Buchkritiken

Buchkritiken

Die Gior­dano Bruno Stiftung schrieb am 31. März 2010 in ihrem regelmäßig erscheinen­den Newslet­ter: 

Es gibt mit­tler­weile eine beträchtliche Anzahl von Büch­ern, in denen ehe­mals gläu­bige Autoren ihre Befreiung von religiösen Dog­men sowie ihren Weg zu einem neuen, in sich kon­sis­ten­ten säku­laren Welt­bild schildern. Zwei Büch­er ragen aus der Masse der Veröf­fentlichun­gen her­aus: Uwe Lehn­erts “Warum ich kein Christ sein will” und Rein­hold Millers “Gott, ein Geschöpf des Men­schen”. Bei­de Autoren sind Mit­glieder des gbs-Förder­kreis­es und waren viele Jahre lang als Didak­tik­er tätig, was man ihren Büch­ern wohltuend anmerkt.

Uwe Lehn­ert: Warum ich kein Christ sein will – Mein Weg vom christlichen Glauben zu ein­er nat­u­ral­is­tisch-human­is­tis­chen Weltan­schau­ung. 3. Auflage, 389 S., Teia Ver­lag, Berlin 2009, 19,95 €.

Uwe Lehn­ert war bis 2002 Pro­fes­sor für Bil­dungsin­for­matik an der Freien Uni­ver­sität Berlin. Im Jahr 2000 wurde er mit dem “Wiener-Schmidt-Wis­senschaft­spreis” aus­geze­ich­net. In seinem Buch “Warum ich kein Christ sein will” skizziert Lehn­ert zunächst den Stand der heuti­gen Natur­wis­senschaften, ins­beson­dere der Kos­molo­gie, der Quan­ten­physik, der Evo­lu­tions­bi­olo­gie und der Hirn­forschung und fragt nach deren philosophis­chen und the­ol­o­gis­chen Kon­se­quen­zen.

Im zweit­en Teil befasst sich der Autor mit der Lehre und Geschichte des Chris­ten­tums und der Kirche und beurteilt sie im Lichte der Ver­nun­ft und heutiger wis­senschaftlich­er Erken­nt­nisse. Im let­zten Teil for­muliert er – von den Ergeb­nis­sen der vor­ange­hen­den Teile aus­ge­hend – ein nat­u­ral­is­tisch-human­is­tis­ches Lebens­mod­ell, das … in erstaunlich­er Weise mit den Ein­sicht­en kor­re­spondiert, die Michael Schmidt-Salomon in seinem etwa zeit­gle­ich erschiene­nen Buch “Jen­seits von Gut und Böse” darstellte.

Unser Faz­it: Ein über­aus kluges, didak­tisch her­vor­ra­gend gemacht­es Buch, das es auch inter­essierten Laien ermöglicht, die zen­tralen Grun­dideen ein­er human­is­tisch-nat­u­ral­is­tis­chen Welt­sicht zu ver­ste­hen. (Diese Kri­tik bezog sich auf die 3. Auflage!)

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Die Aufla­gen 1 bis 6 erhiel­ten beim Buch­versender Ama­zon – Stand 14. Novem­ber 2016 – ins­ge­samt 108 Rezen­sio­nen. Davon sind 87 5-Sterne-Rezen­sio­nen, also mit der höch­sten pos­i­tiv­en Bew­er­tungsstufe, eingestellt wur­den. Die Dat­en wur­den den bei­den Ama­zon-Buch-Seit­en zur 5. sowie 6. Auflage ent­nom­men.

Zusam­men mit Rezen­sio­nen bei anderen Buch­versendern, die durch­weg mit 5 Ster­nen bew­ertet wur­den, und weit­eren pos­i­tiv­en Kri­tiken auf anderen Inter­net­seit­en sind ins­ge­samt etwa 120 Rezen­sio­nen abgegeben wor­den. Von den 120 sind 85 Prozent zus­tim­mend.

Zu fast allen Rezen­sio­nen bei Ama­zon gibt es Kom­mentare von Lesern. Bemerkenswert ist, dass vor allem die ablehnen­den Rezen­sio­nen weit über 1000 (!) Diskus­sions­beiträge aus­lösten. Sie wur­den von zus­tim­menden wie kri­tisch-ablehnen­den Diskus­sion­steil­nehmern ver­fasst.

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Der Human­is­tis­che Presse­di­enst veröf­fentlichte fol­gende empfehlende Rezen­sio­nen:
Am 3. März 2010: http://hpd.de/node/8967
Am 10. Sept. 2010: http://hpd.de/node/10184
Am 16. Dez. 2015: http://hpd.de/artikel/12543

Der Human­is­tis­che Presse­di­enst führte am 2. April 2010 ein Inter­view mit dem Autor über sein Buch:
hpd-Inter­view: http://hpd.de/podcast/seite/5/0
Das dreivier­tel-stündi­ge Inter­view gibt einen Überblick über den Inhalt des Buch­es und die grund­sät­zlichen Auf­fas­sun­gen des Autors zu Chris­ten­tum und Kirche.

Nach­fol­gend eine fast willkür­liche Auswahl von zus­tim­menden Rezen­sio­nen, teil­weise gekürzt, die vor allem beim Buch­versender Ama­zon für die Aufla­gen 1 bis 6 eingestellt wur­den:

Elke Metke-Dippel: Ein Vorbild der intellektuellen Redlichkeit

Es ist diese „intellek­tuelle Redlichkeit“, die Uwe Lehn­ert ein­fordert und die er in seinem Buch dem Leser vor­lebt, die ich während der Lek­türe am meis­ten geschätzt habe. Selb­st aus evan­ge­likalen Kreisen stam­mend kann ich seit eini­gen Jahren nicht genug Büch­er in Sachen Reli­gion­skri­tik lesen – von Ranke-Heine­mann über Deschn­er bis Dawkins, Bergmeier, Kub­itza und Lüde­mann, Bug­gle, uvm … und jet­zt Uwe Lehn­ert.

Obwohl ich mit eini­gen Fak­ten bere­its ver­traut bin, hat mir Uwe Lehn­erts Buch viel gezeigt, ger­ade im ersten, wis­senschaftlichen Teil über Erken­nt­nis­the­o­rie, Zeit & Raum und den unschätzbaren Wert der Wis­senschaft. So ermutigt Uwe Lehn­ert die Men­schen, ihren eige­nen Wahrnehmungen und Erken­nt­nis­sen zu ver­trauen: sie liefern „nicht völ­lig falsche Ergeb­nisse“, da sie sich „offen­sichtlich im Prozess der Evo­lu­tion bewährt haben“. Obwohl der Men­sch im Ver­gle­ich zu dem Raum, der ihn umgibt, ver­schwindend klein ist und den äußeren Rand­bere­ich nicht mehr „begreifen“ kann, und obwohl die wis­senschaftlichen Erken­nt­nisse ergeb­nisof­fen sind und eines Tages durch neue ergänzt oder als nicht mehr „wahr“ offen gelegt wer­den kön­nen, ist das jet­zige Wis­sen deshalb nicht „falsch“.

Lehn­ert set­zt den Argu­menten der Gläu­bi­gen – wer „Gott“ nicht wahrnehme, ver­schließe sich mutwillig ein­er höheren (logis­chen) Erken­nt­nis, oder die Wis­senschaft sei lediglich eine Anhäu­fung von Ver­mu­tun­gen und könne kein­er­lei Aus­sage zu eine möglichen Exis­tenz eines Schöpfers machen – auf sehr gut erk­lärte und logis­che Weise die erhobene Hand der Ver­nun­ft ent­ge­gen – ohne dabei mit dem Zeigefin­ger zu wedeln.

Der Abschnitt „Natur­wis­senschaft, Reli­gion und men­schlich­es Selb­stver­ständ­nis“ behan­delt die Entwick­lung der men­schlichen Sin­nesor­gane und des Ner­ven­sys­tems sowie das schwierige und bish­er noch nicht völ­lig „ver­standene“ Ver­hält­nis von „Geist zu Gehirn“ – eine Fund­grube von erstaunlichen und ernüchtern­den Fak­ten. Der Men­sch, lediglich ein kom­plex­es Gebilde ohne Seele? Obwohl es erschüt­ternd sein mag, kön­nen wir die wis­senschaftlichen Erken­nt­nisse nicht ignori­eren, so Lehn­ert, denn wir nehmen ihre Vorteile tagtäglich in Anspruch. Er geht der kom­plex­en Frage nach der „Wil­lens­frei­heit“ nach, von den Über­legun­gen der Philoso­phie bis zu den Erken­nt­nis­sen der Neu­ro­bi­olo­gie: hier herrscht die Erken­nt­nis, dass der men­schliche Wille von „unbe­wusst han­del­nden Instanzen vor­bere­it­et“ wird. Anschließend beschäftigt sich Lehn­ert mit den moralis­chen und the­ol­o­gis­chen Kon­se­quen­zen und den Aus­sagen der Philoso­phie zum The­ma „Schuld“ sowie mit der Frage nach ein­er „Moral ohne Gott“.

Der Autor ver­lässt seinen ruhi­gen und den­noch ein­dringlichen Ton nicht, selb­st wenn er über die Moral der „Vertreter Gottes auf Erden“ spricht und die man­nig­fachen Absur­ditäten der Glaubenswelt ent­larvt. Keine Selb­stver­ständlichkeit. Die fehlende Polemik, sei sie noch so ver­ständlich, wenn es um Glaubens­dinge geht, ist bewun­dern­swert – schon allein deshalb ist das Buch unbe­d­ingt zu empfehlen.

Uwe Lehn­ert Abschied vom Chris­ten­tum ist ein gründlich­es, wis­senschaftlich fundiertes, und per­sön­lich ehrlich­es Buch. Es enthält so viele Fak­ten, dass es sich lohnt, es mehrmals zu lesen. Zwei­fler, Glaubenss­chwank­ende, Neugierige und Ein­steiger in die Reli­gion­skri­tik soll­ten dies gründlich tun. Überzeugte Chris­ten eben­so. Und bere­its mit reli­gion­skri­tis­chen Büch­ern Ver­traute auch.

Roswitha Braun: Sehr gründliche und intellektuell redliche Auseinandersetzung mit dem Christentum

|Als Stu­dentin durch “Das Elend des Chris­ten­tums” reli­gion­skri­tisch “vor-sozial­isiert” stieß ich Jahrzehnte später auf Uwe Lehn­erts Buch, das meine kri­tis­che Hal­tung umfassend ver­tiefte und befes­tigte.

Lehn­ert span­nt zunächst den Bogen zu den Erken­nt­nis­sen der mod­er­nen Wis­senschaft auf den Feldern Kos­molo­gie, Physik, Evo­lu­tions- und Neu­ro­bi­olo­gie. Auf diesem Fun­da­ment kri­tisiert er dann im Kern­teil des Buch­es auf über 200 Seit­en das christliche Gottes- und Men­schen­bild.

Das Buch ist als Rechen­schafts­bericht des Autors gehal­ten, der sich zusam­men­fassend Klarheit über seinen schon lange beste­hen­den “Nicht-Glauben” ver­schaf­fen wollte. Die Kapi­tel, die sich expliz­it mit dem Chris­ten­tum befassen, sind denn auch mit sehr per­sön­lich for­mulierten Abschnit­ten verse­hen, die dieses ständi­ge Bemühen bezeu­gen ( “Was denken die anderen und was denke ich?” – “Mein CREDO ” usw.)

Lehn­erts Buch hat nicht die polemis­che Schärfe von Dawkins GOTTESWAHN. Ger­ade aber auf­grund sein­er behut­samen Gründlichkeit, sein­er Klarheit und intellek­tuellen Redlichkeit ist es eine Empfehlung wert ! Darüber hin­aus ist es eine Fund­grube für “schwarze” Bibel­stellen in AT und NT, die den meis­ten mod­er­nen Chris­ten nicht bekan­nt sein dürften …

FAZIT: Human­is­ten, Agnos­tik­er, Athe­is­ten – aber auch zweifel­nde (und verzweifelte) Chris­ten wer­den das Buch mit Gewinn lesen.

Für die eben­falls bei Ama­zon erschienene broschierte 5. Auflage find­en sich dort 76 z. T. sehr aus­führliche Kun­den­rezen­sio­nen, die selt­samer­weise für die neue 6. Auflage nicht über­nom­men wor­den sind. …

Edgar Dahl: Eine Anatomie der Theologie

Mit Richard Dawkins’ ‘Der Gotteswahn’, Christo­pher Hitchens’ ‘Der Herr ist kein Hirte’ und Sam Har­ris’ ‘Das Ende des Glaubens’ schafften es kür­zlich gle­ich drei reli­gion­skri­tis­che Büch­er zu weltweit­en Best­sellern zu wer­den. Die erfol­gre­ich­sten Büch­er sind jedoch sel­ten die besten Büch­er. Wer mehr als nur eine pointierte Polemik sucht, dem sei daher unbe­d­ingt Uwe Lehn­erts ‘Warum ich kein Christ sein will’ ans Herz gelegt. Dieses Buch beg­nügt sich nicht mit ein­er naiv­en Kri­tik der evi­den­ten Absur­ditäten der christlichen Dog­men, son­dern liefert auch eine pro­funde Analyse der sub­til­eren christlichen Apolo­gien. Vor allem aber liefert es auch eine sys­tem­a­tis­che Darstel­lung der einzig logis­chen Alter­na­tive zu einem religiösen Welt­bild ’ näm­lich eine detail­lierte Expo­si­tion eines nat­u­ral­is­tisch-human­is­tis­chen Welt­bildes.

Nach der Lek­türe dieses Buch­es, das von der Kos­molo­gie und Epis­te­molo­gie über die Quan­ten­mechanik und Evo­lu­tion­s­the­o­rie bis hin zur Neu­ro­bi­olo­gie und Bioethik reicht, kann man nur zu dem Shake­speare para­phrasieren­den Urteil gelan­gen: Es gibt viele Dinge im Him­mel und auf Erden, von denen sich unsere The­olo­gen nichts träu­men lassen!

Das einzige Rät­sel, das sich mir nicht erschließen will, ist, weshalb sich Ama­zon behar­rlich weigert, die 76 aus­geze­ich­neten Rezen­sio­nen zu pub­lizieren, die vor­ange­gan­gene Aufla­gen dieses Buch­es bere­its erhal­ten hat­ten.

Uwe Schmidt (Ex-Pfarrer): Ein grundlegendes Werk!

Vor gut sechs Jahren las ich Uwe Lehn­erts Buch zum ersten Mal. Nach einem langsam sich entwick­el­nden Skep­tizis­mus im kirch­lichen Dienst fand ich hier zu erstem Mal in aller Klarheit und mit präzisen Argu­menten den Hin­ter­grund meines eige­nen Unbe­ha­gens am Chris­ten­tum geschildert und bestätigt.

Jet­zt habe ich mir dieses Buch, nun in 6. sorgfältig über­ar­beit­eten Auflage, noch ein­mal vorgenom­men. Es war ein gutes Wiederken­nen. Uwe Lehn­ert besitzt die Fähigkeit, Unvorstell­bares (Uni­ver­sum) vorstell­bar und/oder vor Erstaunen stumm zu machen. Kein ungewöhn­lich­es Fremd­wort bleibt unerk­lärt, er zeigt viel Ver­ständ­nis für seine Leser, nimmt sie behut­sam an die Hand und lässt sie mit sein­er eige­nen Stummheit vor der Unfasslichkeit des Uni­ver­sums eben­falls stumm wer­den. Nicht wegen intellek­tuellen Unver­mö­gens, son­dern aus purem Entset­zen vor der Großar­tigkeit des Unfasslichen, der Weite und der Auflö­sung unser­er Vorstel­lung von Zeit.

Mein Faz­it: ich kön­nte jede Seite dieses Buchs unter­schreiben, weil es Uwe Lehn­ert gelun­gen ist, auch mein Denken und Fühlen zum The­ma Christ­sein sach­lich, engagiert und mit großer Redlichkeit ohne jeden Anstrich von Eit­elkeit darzustellen. Was ich für mich und sicher­lich auch für alle übri­gen Leser wohltuend und hil­fre­ich emp­fun­den habe, ist die Redun­danz in der Darstel­lung. D.h. man muss nicht immer noch mal zurück­zublät­tern, um zu sehen, was genau an ein­er entsprechen­den Stelle stand. Er selb­st erin­nert daran und macht so den Fluss des Lesens leichter. Außer­dem habe ich auch seine sach­liche, präzise und dem dazustel­len­den Sachver­halt entsprechende Sprache bewun­dert. Sehr angenehm finde ich auch, dass die Zitate zwar druck­tech­nisch abge­set­zt, aber nicht in irgendwelche Fußnoten ver­ban­nt sind, wobei man dann immer wieder sprin­gen müsste. Gut finde ich zudem, dass man das Buch auch kapitel­weise lesen kann, wenn man schw­er­punk­t­mäßig vor allem an Kos­molo­gie, Hirn­forschung, Bibel, Krim­i­nalgeschichte des Chris­ten­tums oder eben auch an den anschaulich dargestell­ten Alter­na­tiv­en zum Chris­ten­tum inter­essiert ist. Denn Uwe Lehn­ert gelingt es, auch in den einzel­nen Abschnit­ten immer wieder die Bezüge zum Ganzen herzustellen (s. Redun­danz).

Diese vor dem Leser aus­ge­bre­it­eten gesamten Prob­lematik ist für mich so schlüs­sig und ein­sichtig, dass ich immer wieder mit leichter Beschä­mung zurück­ge­blickt und mich gefragt habe, warum es bei mir mehr als ein halbes Leben gebraucht hat, um zu densel­ben klaren Schlüssen zu kom­men. Wahrschein­lich hat es Uwe Lehn­ert halt auch ein wenig ein­fach­er gehabt: ohne elter­liche Indok­tri­na­tion von Kind­heit an. Aber bess­er spät als nie!

Ich kann also dieses Buch Inter­essierten auch deswe­gen dringlich empfehlen, weil Lehn­erts Darstel­lung des Sachver­halts bar jeglich­er Häme ist und er men­schlich respek­tvoll mit den „Gläu­bi­gen“ umge­ht, ohne von seinen per­sön­lichen Erken­nt­nis­sen und Schlüssen auch nur einen Zen­time­ter abzuwe­ichen.

Also noch ein­mal Glück­wun­sch zu diesem umfassenden, grundle­gen­den und gelun­genen Werk!

Martin Praska: Dies ist ein ‘gefährliches’ Buch. Im besten Sinn

Noch vor einem hal­ben Jahrhun­dert wäre es auf dem Index Libro­rum Pro­hibito­rum des Vatikan gelandet — in bester Gesellschaft neben den Werken von Balzac, Heine, Diderot, Kant, Dar­win oder Sartre. Inhalte, die sich mit der Glaubens- und Sit­ten­lehre der katholis­chen Kirche nicht vere­in­baren ließen. („Mein Kampf“ von Adolf Hitler war übri­gens nicht darunter.) Die Kirche hat es aufgegeben, Büch­er zu ver­bi­eten, wohl auch, weil sie mit dieser ver­di­en­stvollen Tätigkeit heute kaum nachkom­men würde. Denn die Liste der reli­gion­skri­tis­chen Schriften ist lang gewor­den. „Wer sich über das Chris­ten­tum nicht empört, ken­nt es nicht“, schreibt der frisch geback­ene Dok­tor der The­olo­gie, Joachim Kahl, 1968, ein Jahr nach dem Ende des Index, in seinem Klas­sik­er „Das Elend des Chris­ten­tums“. Und tat­säch­lich ist auch meine Empörung gewach­sen, je mehr ich mich mit der Reli­gion befasst habe. Es ist ein ger­adezu „heiliger Zorn“, den auch Uwe Lehn­ert zu weck­en weiß. Ger­ade weil er dabei ganz unaufgeregt, nüchtern und sach­lich die entsprechen­den Anklagepunk­te zusam­men­trägt: The­ol­o­gis­che Wider­sprüche, intellek­tuelle Unredlichkeit­en, men­schlich­er Größen­wahn und him­melschreiende ethis­che Defizite, die dem gewohn­ten sen­ti­men­tal­en Näch­sten­liebe-Geplap­per Hohn sprechen. Eine span­nen­dere Lek­türe für einen christlich sozial­isierten Men­schen, der nichts­destotrotz seinen Ver­stand noch zu gebrauchen weiß, gibt es nicht.

Auch Lehn­erts Schrift ist mit­tler­weile in der bere­its 6. erweit­erten und aktu­al­isierten Auflage zu einem Klas­sik­er gewor­den. Wohl auch deswe­gen, weil die klare unmissver­ständliche Sprache und die Stich­haltigkeit der Argu­men­ta­tion kaum zu schla­gen sind. Hier find­en die Zwei­fler wieder fes­ten Boden auf dem Grund ein­er nat­u­ral­is­tis­chen Weltan­schau­ung. Vor den „wun­der­baren“ Erken­nt­nis­sen der Wis­senschaft und mit dem Trost eines „evo­lu­tionären Human­is­mus“ (Hux­ley, Schmidt-Salomon).

Die „fes­ten“ Gläu­bi­gen indes wer­den in Angst vor der Desil­lu­sion­ierung dieses Buch mei­den wie der Teufel das Wei­h­wass­er. Angesichts des am weitesten ver­bre­it­eten Aber­glaubens der Welt, näm­lich dem Chris­ten­tum, fürchte ich, Inge­borg Bach­mann hat sich geir­rt, als sie meinte, die Wahrheit sei den Men­schen zumut­bar.

So gese­hen, ein Buch nur für Mutige, die der ein­lul­len­den Folk­lore zuwider und dem Jesus-liebt-dich-Kitsch zum Trotz vor den Gefahren der Reli­gion nicht die Augen ver­schließen. Denn „manch­mal glaube ich, die Welt wäre eine bessere ohne Reli­gion“, sagt der Dalai Lama. Ich glaube das nicht nur manch­mal. Ich habe mich davon überzeu­gen lassen. Von muti­gen Leuten wie Uwe Lehn­ert. Und ich wün­sche seinem Buch min­destens noch ein­mal 6 weit­ere Aufla­gen.

Bernd Kammermeier: “Wer mehr weiß, glaubt weniger”

Auf 500 Seit­en doku­men­tiert Uwe Lehn­ert seinen lan­gen Abschied vom Chris­ten­tum. Lehn­ert war Uni­ver­sität­spro­fes­sor für Bil­dungsin­for­matik und Bil­dung­sor­gan­i­sa­tion. In seinem daraus resul­tieren­den wis­senschaftlichen Selb­stanspruch und dem the­ma­tis­chen Zugang als the­ol­o­gis­ch­er Laie liegt die Stärke seines Werkes. Es kann sich nicht an The­olo­gen wen­den, die in ihrer eige­nen hermeneutis­chen Welt leben, die kaum noch Berührung zu ihrem „Forschungs­ge­gen­stand“ aufweist.

Lehn­erts Buch ist aber für Gläu­bige von Inter­esse, die sich über die Grund­la­gen ihres Glaubens unvor­ein­genom­men informieren wollen oder bere­its an deren Sinn zweifeln. Seine Moti­va­tion beschreibt Lehn­erts so: „Dieses Buch ist her­vorge­gan­gen aus per­sön­lichen Aufze­ich­nun­gen und Mate­ri­alien, die ich über viele Jahre gesam­melt habe.“ (S. 11) Auf der Titelei umreißt er dessen Funk­tion: „Ein Lese­buch für Men­schen, die sich über wis­senschaftliche Erken­nt­nisse, Glauben und Kirche informieren und darüber nach­denken möcht­en“. Diese Ein­ladung ist auch im Wesentlichen die Gliederung des Werkes, das mich zunächst in die Welt der Wahrnehmungsmöglichkeit­en des Men­schen in Bezug auf seine Umwelt und sich selb­st ent­führt. Diese Reise begin­nt mit der Erken­nt­nis­the­o­rie, die uns die Beschränk­theit unser­er Beobach­tung unser­er Real­ität vor Augen führt. Die Sys­tem­atik, mit der dies erfol­gt, ist bewun­dern­swert. Allerd­ings musste ich Muse mit­brin­gen, da der Autor akribisch alle rel­e­van­ten Details zusam­menge­tra­gen hat. Seine Schritt-für-Schritt-Präsen­ta­tion erlaubte es mir jedoch seine Gedankengänge lück­en­los nachzu­vol­lziehen.

Lehn­ert set­zte bei mir nur gren­zen­lose Neugi­er voraus, mich auf das Aben­teuer „Begreifen der Welt“ einzu­lassen. Der wis­senschaftliche Teil ist sehr aus­führlich und genau das macht „Warum ich kein Christ sein will“ zu einem Kom­pendi­um, das vorzüglich belegt, warum unsere Vor­fahren bei der Erfas­sung und Beschrei­bung unser­er Welt scheit­ern mussten. In „heili­gen“ Schriften kön­nen deshalb keine Wahrheit­en ste­hen. Ihr Inhalt entspringt dem äußerst engen Wahrnehmungs­bere­ich, der ein­er vortech­nis­chen Zivil­i­sa­tion zur Ver­fü­gung stand. Heute eröffnet uns die Tech­nik Ein­blicke in Mikro- und Makrokos­mos, die jede Gottesvorstel­lung absurd erscheinen lassen.

Daraufhin begleit­ete mich Uwe Lehn­ert auf das Glat­teis der Reli­gio­nen selb­st. Auch hier sind zunächst die Aus­sagen an der Rei­he, die uns die „heili­gen“ Schriften ver­mit­teln. Vor allem die moralis­che Seite der Reli­gion – ihr Aushängeschild – nimmt er unter die empirische Lupe. Die wichti­gen The­menkom­plex „Schöp­fung“, „Schuld“ und „Sühne“ haben es ihm dabei beson­ders ange­tan. Er analysiert Bibel­texte nicht mit ver­harm­losender Exegese, son­dern indem er sie präzise mit den Augen eines Nichtk­lerik­ers liest. Er nutzt den Kon­text einzel­ner Bibel­verse, um zu zeigen, wie unmen­schlich sie nach heutigem Ver­ständ­nis von Gesellschaft wirken, wenn sie ohne beschwichti­gende the­ol­o­gis­che Wor­takro­batik gele­sen wer­den.

Das 5. Kapi­tel (Nach­denken über Gott und seine weltlichen Vertreter und deren Moral) wen­det sich dann den Auswirkun­gen der Bibel in der Kirche zu und streift auch das zen­trale Reli­gion­sprob­lem: die Theodizee. Auch die Behaup­tung des Chris­ten­tums, die Urhe­berin der Moral zu sein, zer­legt Lehn­ert gründlich, indem er auf ältere Texte ver­weist, in denen es ähn­liche moralis­che Regeln gab. Auch die Zehn Gebote wer­den als untauglich für eine mod­erne Recht­sor­d­nung ent­larvt.

Den per­sön­lichen Weg Uwe Lehn­erts aus dem Glauben zeich­net das 6. Kapi­tel („Endgültiger Abschied von Chris­ten­tum und Kirche“) nach. Ein let­ztes großes Kapi­tel schließt sich an („Über­legun­gen zu einem alter­na­tiv­en Welt- und Men­schen­bild“), in dem der Autor einen Weg in die Zukun­ft skizziert, wie die Reise der Men­schheit fort­ge­set­zt wer­den kön­nte, wie die zen­tralen Fra­gen der Reli­gion – z. B. der Sinn des Lebens – ohne Gottes­glauben zufrieden­stel­lend beant­wortet wer­den kön­nten. Wäre dies nicht ein geeignetes Geschenk für zweifel­nde Gläu­bige? Es muss nicht so sein, dass man nach der Lek­türe automa­tisch kein Christ mehr sein will – aber schw­er nachvol­lziehbar wäre ein Verbleib in der Kirche schon.

Stefan König: Ein Buch, das den Kopf frei macht

(Vor­weg: Meine Buchrezen­sion bezieht sich auf die aktuelle, 6. Aus­gabe dieses Werks. Es ist schade, dass Ama­zon die lesenswerten Kom­mentare der Vorgängerver­sion nicht automa­tisch mit dieser Aus­gabe verknüpft. Ich empfehle, die Kom­mentare zur 5. Aus­gabe den­noch zu lesen, da die 6., erweit­erte Aus­gabe im Grund­satz natür­lich das gle­iche Buch ist und sich alles dort Gesagte auch auf die 6. Aus­gabe über­tra­gen lässt.)

Alle Men­schen reden immer wieder über Gott und die Welt. Das scheint ein Naturge­setz zu sein. Uwe Lehn­ert, Hochschul­pro­fes­sor im Unruh­e­s­tand, hat sich selb­st ein Herzens­buch geschrieben, nach­dem er sein Leben lang wis­senschaftlich gear­beit­et und pub­liziert hat. Auch er redet darin über Gott und die Welt. Das allein wäre banal und nicht der Rede wert, weil es ja jed­er tut.

»Warum ich kein Christ sein will« aber stellt in aller Beschei­den­heit und ohne großes Sendungs­be­wusst­sein das gesam­melte Wis­sen eines bil­dung­shun­gri­gen Men­schen zum The­ma Gott und die Welt zusam­men, sach­lich, ser­iös, aber in für jed­er­mann ver­ständlich­er Sprache. Er will nie­man­den bekehren, son­dern erzählt seine Geschichte. Und diese Geschichte liest sich span­nend. Sie führt uns auf eine Reise in den Kos­mos, beschreibt uns die wun­der­bare Natur und die atem­ber­aubend span­nende Welt der Wis­senschaft, die niemals den Anspruch erhebt, fer­tige Antworten zu geben oder unum­stößliche Erken­nt­nisse zu liefern. Lehn­ert lädt uns ein, ihm zuzuschauen, wie er noch ein­mal die Reise durch sein eigenes Leben macht, um mitzuer­leben, wie es kam, dass er sich entschloss, kein Christ mehr sein zu wollen.

Er ist sich bewusst, dass sein Buch polar­isieren kann, weil er weiß, dass gläu­bige Men­schen oft mit Ablehnung reagieren, wenn man ihren Glauben infrage stellt. So find­en sich in bish­eri­gen Kri­tiken zu seinem Buch auch nur entwed­er umfassende Zus­tim­mung oder totale Ablehnung. Let­zter­er fehlt es meist an Sub­stanz, da es schw­er ist, Lehn­erts qua­si voll­ständi­ger Beschrei­bung des nat­u­ral­is­tis­chen Welt­bilds auf der Basis des aktuellen Wis­sens der Welt etwas ent­ge­gen­zuhal­ten.

Was mir am meis­ten an diesem Buch gefällt, ist die Ein­ladung an uns, ihn auf sein­er Reise bis zu seinem Faz­it zu begleit­en. Er hebt keinen mah­nen­den Zeigefin­ger und stellt sich nicht über andere. Jed­er soll für sich selb­st entschei­den, ob Reli­gion und Glaube für ihn das Richtige ist, oder ob er sich lieber auf seinen eige­nen Ver­stand ver­lassen und die Fasz­i­na­tion unser­er Welt unmit­tel­bar erleben möchte. Er zeigt ein­drück­lich, dass “herkömm­lich­er Gottes­glaube und christliche Lehre sich damit nicht mehr vere­in­baren lassen”.

Früh im Buch erfahren wir, dass er erst spät (mit 16) kon­fir­miert wurde und schon als Stu­dent aus der Kirche wieder aus­trat. Doch wir alle leben nicht im luftleeren Raum und reden eben immer wieder über Gott und die Welt. Es kön­nte sein, dass es in ein­er Welt, die keine Reli­gio­nen mehr hat, anders wäre. Aber auch in Deutsch­land sind noch immer ca. 60 Prozent der Men­schen Mit­glied ein­er christlichen Kirche. Die Zahl der Men­schen, die sich von Reli­gion los­sagen oder ganz ohne religiöse Glaubens­bindung aufwach­sen, wächst allerd­ings stetig. Viele Men­schen sind auf der Suche nach fundierten Argu­menten, warum sie keine Chris­ten mehr sein wollen. Es ist ja ein wenig wie die Suche nach Argu­menten, mit dem Rauchen aufzuhören. Welch­es Argu­ment ist mein Argu­ment, was überzeugt mich ganz per­sön­lich? Uwe Lehn­ert liefert ein ganzes Kalei­doskop an Argu­menten; wir müssen nur lesen, ver­ste­hen und uns das für uns per­sön­lich Richtige aus­suchen. Dann kön­nen wir uns per­sön­lich entschei­den, ob wir weit­er glauben oder uns selb­st ver­trauen wollen.

Ein Buch, das den Kopf frei macht.

PS: Die Rezen­sion erfol­gt nicht unter meinem Klar­na­men, da ich ein bekan­nter Poli­tik­er bin. Ein Fam­i­lien­ange­höriger von mir sorgt sich, durch die Rezen­sion um seinen Arbeit­splatz in einem kirch­lich Unternehmen ban­gen zu müssen.

Prof. Dr. Wolfgang Klosterhalfen: Warum mir Lehnerts Kritik des Christentums so gut gefällt

Zunächst ein­mal gefällt mir die Ruhe, Geduld und Sorgfalt mit der Lehn­ert, der eine Pro­fes­sur für Didak­tik an der Päd­a­gogis­chen HS Berlin inne hat­te, später eine für Unter­richtswis­senschaft an der FU Berlin, seine glauben­skri­tis­chen Ansicht­en darstellt und aus­führlich begrün­det. Das Buch wirkt ins­ge­samt gepflegt, auch vom Druck­satz her.

Lehn­erts Reli­gion­skri­tik ist gut durch­dacht, basiert auf umfan­gre­ichen Recherchen und berück­sichtigt auch neuste Forschungsergeb­nisse, z. B. aus­sagekräftige Exper­i­mente, die nach Libet von anderen Insti­tuten zum Prob­lem des “freien” Wil­lens durchge­führt wur­den. Und es bietet eine Schatzkam­mer gefüllt mit aus­gewählt inter­es­san­ten Zitat­en aus ganz unter­schiedlichen Quellen. Wussten Sie z. B., dass Maria am Kreuz dem “Schlach­topfer ihres Sohnes liebevoll zuges­timmt” hat? Sie brauchen dazu nicht den Kat­e­chis­mus der RKK durchzule­sen. Der­ar­tiges hat der Autor mit Fleiß und Über­sicht zusam­menge­tra­gen. Eine didak­tisch her­vor­ra­gende Darstel­lung der Dimen­sio­nen Raum und Zeit gibt es sozusagen als Zugabe. Aber auch sie hat ihren Sinn im Gesamtzusam­men­hang.

Warum ich kein Christ sein will” hat auto­bi­ographis­che Züge (“Mein Weg vom christlichen Glauben zu ein­er nat­u­ral­is­tisch-human­is­tis­chen Weltan­schau­ung”), ist aber alles andere als selb­stver­liebt. Das Spek­takuläre am Buch ist para­dox­er­weise seine Unaufgeregth­eit, sein nicht nach­lassendes Bemühen um Wahrheits­find­ung, seine Höflichkeit im Umgang mit dem ide­ol­o­gis­chen Geg­n­er, sein Verzicht auf Polemik und eine Aus­führlichkeit, die nicht lang­weilt, son­dern durch die große Anzahl und gute Qual­ität der reli­gion­skri­tis­chen Argu­mente deut­lich macht, dass es mit der ange­blichen Vere­in­barkeit von Ver­nun­ft und Glauben nicht weit her ist. Und dass ein­er Moral, die auf Ver­nun­ft und Tat­sachen basiert und nicht auf frag­würdi­gen Über­liefer­un­gen und Inter­pre­ta­tio­nen, die Zukun­ft gehören sollte.

Uwe Schmidt (ehem. evgl. Pfarrer): Ein Buch für mündige Menschen

Durch Zufall ent­deck­te ich Uwe Lehn­erts Buch im Inter­net, bestellte es umge­hend und spürte recht bald beim Lesen, was mir da zu-gefall­en” war. Näm­lich eine sehr detail­lierte, sorgfältig recher­chierte Begrün­dung auch für mein eigenes schon sehr lange emp­fun­denes Unbe­ha­gen an Chris­ten­tum und Kirche.

Was mir über viele Jahre im Dienst als evan­ge­lis­ch­er Pfar­rer erst allmäh­lich immer deut­lich­er und bedrän­gen­der wurde, fand ich nun bei Uwe Lehn­ert sys­tem­a­tisch und sach­lich gut abgesichert dargestellt. Es sind die zum Teil haarsträuben­den Zumu­tun­gen der Bibel und der daraus resul­tieren­den Glaubenssätze, die für den Ver­stand ein beständi­ges scan­dalon darstellen und dem eigen­ständi­gen, geschichtlichen und natur­wis­senschaftlichen Denken im Wege ste­hen.

Es ist das beson­dere Ver­di­enst des Autors, Men­schen, die ein ähn­lich­es Unbe­ha­gen im Umgang mit der christlichen Reli­gion empfind­en, Hil­fen an die Hand zu geben, um das Bauchge­fühl in den Kopf und damit in klare Argu­mente für die eigene Posi­tion zu brin­gen.

Fern­er zeich­net es Buch und Autor aus, dass hier nicht in Ver­ach­tung, aggres­siv­er Ablehnung oder gar Ver­höh­nung gesprochen wird, son­dern in ein­er sehr sach­lichen, die Gegen­seite stets mit ein­beziehen­den Argu­men­tat­sion­sweise. Es ist daher deut­lich zu spüren, dass Uwe Lehn­ert seine Geg­n­er nicht zu Fein­den erk­lärt hat, son­dern sehr wohl zwis­chen Per­son und der zur Diskus­sion ste­hen­den Sache zu unter­schei­den weiß.

Zusam­men­fassend ist dieses Buch als ein ganz wichtiger Beitrag zu werten, der Suchen­den und Fra­gen­den nicht nur gute und sach­liche Argu­mente liefert in der Auseinan­der­set­zung mit der christlichen Reli­gion. Darüber hin­aus­führend weist Uwe Lehn­ert einen Weg auf, wie mündi­ge Men­schen heute mit einem alter­na­tiv­en Welt- und Men­schen­bild” im Kopf eigen­ständig und mündig in dieser Welt beste­hen kön­nen.

Karl Siegert: Bestes Produkt zu diesem Thema in jüngster Zeit

Wer einen “Weg­weis­er” für seine Leben­san­schau­un­gen braucht, dann ist es mein­er Mei­n­ung nach das gegen­wär­tig beste Buch auf dem Markt. mfg K. Siegert

Walter Schärf: Einfach das Beste zu diesem Thema

Das war für mich nicht das erste Buch zu diesem The­ma, aber mit Abstand das Beste. Klar, ver­ständlich, ein­drucksvoll, vor allem auch in den per­sön­lichen, sehr glaub­haften Beken­nt­nis­sen. Beson­ders hat mir auch gefall­en, dass Uwe Lehn­ert ganz ohne Polemik auskommt. Mal abge­se­hen von den wis­senschaft­s­the­o­retis­chen Erörterun­gen jed­erzeit ohne Fremd­wörter­buch und beson­dere Vorken­nt­nisse mit viel Gewinn les­bar.

Hans Trutnau: “begeisternd begeistert” (Eltville)

Ein sehr per­sön­lich­es Buch, das in dieser Weise bish­er in der säku­laren Szene gefehlt hat.

Es liest sich von den Schlussfol­gerun­gen streck­en­weise ganz ähn­lich wie Jen­seits von Gut und Böse: Warum wir ohne Moral die besseren Men­schen sind von Michael Schmidt-Salomon. Und ist daher vielle­icht ein Fall von Ko-Evo­lu­tion bzw. ein Zeichen dafür, dass die Zeit wirk­lich reif ist für solche Gedanken. Ger­adezu rührend (und empathisch!) gelingt es Lehn­ert, wie er seinem Zielpub­likum 10er-Poten­zen erläutert oder auf andere natur­wis­senschaftliche Begriffe hin­führt. Sicher­lich wird sich nicht jede/r mit jed­er einzel­nen Auf­fas­sung des Autors iden­ti­fizieren kön­nen; aber für z. B. Inter­essen­ten oder Förder­er der Gior­dano Bruno Stiftung sollte das Buch (z. B. Kap IV über Wil­lens­frei­heit) ins­ge­samt eine wirk­liche Bere­icherung sein. Was Lehn­ert z. B. auf S. 335 (3. Auflage) über wis­senschaftliche Erken­nt­nisse sagt, mag nicht kom­plett neu sein, ist aber sel­ten präg­nant auf den Punkt gebracht. Und, und, und … Sein (per­sön­lich­es) ‘Cre­do’ ab S. 348 unter­schreibe ich prak­tisch 1:1. Und die ‘Bergbestei­gung’ ganz am Ende ist erfreulicher­weise keine Berg­predigt …  Hätte ich den Autor doch schon während meines Studi­ums in Berlin ken­nen­gel­ernt – es wäre sich­er befruch­t­end gewe­sen.

Dr. Bernd Vowinkel (Bonn): Phantasie und Wirklichkeit

Mit diesem Buch ist dem Autor ein ganz her­vor­ra­gen­des Werk zur Aufk­lärung im besten Sinne gelun­gen. Es ist sach­lich sowohl in seinen geis­teswis­senschaftlichen Grund­la­gen als auch in Bezug auf die Natur­wis­senschaften sehr fundiert und den­noch für einen Leser mit durch­schnit­tlich­er Bil­dung gut ver­ständlich geschrieben. Der Autor zeigt, dass der christliche Glaube ein Pro­dukt der men­schlichen Phan­tasie ist und kein­er­lei Bezug zur Wirk­lichkeit hat. Im Gegen­satz dazu beze­ich­net der Autor die Natur­wis­senschaften sehr tre­f­fend als Wirk­lichkeitswis­senschaften. Sie sind unser einziger ver­lässlich­er Zugang zur Wirk­lichkeit. Zur Anerken­nung der Wirk­lichkeit gehört die Abkehr vom Geist-Kör­p­er Dual­is­mus und der Idee der absoluten Wil­lens­frei­heit. Der Autor ver­har­rt nicht bei rein­er Reli­gion­skri­tik, son­dern disku­tiert auch echte Alter­na­tiv­en. Er zeigt, dass wir für eine Ethik keine Reli­gion brauchen und dass es keinen höheren Sinn des Lebens gibt, son­dern dass der Sinn des Lebens im indi­vidu­ellen Glück im Dies­seits liegt. Beson­ders hoch anzurech­nen ist dem Autor, dass er den Nat­u­ral­is­mus, im Gegen­satz zu vie­len anderen Vertretern des nat­u­ral­is­tis­chen Human­is­mus, zu Ende denkt und damit zu ein­er eher pos­i­tiv­en Grund­hal­tung zum Tran­shu­man­is­mus kommt. Wer nach der Lek­türe des Buch­es immer noch an seinem christlichen Glauben fes­thält, dem fehlt es ein­fach an Ver­stand und Ver­nun­ft.

Uta G.: Absolut empfehlenswert

Ein wirk­lich beein­druck­endes Buch, das sein Geld abso­lut wert ist. Eine per­sön­liche und ehrliche Abrech­nung mit dem Chris­ten­tum. Dem Leser wird ver­ständlich nahege­bracht, dass Trost, Sinn und Hoff­nung auch zu find­en sind, ohne Denkverzicht ab einem bes­timmten Punkt zu üben bzw. sein Hirn auszuschal­ten. Das Buch überzeugt durch fach­lich­es Wis­sen und eine bestechende Logik, ger­ade auch für den Laien gut ver­daulich dargelegt und müsste eigentlich bei jedem Gläu­bi­gen große Nach­den­klichkeit hin­ter­lassen. Lei­der ist bei Gottes­fürchti­gen gehäuft kog­ni­tive Dis­so­nanz anzutr­e­f­fen und sie scheinen sich vor solch­er Lit­er­atur zu fürcht­en wie der Teufel vor dem Wei­h­wass­er. Wichtig finde ich auch, dass vom Autor die in Deutsch­land fataler­weise immer noch nicht vol­l­zo­gene Tren­nung von Staat und Kirche ange­sprochen wird.

Dr. Fritz Berthold (Duisburg)

Lieber Leser, Sie müssen jet­zt ganz tapfer sein. Und bere­it, zu neuen Ufern aufzubrechen. Denn wenn Sie sich dieses Buch erar­beit­et haben, wer­den Sie ein ander­er Men­sch sein! Möcht­en wir das nicht auch? Wozu lesen wir denn über ein The­ma, welch­es uns inter­essiert, wenn wir nicht auch Neu­land betreten wollen? …

Uwe Lehn­ert nen­nt z. B. das christliche Abendmahl mit Recht einen bizarr-kan­ni­balis­chen Kult aus überkommen­er Zeit. Der christliche Glaube ist für ihn eine gedankliche Kon­struk­tion, die aus älteren religiösen Vor­bildern und Mythen, unter anderen dem Mithraskult, durch macht­in­ter­essierte Men­schen entwick­elt wur­den. Gle­ichzeit­ig anerken­nt er auch den Trost, die Hoff­nung und den Glauben an die Zukun­ft, den diese Reli­gion spendet und sicher­lich von vie­len in großem Glauben gegeben und emp­fan­gen wird. Nur — mit einem Jen­seits hat das alles nichts zu tun. Selb­st ihm fällt es schw­er, mit einem beton­ten “Ja” zu antworten, wenn es um die Frage geht, ob es sich beim Glauben um eine religiöse “Ein­bil­dung” han­delt, um eine Wah­n­vorstel­lung, in deren Schat­ten die wun­der­baren kirchen­musikalis­chen Werke eines Johann Sebas­t­ian Bach geschaf­fen wor­den sind oder auch wenn es um das opfer­volle Leben unzäh­liger Men­schen geht.

Wir, die wir zumeist ab der früh­esten Kind­heit christlich indok­triniert sind, haben keine Prob­leme damit, den Glauben der Mus­lime und der Hin­dus als Irrglauben abzu­tun — und viele wer­den erst durch die glasklare Darstel­lung in dieser lesenswerten fün­ften Aus­gabe bemerken, dass auch ihr Glaube ein Aber­glaube ist.

Uwe Lehn­ert schreibt auch über die Ein­ma­ligkeit unseres Daseins, über das unge­heure Glück, nicht nur, dass wir einen kos­mis­chen Augen­blick lang an diesem Leben teil­nehmen dür­fen, son­dern uns dessen auch bewusst sind! Wir wussten nicht, wo wir vorher waren, und unsere Atome wer­den weit­erziehen – aber WIR, im Gegen­satz zu vie­len anderen denkbaren möglichen “ICH’s”, wer­den gelebt haben! Das genügt.

Bei aller Skep­sis (ob der dog­ma­tisch aufer­legten Glaubens­grund­sätze) den Men­schen gegenüber, die im Laufe der Jahrhun­derte eine Schrift zusam­mengestellt und für heilig erk­lärt haben, wird in diesem Buch den­noch die Größe und Erhaben­heit der Kunst­werke gese­hen, die im Schat­ten der tiefen Volks­fröm­migkeit ent­standen sind. Auch die Gestal­tung des Jahresablaufs, gle­ich ob hei­d­nis­chen oder christlichen Ursprungs, wird nicht in Frage gestellt, auch nicht die Rit­uale bei Hochzeits- oder Begräb­n­is­feier­lichkeit­en, obwohl der Ver­stand sich laut­stark meldet, sobald ein Klerik­er den Mund auf­macht und alte Rit­u­albe­standteile aus­bre­it­et. Wörtlich: “… es fehlt eine Form von Feier­lichkeit, die das Gemüt – oder wenn man es lieber so aus­drück­en möchte: die Seele – anspricht, ohne den Ver­stand zu kränken.”

Es wird klargestellt, dass das Gebet nichts nützt, dass auch ein Papst sich lieber in die heilende Kun­st ärztlich­er Hände beg­ibt, das Papamo­bil mit sechs Zen­time­ter Panz­er­glas geschützt ist und alle Gotteshäuser mit Blitz­ableit­ern verse­hen sind. Fra­gen wie: Warum sind bei dem Erd­beben in Liss­abon 1755 beson­ders viele Gläu­bige umgekom­men oder wann sei je einem Bedrängten durch ein Gebet Hil­fe zugekom­men außer durch Men­schen, müssen erlaubt sein, auch wenn die Kirchen einen solchen Fragesteller am lieb­sten noch heute wür­den bren­nen sehen.

Der Kern des Chris­ten­tums ist eine Wun­schvorstel­lung” ent­standen aus der Sehn­sucht der Men­schen nach Schutz, Halt und Sinn, aus­genutzt durch eine Priesterkaste, die Macht und Ein­fluss über die Men­schen gewin­nen und behal­ten will. …

Viele Büch­er habe ich inzwis­chen gele­sen, die sich mit Reli­gion­skri­tik und mit dem Chris­ten­tum befassen. Dieses ist das abso­lut feingeistig­ste und feinsin­nig­ste, zurück­hal­tend­ste, dem jede Angriff­s­lust fehlt – was wohl an der pri­vat­en Natur des Autors liegt, den ich per­sön­lich noch gar nicht kenne. Es kommt dem Autor über­haupt nicht auf Angriff an, son­dern nur auf die Erfas­sung logis­ch­er Zusam­men­hänge zum Zweck des eige­nen Ver­ste­hens.

Aber mit dem Ver­ste­hen des Chris­ten­tums haben schon andere ihre Prob­leme gehabt.

Winfried Krakau: Mutmacher Vernunft

Ein Buch für alle, die sich mit Reli­gio­nen auseinan­der­set­zen wollen. Sehr überzeu­gend, weil der Autor aus ehe­ma­liger christlich­er Indok­tri­na­tion kom­mend, intellek­tuell redlich argu­men­tiert. Die Argu­men­ta­tion bewegt sich auf hohem didak­tis­chen Niveau und analysiert das Chris­ten­tum stel­lvertre­tend für alle tran­szen­den­ten Reli­gio­nen. Neben der Darstel­lung des mod­er­nen Welt­bildes der Natur­wis­senschaften wird auch ein ganzes Kapi­tel der gegen­wär­tig brisan­testen Frage der Wil­lens­frei­heit gewid­met. Kon­se­quent wer­den die tiefge­hen­den Prob­leme zu Schuld und Sühne und die strafrechtlichen Auswirkun­gen disku­tiert. Wenn Wil­lens­frei­heit eine Illu­sion ist, tut sich eine neue Sicht auf das Ver­hält­nis des Men­schen zu sich selb­st und dem Anderen auf. Als Folge aus seinen Erken­nt­nis­sen, beschreibt der Autor ein nat­u­ral­is­tisch-human­is­tis­ches Welt- und Men­schen­bild. Dieses Buch ist her­vor­ra­gend geeignet, als Lehr­ma­te­r­i­al in Schulen zu dienen. Es tritt der ver­stärk­ten Ten­denz der Kirchen ent­ge­gen, ver­lorene Posi­tio­nen in der Gesellschaft durch vom Staat weit­ge­hend finanzierte kon­fes­sionelle Schulen zurück zu gewin­nen. Es stellt einen weit­eren Baustein zu ein­er säku­laren Ver­fas­sung der Gesellschaft und ein­er längst fäl­li­gen wirk­lichen Tren­nung von Staat und Kirche dar.

Frank Gerth: Zu Ende denken 

Warum ich kein Christ sein will” ist in meinen Augen ein geniales Buch. Richard Dawkins “Der Gotteswahn” hat mich tief beein­druckt, Michael Schmidt-Salomons “Man­i­fest des Evo­lu­tionären Human­is­mus” hat mich überzeugt. Aber Herr Uwe Lehn­ert hat mit seinem Buch meine frühen Jugendüberzeu­gun­gen so felsen­fest mit Argu­menten zemen­tiert, dass ich immer mehr, leicht­en Sinnes und fro­hen Mutes, mein Leben lebe, in einem Land, in dem viele Men­schen vom archais­chen Gedankengut der bei­den Großkirchen gefan­gen sind.

Lehn­erts ana­lytis­che, sach­liche Argu­men­ta­tion, die aber nie belei­di­gend wird, überzeugt mich ganz und gar. Die logis­che Dichte der Argu­mente seines Buch­es erfordert vom Leser Zeit und Reflex­ion, die, lässt man sich auf das Buch ein, sehr gut in kluge Gedanken investiert wer­den.

Mich überzeugte in Glaubens­fra­gen zuerst L. Feuer­bach und nun beson­ders U. Lehn­ert. Ein großar­tiges Buch für alle, die zu Ende denken wollen.

Dr. Günther (Celle): Vernunft gegen Offenbarung 

Unter den Büch­ern für und wider die Reli­gion ragt dieses Buch her­aus.

Es ist keine polemis­che Stre­it – oder Recht­fer­ti­gungss­chrift, son­dern ein Aufruf zu ein­er unvor­ein­genomme­nen Diskus­sion unter Führung von Ver­nun­ft und Logik.

Die schon in der frühen Jugend des Autors quälen­den Zweifel am christlichen Glauben und den Glaubens­dog­men führten zu ein­er lebenslan­gen Sinnsuche men­schlich­er Exis­tenz.

Außergewöhn­lich ist, dass dem Leser primär mit didak­tis­chem Kön­nen die fun­da­men­tal­en Erken­nt­nisse der Physik, Astronomie, der Evo­lu­tions­bi­olo­gie, denen wir unser heutiges Welt­bild ver­danken, vor Augen geführt wer­den. Nur die wis­senschaftlichen Ein­blicke in den Mikro- und Makrokos­mos erlauben Aus­sagen über Men­sch und Uni­ver­sum, nicht alte, über 2000 jährige Bibelvorstel­lun­gen natur­wis­senschaftlich blind­er religiös­er Män­ner.

Die Natur­wis­senschaft musste sich immer wie ein Vulka­naus­bruch gegen die harten Krusten des Glaubens durch­set­zen.

Die aus men­schlichen Denkmustern stam­menden Fra­gen des Woher u. Wohin, des Warum u. Wozu dienen der Ori­en­tierung auf unserem Globus, haben keine kos­mis­che Rel­e­vanz. Die Sin­nge­bung als Dasein für andere unter dem Aspekt indi­vidu­eller Möglichkeit­en wird mit anderen Autoren disku­tiert.

Der säku­lare Erken­nt­niss­chub der Aufk­lärung kon­nte Tabus brechen und heilige Dog­men erschüt­tern.

Es wird die Nähe von Dog­men und Fanatismus gezeigt. Selb­st Luther hat die Ver­nun­ft als Hure beze­ich­net, um kri­tis­che Glauben­szweifel zu erstick­en.

Es wer­den Human­ität und Bru­tal­ität der christlichen Bibel und christlichen Geschichte gegenüber gestellt und die Fra­gen der Moral und Ethik, des Wil­lens und Bewusst­seins aus­führlich erörtert.

Es wird gefragt, warum hin­ter den vie­len Ungewis­sheit­en unseres Kos­mos noch eine weit­ere Ungewis­sheit göt­tlich­er Ratio ste­hen muß, was die Erken­nt­nis nicht fördert.

Jed­er, der den Willen und Mut hat, seine eigene Mei­n­ung der Wahrheit unterzuord­nen, wird von diesem Buch prof­i­tieren.

Eine namentlich nicht bekannte Leserin: Innere Revolution durch ein Buch 

Meine Vorred­ner haben im Grunde schon alles Wichtige zum Inhalt gesagt. Hier nur ein Dank ein­er ehe­ma­li­gen überzeugten Katho­likin an den Autor:

Um es mit den Worten des englis­chen Come­di­an George Car­lin zu beschreiben (kommt nicht im Buch vor):

Im Him­mel ist ein unsicht­bar­er Mann der eine Liste hat  mit 10 Din­gen, die Du nicht tun sollst. Und er sieht dich immer und über­all und er sieht alles, was Du tust. Und wenn Du eines der Dinge auf der Liste tust, hat er einen Platz voll Feuer und Lei­den und dort wirst du für alle Zeit in der Hölle bren­nen! Aber er liebt Dich”.

Eine kri­tis­che Auseinan­der­set­zung mit dem Glauben, der uns direkt durch die Erziehung oder die Gesellschaft geprägt hat, lohnt sich! Uwe Lehn­ert macht das sorgfältig, ohne Polemik und überzeugt argu­men­ta­tiv.

Dieses Buch hat meine Ein­stel­lung zur Stel­lung des Men­schen im Uni­ver­sum, der Bibel, der Insti­tu­tion der Kirche und zum Leben an sich grundle­gend verän­dert.

Ich schließe mich also einem Vorred­ner an, der meinte: “Sie müssen jet­zt ganz mutig sein”.

Es gibt wenige Büch­er, die mich in meinem Leben so grundle­gend bewegt haben. Dieses Buch gehört ein­deutig dazu.

In diesem Sinne bedanke ich mich her­zlich beim Autor.

Rainer Buchheim: Pflichtlektüre für Lebenskundelehrer und Katecheten

Gewiß gibt es seit der Aufk­lärung und auch nach Niet­zsche und Dawkins eine ganze Rei­he her­vor­ra­gen­der reli­gion­skri­tis­ch­er Werke. Set­zt man diese aber ein­mal rein zahlen­mäßig ins Ver­hält­nis zu dem unüberse­hbaren Wust religiös­er, eso­ter­isch­er, spir­itueller, the­ol­o­gis­ch­er, erbaulich-from­mer und fröm­mel­nder Lit­er­atur, so ist jedes Buch mehr, das ein­er nat­u­ral­is­tisch-human­is­tis­chen Weltan­schau­ung verpflichtet ist, ein Gewinn. Und dieses Buch ist ein beson­der­er Gewinn:

Lehn­ert erläutert in über­schaubarem Umfang und für den Laien ver­ständlich die philosphis­chen und vor allem natur­wis­senschaftlichen Grund­la­gen ein­er athe­is­tis­chen oder agnos­tis­chen Welt­sicht, und das auf sehr präzise, pop­uläre aber dabei keineswegs sim­pli­fizierende Weise. Aktuelle The­o­rien der Astro- und Quan­ten­physik fließen dabei eben­so ein wie die neueren Erken­nt­nisse der Evo­lu­tions­bi­olo­gie und der Hirn­forschung. Allein damit gelingt ihm der Nach­weis, dass Atheismus/Agnostizismus eben mehr ist als nur eine andere Art Glaube.

Im Kap. VI schreibt Lehn­ert über einen sein­er Lehrer: Frei von polemis­chen und aggres­siv­en Attack­en, in geschlif­f­en­er Sprache und gestützt auf ein umfan­gre­ich­es philosophis­ches, the­ol­o­gis­ches und kul­turgeschichtlich­es Wis­sen entwick­elte Szczes­ny seine Posi­tion als Nichtchrist. Und genau dieser Dik­tion bleibt Lehn­ert treu, wenn er sich im zweit­en Teil des Buch­es anhand des nicht ganz ein­fachen Prob­lems der Wil­lens­frei­heit, der Frage von christlich­er Moral und men­schlich­er Ethik, des Inhalts der Bibel sowie der Geschichte des Chris­ten­tums direkt mit Kirche, Reli­gion und Glauben auseinan­der­set­zt: unaufgeregt aber redlich und kon­se­quent im Denken, gelassen aber kom­pro­miß­los im Urteil.

Doch Lehn­ert läßt es nicht bei der Kri­tik bewen­den. In den bei­den let­zten Kapiteln entwirft er ein zum religiösen alter­na­tives Welt- und Men­schen­bild und skizziert ein evo­lu­tionär-human­is­tis­ches Herange­hen an den Sinn des Lebens.

Der Leser ahnt im Ver­lauf der Lek­türe, welch gewaltiger Schatz an Wis­sen, Lebenser­fahrung und -weisheit des Autors dem Werk zugrunde liegt. Es sei dem Suchen­den oder dem zweifel­nd Gläu­bi­gen eben­so emp­fohlen wie dem überzeugten Athe­is­ten, der nach Argu­menten für die geistige Auseinan­der­set­zung fah­n­det. Es sei Pflichtlek­türe für Leben­skun­delehrer eben­so wie für Kat­e­cheten!

W. Schober: Eine Analyse fundamentaler Fragestellungen zum Christsein

Das Buch trifft den Nerv viel­er kri­tis­ch­er Men­schen, die intellek­tuell ansprechende Abhand­lun­gen zum Sinn des Lebens suchen und die Hil­festel­lun­gen durch die christlichen Reli­gio­nen in Frage stellen. Der Titel des Buch­es nimmt das Ergeb­nis der Analyse vor­weg. The­men zum Uni­ver­sum, der Quan­ten­the­o­rien, Erken­nt­nisse der Neu­rolo­gie und Gedanken großer Philosophen wer­den eben­so behan­delt, wie die Grund­la­gen der christlichen Reli­gio­nen zu Gott. Beson­ders beacht­enswert sind die Aus­führun­gen zur Wil­lens­frei­heit, zu Schuld und Strafe.

Das Buch gehört zu den besten und niveau­voll­sten kirchenkri­tis­chen Abhand­lun­gen. Die Präzi­sion der Analyse, die Sach­lichkeit der Argu­men­ta­tion, aber auch die gute Les­barkeit und Ver­ständlichkeit auch kom­plex­er The­men zeich­nen es aus. Viele Men­schen stellen sich ähn­liche Fra­gen zum Sinn des Lebens. In diesem Buch find­et man seine eige­nen Fra­gen oft­mals ein­fach­er und klar­er gestellt, als man es selb­st bish­er ver­mochte — und diese wer­den auch ser­iös beant­wortet. Das Rin­gen um Erken­nt­nis ste­ht im Vorder­grund, es gibt bei Lehn­ert keine unter­grif­fige Argu­men­ta­tion gegen die christlichen Kirchen, er geht immer respek­tvoll mit Ander­s­denk­enden um.

Wir kön­nen dankbar sein, dass jemand sein Wis­sen und seine Erken­nt­nisse, welche das Ergeb­nis eines mehrjähri­gen Rin­gens, Fra­gens und Disku­tierens waren, pub­liziert und damit anderen zugänglich macht.

Abild-Schindler: Gut für Menschen, die an ihrem Glauben zweifeln

Es ist kein leichter Weg, den Uwe Lehn­ert in seinem Buch gegan­gen ist: Der Weg vom aner­zo­ge­nen Glauben des Jugendlichen, über die Infragestel­lung aller christlichen Glaubenssätze und Vorschriften hin zu sein­er heuti­gen Überzeu­gung, ein­er nat­u­ral­is­tisch-human­is­tis­chen Weltan­schau­ung.

Der Autor hat das Buch qua­si im Zwiege­spräch mit sich selb­st geschrieben, um mit Hil­fe von Natur­wis­senschaften, Philoso­phie, Geschichtswis­senschaft und kri­tis­ch­er The­olo­gie sich ein wohldurch­dacht­es Urteil über Gott, Chris­ten­tum und Kirche zu bilden. Er kann deshalb auch ein guter Begleit­er sein für alle, die bish­er im Zweifel gelebt haben und nun entschlossen sind, ihr Ver­hält­nis zur Reli­gion zu klären.

Lehn­ert greift sub­jek­tiv und den­noch umfassend die wichtig­sten Fra­gen zu “Gott und die Welt” her­aus. Seine gut unter­mauerten Argu­mente sind radikal, gehen tief, sind aber immer nachvol­lziehbar. Und sie führen an häu­fig noch gar nicht bewußte Denkver­bote her­an.

Das Buch fordert dazu her­aus, sich eben­falls zu posi­tion­ieren, sich selb­st Fra­gen zu stellen: Wie weit gehe ich inhaltlich mit, wo stimme ich nicht zu, was mache ich mit meinen Erken­nt­nis­sen? Habe ich den Mut, mich meinem katholis­chen oder protes­tantis­chen Umfeld als “Ungläubige/r” oder – pos­i­tiv aus­ge­drückt – als Humnanist/in zu erken­nen zu geben? Wenn nein, warum nicht? Was habe ich zu befürcht­en, wenn ich meine Kri­tik an der Kirche öffentlich mache? Und: Wo finde ich bei mein­er Suche nach selb­st­bes­timmtem Leben und nach einem kirchen­unabhängigen, nichtre­ligiösen Leben­skonzept Gle­ich­gesin­nte? Auch bei dieser Frage gibt der Autor Hil­festel­lung durch Hin­weise auf bere­its beste­hende human­is­tisch-ori­en­tierte, athe­is­tis­che oder freigeistige Organ­i­sa­tio­nen und ihre Ziele. Den Weg dahin kön­nen die Leser dann alleine find­en. …

Günther Drutschmann: Warum ich kein Christ sein will

Das Buch ist bril­lant geschrieben und der Logik der Argu­mente kann man sich kaum ver­schließen. Die Fra­gen, die der Autor stellt und speziell seine Gedanken zu Gott und dessen Schweigen im Holo­caust, beschäfti­gen mich seit mein­er Jugend. Auch ste­he ich heute der katholis­chen Amt­skirche sehr kri­tisch bis ablehnend gegenüber.

Trotz­dem bere­it­et mir dieses Buch großes Kopfzer­brechen. Die Radikalität, mit der Herr Prof. Lehn­ert Gott und den Glauben in der Versenkung ver­schwinden lässt, bewun­dere ich und gle­ichzeit­ig irri­tiert sie mich. Dass wir nur ein Haufen albern­er Men­schen sein sollen, die eine gewis­sen Zeit und mehr oder weniger zufäl­lig hier auf diesem Plan­eten heru­mir­ren und unsere Erfül­lung und den Sinn in den Din­gen des täglichen Lebens find­en, fällt mir sehr schw­er zu glauben. Ich füh­le mich nicht so stark wie der Autor, ganz auf eine höhere Macht zu verzicht­en. Das Buch hat mich ger­ade in diesem Punkt tief erschüt­tert, weil die Argu­mente des Ver­fassers so stich­haltig erscheinen. Wer in diesen Din­gen sehr sen­si­bel ist, sollte das Buch mit Vor­sicht lesen. Lei­der war ich unvor­sichtig und las es. Ich hoffe zudem, dass der Autor das auch wirk­lich lebt, ins­beson­dere zum Sinn des Lebens und dessen Ende, was er in seinem Buch so ein­drucksvoll und wort­ge­wandt schildert.

J. O. aus Lüdenscheid. Ausgezeichnet (beim Buchversender www.buecher.de eingestellt):

Wenn es richtig ist, dass die Frage nach Gott und nach der Exis­tenz von uns Men­schen grundle­gende Fra­gen jedes denk­enden Indi­vidu­ums sind, so darf man jeden Einzel­nen sich­er als ‚Fach­mann’ in eigen­er Sache anse­hen. Uwe Lehn­ert, kein Fach­mann irgen­dein­er the­ol­o­gis­chen Diszi­plin, gle­ich­wohl aufrichtiger Nach­denker, adressiert seine Auseinan­der­set­zung mit diesen Fra­gen und speziell mit dem Chris­ten­tum fol­glich zuallererst an sich. Wie es einem emer­i­tierten Hochschullehrer aber zuste­ht, mün­den seine Über­legun­gen in einem sys­tem­a­tisch aufge­baut­en Buch, das viele Aspek­te anspricht. In ein­er leicht ver­ständlichen Sprache wer­den aus erken­nt­nis­the­o­retis­ch­er Warte natur­wis­senschaftliche Infor­ma­tio­nen, philosophis­che Posi­tio­nen und Ergeb­nisse kri­tis­ch­er The­olo­gen eben­so referiert wie Fak­ten aus der oft unrühm­lichen und wider­sprüch­lichen Geschichte der Chris­ten. Das Resümee des Autors, der uneingeschränkt ein human­is­tis­ches Welt- und Men­schen­bild ver­tritt, wird manchen Leser ernüchtern: Um moralisch zu leben, sind der Glaube an einen jen­seit­i­gen Gott und die Lehre der christlichen Kirchen ent­behrlich. Ins­ge­samt bietet die durch­weg anre­gende Lek­türe m.E. selb­st dem beken­nen­den Chris­ten die Möglichkeit, durch das Ange­bot des begrün­de­ten Zweifels den eige­nen Glauben zu fes­ti­gen; dem Zwei­fler zeigt es Per­spek­tiv­en ein­er men­schen­würdi­gen Alter­na­tive zum Chris­ten­tum auf.

Siegfried R. Krebs (Journalist): Ein informatives und zum Nachdenken anregendes Lesebuch

In bere­its fün­fter, und über­ar­beit­eter und erweit­ert­er, Auflage liegt das erst­mals im Jahre 2009 erschienene Buch des emer­i­tierten Hochschullehrers Prof. Dr.-Ing. Uwe Lehn­ert »Warum ich kein Christ sein will« vor. Lehn­ert beschreibt darin nicht nur seinen eige­nen »Weg vom christlichen Glauben zu ein­er nat­u­ral­is­tisch-human­is­tis­chen Weltan­schau­ung«. Seine Inten­tion war es nicht min­der »Ein Lese­buch [zu ver­fassen; SRK] für Men­schen, die sich über wis­senschaftliche Erken­nt­nisse, Glauben und Kirche informieren und darüber nach­denken möcht­en«. Kirchen- und reli­gion­skri­tis­che Büch­er wer­den zumeist von Philosophen, Geis­teswis­senschaftlern oder (Ex-)Theologen geschrieben. Daß sich nun ein natur­wis­senschaftlich-tech­nis­ch­er Akademik­er zu Wort meldet, ist in Bun­des­deutsch­land nicht ger­ade üblich. Und Lehn­erts Ansatz ist fol­gerichtig auch ein ander­er, doch dafür sind seine Aus­führun­gen um so beein­druck­ender und oft­mals sog­ar überzeu­gen­der als die Kirchen- und Reli­gion­skri­tik der Geis­teswis­senschaftler, die allein vom Wort aus­ge­hen. Die Natur, die Materie und ihre bis­lang erkan­nten Geset­ze sprechen eben eine ganz beson­dere Sprache; sind nach­prüf­bare Fak­ten…

Uwe Lehn­erts Buch ist seit der ersten Auflage bere­its vielfach rezen­siert wor­den, daher soll sich die Besprechung der fün­ften Auflage auf einige aus­gewählte Schw­er­punk­te beschränken. Eine Erweiterung und Aktu­al­isierung haben in dieser Auflage vor allem kirchenkri­tis­che Fra­gen (u. a. priester­liche Ver­fehlun­gen, kirch­lich­es Arbeit­srecht, Nähe des Bun­desver­fas­sungs­gericht­es zu den bei­den großen Kirchen), die The­men Laizis­mus bzw. Tren­nung von Staat und Kirche(n) sowie die Darstel­lung weltan­schaulich­er und prak­tis­ch­er Alter­na­tiv­en zu Glauben und Kirche(n) erfahren.

Lehn­ert hat sein Buch zwar in acht Kapi­tel gegliedert, die man aber jedoch auch zu vier Kom­plex­en zusam­men­fassen kann.

Einen ersten Kom­plex bilden die Kapi­tel I bis IV, die wie fol­gt über­schrieben sind:

* Was kön­nen wir wis­sen? Was kön­nen wir erken­nen? * Raum und Zeit: Unbe­grei­flich in Dimen­sion und Wesen * Natur­wis­senschaft, Reli­gion und men­schlich­es Selb­stver­ständ­nis * Schuld, Sühne, Glaube und die Illu­sion von der Wil­lens­frei­heit

Hier ver­sucht der Autor, ein nat­u­ral­is­tis­ches (oder wie im Marx­is­mus heißt: mate­ri­al­is­tis­ches) Welt­bild auf der Grund­lage heuti­gen Wis­sens, also natur­wis­senschaftlich­er Ken­nt­nisse zu skizzieren.

Obwohl dieser Teil des Buch­es sehr umfan­gre­ich aus­ge­fall­en ist, so ist dies doch notwendig für eine argu­men­ta­tive Auseinan­der­set­zung mit christlichen Glaubens­dog­men. Und Lehn­ert geht damit auch auf The­olo­gen ein, die der Wis­senschaft, den Wis­senschaften, unter­stellen, nicht auf alles eine Antwort zu haben. Doch der Natur­wis­senschaftler macht klar, daß die Wis­senschaften eben keine ewigen und einzi­gen heili­gen Wahrheit­en verkün­den, son­dern sich durch kri­tis­che Forschung auch immer selb­st wieder in Frage stellen und sich somit der Wel­terken­nt­nis ständig weit­er annäh­ern.

Und dieser Teil ist dur­chaus notwendig, da das bun­des­deutsche Schul­we­sen den Natur­wis­senschaften nach wie vor zu wenig Platz ein­räumt und mit der Reli­gion­sun­ter­richt genan­nten Glauben­sun­ter­weisung einem unwis­senschaftlichen Welt­bild (Schöp­fungslehre) bre­it­en Raum gewährt. Für DDR-sozial­isierte Leser dürfte Lehn­ert aber wohl eher offene Türen ein­ren­nen, denn jed­er 10-Klassen-Schüler und auch Abi­turi­ent erfuhr eine umfassende Bil­dung in den Fäch­ern Math­e­matik, Biolo­gie, Chemie, Physik und Astronomie. Und er blieb zudem in Schule und Massen­me­di­en von Mis­sion­ierung und Astrolo­gie ver­schont.

Lehn­erts Aus­führun­gen in diesem Kom­plex sind im besten Sinne des Wortes pop­ulär­wis­senschaftlich, also bei hohem inhaltlichen Niveau auch dem Laien ver­ständlich und anschaulich.

Einen zweit­en Kom­plex bilden die Kapi­tel V und VI, die auf einem natur­wis­senschaftlichen geprägten Weltver­ständ­nis auf­bauen. Hier zeigt Lehn­ert auf, daß sich herkömm­lich­er Gottes­glaube und christliche Lehre mit einem solchen Weltver­ständ­nis nicht vere­in­baren lassen. Auch die den meis­ten Men­schen wei­thin unbekan­nte Amoral der Bibel (Altes wie Neues Tes­ta­ment) und die Geschichte der Kirche, ins­beson­dere ihres katholis­chen und lutherischen Zweiges, wer­den aus­führlich behan­delt.

Die bei­den Kapitelüber­schriften sprechen für sich, eben­so die Über­schriften der Unterkapi­tel:

* Nach­denken über Gott, seine weltlichen Vertreter und deren Moral (Von den verge­blichen Ver­suchen, Gottes Exis­tenz zu beweisen oder zu wider­legen; Theodizee – Gottes gren­zen­lose Liebe und das unendliche Lei­den in der Welt; Ist Moral ohne Gott möglich?; Was denken andere und was denke ich?)

* Endgültiger Abschied von Chris­ten­tum und Kirche (u. a. Die Bibel – Gottes Wort? Was wäre das für ein Gott!; Die erschüt­ternde Bilanz von 2000 Jahren Chris­ten­tum; Warum ›beken­nen‹ sich trotz­dem so viele Men­schen zum Chris­ten­tum?)

Eine Anmerkung dazu: ger­ade das zuerst genan­nte Kapi­tel kön­nte vielle­icht auch als sep­a­rater Son­der­druck eine weit­ere Ver­bre­itung find­en.

Auch wenn sich Lehn­ert in seinem Buch mit dem Chris­ten­tum auseinan­der­set­zt und daher immer den Begriff Gott gebraucht, so sollte auf­grund sein­er uni­versellen Welt­sicht und -betra­ch­tung dies immer wieder mit erwäh­nt wer­den: Es gibt nicht nur den Gott der Chris­ten und das Chris­ten­tum, son­dern unzäh­lige Göt­ter und Reli­gio­nen. Mit einem nicht in Anführungsze­ichen geset­zten Begriff Gott wird lei­der auch indi­rekt das Chris­ten­tum als einzig richtige und einzig mögliche Reli­gion anerkan­nt. Bess­er wäre es, auch bei Betra­ch­tun­gen zum Chris­ten­tum bzw. zu Reli­gion all­ge­mein immer von »Gott und Göt­tern« zu sprechen. Ger­ade wenn es um eine solche immer wiederkehrende Frage hierzu­lande geht: »Die Frage aller Fra­gen: die nach der Exis­tenz Gottes.«(S. 157)

Unter­stre­ichen kann man ohne Abstriche diese sog­ar noch höflich for­mulierte Fest­stel­lung Lehn­erts: »Auf­fäl­lig ist, wie viel logis­che Anstren­gung und gedankliche Phan­tasie The­olo­gen über Jahrhun­derte in die Kon­struk­tion solch­er Gottes­be­weise gesteckt haben, um ‚seine‘ Exis­tenz zu beweisen.« (S. 165) Und er bemerkt ganz trock­en auf der sel­ben Seite dies: »Die Frage nach der Exis­tenz der alten ägyp­tis­chen, griechis­chen oder zum Beispiel aztekischen Göt­ter ist heute auch keinem Men­schen mehr des Nach­denkens wert.«

Obwohl es nicht expliz­it zum Aus­druck kommt, so ste­ht doch die Fragestel­lung im Raum, warum aus­gerech­net der Gott der Chris­ten (der Gott der Juden) DER Schöpfer sein soll. Und aus Lehn­erts Aus­führun­gen, inklu­sive der vie­len Zitate aus der Bibel und anderen christlichen Trak­tat­en, wird deut­lich, warum sein­erzeit das Chris­ten­tum zur Staat­sre­li­gion gemacht wor­den ist und es hierzu­lande de fac­to immer noch ist: Damit die da unten nicht gegen die da oben auf­begehren, damit alles (die Eigen­tums- und Machtver­hält­nisse) so bleibt wie es ist, damit die Men­schen sich nicht selb­st ein men­schen­würdi­ges Dies­seits schaf­fen. Noch offen­bar­er wird die Rolle der betra­chteten Kirchen, wenn man anstelle des Begriffs Kirche den Begriff Priesterkaste ein­set­zt. Was bei Lehn­ert in Einzelfällen auch geschieht.

Nach­denkenswert ist diese Fest­stel­lung Lehn­erts: »Im Buch Jesa­ia, Kap.2, Vers 4 ste­ht übri­gens der oft zitierte Spruch, der gern als Beweis für die ange­blich friedenss­tif­ten­den Weisheit­en der Bibel her­aus­gestellt wird: ›Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schw­ert­ern und Winz­er­mess­er aus ihren Lanzen.‹ Daß im Buch Joel, Kap. 4, Vers 10 das genaue Gegen­teil ste­ht, wird geflissentlich ver­schwiegen, wenn man es denn über­haupt weiß oder wis­sen will: ›Schmiedet Schw­ert­er aus euren Pflugscharen und Lanzen aus euren Winzermessern!‹«(S. 229) …

Neuge­faßt und ergänzt wurde ins­beson­dere der dritte Abschnitt, beste­hend aus dem Kapi­tel VII »Über­legun­gen zu einem alter­na­tiv­en Welt- und Men­schen­bild.«

Hier geht Lehn­ert auf solche Fra­gen­stel­lun­gen und The­men ein, wie z. B.: Was ist der Sinn des Lebens?; Beken­nt­nis zu einem human­is­tis­chen Leben­skonzept; Ziele und Leit­bilder human­is­tis­ch­er und athe­is­tis­ch­er Organ­i­sa­tio­nen; Tren­nung von Staat und Religion(en) um des gesellschaftlichen Friedens willen.

Der Autor beruft sich hier u.a. auf die All­ge­meinen Men­schen­rechte in der Unab­hängigkeit­serk­lärung von 1776. Ja, diese For­mulierun­gen sind zeit­los und uni­versell, doch die Redlichkeit ver­langt auch diese Fest­stel­lung: Diese Rechte bezo­gen und beziehen sich teil­weise bis in die Gegen­wart nur auf weiße, christliche Män­ner, und das oft auch nur, wenn sie ver­mö­gend waren. Frauen und erst recht Schwarze und noch mehr die indi­ge­nen Völk­er blieben hier­von aus­geschlossen.

Bess­er begrün­det und ohne Wenn und Aber sind da die von ihm aus­führlich referierten Human­is­mus-Konzepte von Michael Schmidt-Salomon oder Joachim Kahl.

Lehn­ert set­zt sich hier auch mit den Posi­tio­nen der etablierten Parteien zum Ver­fas­sungs­ge­bot von Staat und Religion/Kirche(n) auseinan­der. Und da kom­men alle Parteien von CDU bis hin zu DIE LINKE nicht gut weg. Während er den Parteien CDU/CSU, FDP, SPD und DIE GRÜNEN deut­liche Kirchen­nähe bescheinigt, so nen­nt er die Posi­tion der LINKEN in dieser Frage oppor­tunis­tisch.

Bre­it­en Raum nimmt die Vorstel­lung des 2010 gegrün­de­ten laizis­tis­chen Arbeit­skreis­es in der SPD ein. Daß nahezu zeit­gle­ich sich auch in der LINKEN laizis­tis­che Arbeits­ge­mein­schaften gebildet haben, wird lei­der nur mit einem Satz erwäh­nt. Bei­den Grup­pierun­gen ist dur­chaus gemein­sam, daß das Partei-Estab­lish­ment von SPD und LINKE dem organ­isierten Laizis­mus alles andere als wohlgeson­nen gegenüber­ste­ht. Hinzuzufü­gen wäre der Unter­schied zwis­chen den Laizis­ten bei­der Parteien: In der SPD grün­de­ten Promi­nente »von oben« ihren Bun­de­sar­beit­skreis, während in der LINKEN die Ini­tia­tive von der Basis (zunächst in Bay­ern und Thürin­gen) aus­ging. Erwäh­nenswert wäre nicht zulet­zt das dezi­diert laizis­tis­che Pro­gramm der Pirat­en-Partei gewe­sen.

Für die poli­tis­che Durch­set­zung des Ver­fas­sungs­ge­botes zur Tren­nung von Staat und Reli­gio­nen sieht Lehn­ert zwei Alter­na­tiv­en: durch die beste­hen­den Parteien selb­st, ini­ti­iert durch das Wirken laizis­tis­ch­er Kräfte in diesen oder aber Grün­dung ein­er von ihm so genan­nten »Human­is­tis­chen Partei«, auch wenn dies zu Beginn nur eine Ein-Punkt-Partei sei. Angesichts der Kirchen­nähe bzw. -fre­undlichkeit aller gegen­wär­ti­gen Bun­destagsparteien favorisiert er die zweite Möglichkeit.

Abschließend for­muliert Uwe Lehn­ert im vierten Abschnitt, dem Kapi­tel VIII sein »Cre­do«, sein Plä­doy­er für einen weltan­schaulich und religiös neu­tralen Staat, für ein Men­schen­bild und eine Welt­sicht, die vom Men­schen aus­ge­ht — auf der Grund­lage wis­senschaftlich­er Erken­nt­nisse.

U. a. schreibt er hier: »Reli­gio­nen predi­gen den Men­schen, was sie zu denken haben, die Wis­senschaften, speziell die Natur­wis­senschaften, zeigen den Men­schen, wie sie denken sollen, um zu wirk­lichkeits­gerecht­en und damit men­schengemäßen Ein­sicht­en zu gelan­gen. (…) Warum sollte es aus­geschlossen sein, daß im Dies­seits das wirk­lich wird, was die [christliche; SRK] Reli­gion für ein ange­blich­es Jen­seits nur ver­spricht? Allein mod­erne Land­wirtschaft und Medi­zin haben hungern­den und kranken Men­schen mehr an ›Trost‹ bieten kön­nen als Glaube und Kirche je ver­mocht­en. (…) Der physis­che, psy­chis­che und moralis­che Zus­tand unser­er Gesellschaft wäre mit Sicher­heit weitaus befriedi­gen­der, wenn die in der Summe unge­heuren geisti­gen Anstren­gun­gen unzäh­liger The­olo­gen, das ange­bliche Wort Gottes, wie es in der Bibel niedergelegt ist, mit der Logik und der Wirk­lichkeit in Übere­in­stim­mung zu brin­gen, sich auf die Bewäl­ti­gung konkreter, die Men­schen tat­säch­lich bedrän­gen­der Prob­leme gerichtet hätten.«(S. 439/439)

Danke, lieber Pro­fes­sor Lehn­ert, denn dem ist nichts hinzuzufü­gen!

Negative Buchkritiken

Natür­lich provoziert ein solch­es kri­tis­ches Buch auch ablehnende Stel­lung­nah­men. Das ist legit­im und grund­sät­zlich nicht zu bean­standen.

Wie sich der Leser anhand der eingestell­ten Rezen­sio­nen auf mein­er Ama­zon-Buch­seite selb­st überzeu­gen kann, sind davon aber allen­falls eine oder zwei so sub­stan­ti­iert, dass sie Grund­lage ein­er sach­lichen Auseinan­der­set­zung darstellen. Inter­es­sant ist, dass ins­beson­dere diese weni­gen neg­a­tiv­en Rezen­sio­nen andere Leser her­aus­ge­fordert haben, sich gegen diese Rezensen­ten zu wen­den. Im Ergeb­nis liegen derzeit weit über 1000 (in Worten: tausend!) dies­bezügliche Diskus­sions­beiträge vor. Rezensent FMA hat lei­der einen Großteil sein­er Auseinan­der­set­zun­gen mit anderen Lesern wieder gelöscht.