­ziert, mei­nen Respekt nicht ab.

Viel­leicht kön­nen Sie sich ja doch zu der Auf­fas­sung durch­rin­gen, dass auch Nicht­gläu­bi­ge mora­lisch den­ken­de und ehr­lich bemüh­te Men­schen sein kön­nen, die kei­nes­falls behaup­ten, allein im Besitz der Wahr­heit zu sein. Hät­ten Sie mein Buch gele­sen, wür­den Sie zu erken­nen geben, dass Men­schen Ihres Glau­bens heu­te den Zwei­fel längst als stän­di­gen Beglei­ter ken­nen.

Ich bete nicht für Sie, wie Sie es für mich tun, weil ich von der Wir­kungs­lo­sig­keit eines sol­chen Tuns über­zeugt bin. (Über die Wir­kung von Auto­sug­ges­ti­on haben wir ja schon an ande­rer Stel­le dis­ku­tiert.) Ich hof­fe aber, dass Sie sich irgend­wann einem ehr­li­chen Über­prü­fen Ihrer Posi­ti­on nicht ver­schlie­ßen wer­den und erken­nen, dass auch ande­re Men­schen um ihr Welt­bild eben­so ehr­lich rin­gen. Wer sich auf dem fal­schen Pfad befin­det, sagt uns die Bibel aber ganz gewiss nicht.

Mit freund­li­chen Grü­ßen
Uwe Leh­nert