Die beargwöhnte Vernunft: Religiöses und wissenschaftliches Weltbild decken sich immer weniger

Kir­che und Glau­ben in Deutsch­land

Beken­nen­den Chris­ten gemein­sam ist im Prin­zip der heils­ge­wis­se Glau­be an einen barm­her­zi­gen Gott, an die Erlö­sungs­be­dürf­tig­keit des Men­schen, an die Sün­den­ver­ge­bung durch den Opfer­tod von Jesus, an die eige­ne Wie­der­auf­er­ste­hung nach dem Tod, an eine wie auch immer gear­te­te Höl­le als Ort ewi­ger Ver­damm­nis. Wie vie­le der Kir­chen­mit­glie­der aber sind wirk­lich noch beken­nen­de Chris­ten? Das Spek­trum christ­li­cher Glau­bens­pra­xis in Deutsch­land reicht vom Krea­tio­nis­mus, also einer ganz wört­li­chen Inter­pre­ta­ti­on der Bibel, bis hin zum Athe­is­mus(!) in der Kir­che. Eine Stu­die über den Glau­ben der Hes­sen ergab jüngst, dass Chris­ten im enge­ren Sin­ne sogar inner­halb der Kir­chen inzwi­schen eine Min­der­heit dar­stel­len.

Im Bio­lo­gie-, im Phy­sik-, im Lebens­kun­de­un­ter­richt erhal­ten Schü­ler Ein­sich­ten, die viel­fach im Wider­spruch zu reli­giö­sen Auf­fas­sun­gen ste­hen. Die Fra­ge ist, wie­weit dür­fen reli­giö­ses und wis­sen­schaft­li­ches Welt­bild in einem sich auf­ge­klärt nen­nen­den Men­schen aus­ein­an­der klaf­fen, ohne den Tat­be­stand intel­lek­tu­el­ler Unred­lich­keit zu erfül­len? In einem humo­ri­gen Bei­trag einer ame­ri­ka­ni­schen Zei­tung wur­de die fol­gen­de – kor­rek­te – Sta­tis­tik wie­der­ge­ge­ben: Wenn alle Athe­is­ten die USA ver­lie­ßen, ver­lö­re z.B. die Natio­nal Aca­de­my of Sci­en­ces 93% ihrer Mit­glie­der, die Gefäng­nis­se weni­ger als 1%.

Wie sieht die Natur­wis­sen­schaft heu­te die Welt?

Eine streng natur­wis­sen­schaft­lich ori­en­tier­te Phi­lo­so­phie geht davon aus, dass die Welt mate­ri­ell-ener­ge­ti­scher Natur ist und alles Gesche­hen sich nach erforsch­ba­ren Gesetz­mä­ßig­kei­ten voll­zieht. Über­na­tür­li­che Wesen­hei­ten zur Erklä­rung der Welt sind aus natu­ra­lis­ti­scher Sicht weder erfor­der­lich noch irgend­wie erkenn­bar. Von phi­lo­so­phi­scher und theo­lo­gi­scher Bedeu­tung sind heu­te vor allem die Erkennt­nis­se der Kos­mo­lo­gie, Quan­ten­phy­sik, Evo­lu­ti­ons­theo­rie, Hirn­for­schung und Sozio­bio­lo­gie. Letz­te­re ist von beson­de­rer Bedeu­tung, weil sie erst­mals die natür­li­che, also inner­welt­li­che Grund­le­gung von Moral behaup­tet.

Folgt man der­zei­ti­gen kos­mo­lo­gi­schen Theo­ri­en, dann beginnt der aller­ers­te Anfang unse­rer Welt anschei­nend mit einer logi­schen Unmög­lich­keit: Die Erschaf­fung der Welt aus dem Nichts. Schließ­lich sagt uns unse­re mil­lio­nen­fach bestä­tig­te Lebens­er­fah­rung, dass aus Nichts nichts kom­men kön­ne. Ein Blick in die bizar­re Welt des Mikro­kos­mos erlaubt, die­sen Wider­spruch auf­zu­lö­sen. Dort war­tet die Quan­ten­theo­rie mit Phä­no­me­nen auf, die unse­rer All­tags­lo­gik voll­stän­dig zuwi­der lau­fen. Das Gesetz der Kau­sa­li­tät, über­haupt die Prin­zi­pi­en unse­rer All­tags­lo­gik gel­ten dort weit­ge­hend nicht mehr. Unse­re All­tags­lo­gik gilt offen­bar nur im sog. Mes­o­kos­mos, also im Bereich, in dem wir phy­sisch agie­ren und in dem sich unse­re Anschau­ung, unse­re Spra­che und unser Den­ken ent­wi­ckelt haben.

Die Unver­ein­bar­keit bestimm­ter Erkennt­nis­se der Kos­mo­lo­gie und Mikro­phy­sik mit unse­rer All­tags­lo­gik lässt sich nur auf­he­ben, wenn wir die uns ver­trau­te, mit unse­rem Den­ken evo­lu­tio­när ent­stan­de­ne und auf Basis der Kau­sa­li­tät arbei­ten­de Logik als einen Spe­zi­al­fall einer umfas­sen­de­ren Logik, einer »Welt­lo­gik«, auf­fas­sen. Ähn­lich der New­ton­schen Him­mels­me­cha­nik, die sich als Spe­zi­al­fall der wesent­lich umfas­sen­de­ren Ein­stein­schen Rela­ti­vi­täts­theo­rie erwies. Die Struk­tu­ren unse­rer der­zeit als gül­tig ange­se­he­nen Logik ent­spre­chen offen­bar nicht voll­stän­dig den Struk­tu­ren der Wirk­lich­keit.

Der Astro­phy­si­ker Ste­phen Haw­king erläu­tert in sei­nem jüngst erschie­nen Buch »Der gro­ße Ent­wurf« sei­ne Vor­stel­lun­gen vom Ursprung des Uni­ver­sums. Einen Schöp­fer hält er für ent­behr­lich. Er lei­tet aus sei­nen Glei­chun­gen ab, dass das Uni­ver­sum nicht erschaf­fen wur­de, son­dern aus dem Nichts ent­stand. In kei­nem sei­ner Glei­chungs­sys­te­me tau­che auch nur der Hauch einer Idee auf, unser Uni­ver­sum könn­te das Ergeb­nis eines wil­lent­li­chen Schöp­fungs­ak­tes sein.

Äußert sich hier fre­vel­haf­ter Über­mut, gar mensch­li­che Ver­mes­sen­heit oder nur die küh­le und zwangs­läu­fi­ge, uns ein­fach unver­ständ­li­che Logik kos­mo­lo­gi­scher Rechen­mo­del­le? Wir müs­sen uns wohl damit abfin­den, mit unse­rem All­tags­ver­stand nicht begrei­fen zu kön­nen, wel­che Logik und wel­che Prin­zi­pi­en jen­seits des uns Sicht- und Ver­steh­ba­ren unse­re Exis­tenz her­vor­ge­bracht haben. Es ist die­se unüber­wind­lich erschei­nen­de Gren­ze unse­res Ver­ste­hens, die zu der theo­lo­gi­schen Behaup­tung führt, es gäbe über die uns erkenn­ba­re Rea­li­tät hin­aus noch eine Tran­szen­denz, zu der wir zwar kei­nen Zugang hät­ten, wohl aber geof­fen­bar­te Infor­ma­tio­nen. Die Beweis­last für eine sol­che Exis­tenz-Behaup­tung trägt aber bekannt­lich der Behaup­ten­de.

Auch die Tat­sa­che, dass das Leben auf die­ser Erde und das Auf­tau­chen des Men­schen kei­nem pla­nen­den »Desi­gner«, son­dern der Fähig­keit der Mate­rie zur Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on zu ver­dan­ken sein sol­len, fällt unse­rem auf Ziel und Sinn ori­en­tier­ten Den­ken eben­falls schwer zu glau­ben. Die Dar­win­sche Bot­schaft lau­tet: In der Pflan­zen- und Tier­welt exis­tiert das, was sich aus dem Zusam­men­spiel von zufäl­li­ger Erb­gut­va­ria­ti­on und Ein­wir­kung der Umwelt erge­ben hat und fort­pflan­zen konn­te, alles ande­re hat sich nicht durch­ge­setzt und ist folg­lich nicht vor­han­den. Das Exis­tie­ren­de erscheint uns als gewollt, weil wir gewohnt sind, Zweck­mä­ßi­ges und Ange­pass­tes in den Kate­go­ri­en von Ziel und Plan zu inter­pre­tie­ren. Aber selbst die kom­ple­xes­ten Orga­nis­men mit den raf­fi­nier­tes­ten Regel- und Infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tungs-sys­te­men sind nicht das Ergeb­nis plan­vol­ler Schöp­fung, sie sind die in einem Mil­li­ar­den Jah­re wäh­ren­den Pro­zess von zufäl­li­ger Erbän­de­rung und natür­li­cher Aus­le­se geform­ten Resul­ta­te. Die ein­ma­li­ge Genia­li­tät von Dar­win lag in die­sem Wech­sel der Sicht­wei­se.

Die christ­lich-kirch­li­che Auf­fas­sung von der len­ken­den Schöp­fer­hand hin­ter aller Ent­wick­lung steht mit ihrem teleo­lo­gi­schen (ziel­ge­rich­te­ten) Natur­ver­ständ­nis im logi­schen Wider­spruch zur Evo­lu­ti­ons­theo­rie, die eben nicht ziel­ori­en­tiert argu­men­tiert. Die Vor­stel­lung von einem plan­voll vor­ge­hen­den Schöp­fer ist auch ent­behr­lich, weil sie kei­nen ein­zi­gen Evo­lu­ti­ons­schritt ver­ständ­lich macht, sie ver­la­gert das Erklä­rungs­pro­blem ledig­lich in Rich­tung eines in sei­ner Exis­tenz uner­klär­ten Schöp­fers. Hier ste­hen sich zwei kon­kur­rie­ren­de Erklä­rungs­an­sät­ze dia­me­tral gegen­über: ein teleo­lo­gi­scher, vom Ziel der Ent­wick­lung her den­kend, und ein kau­sa­ler, von den Ursa­chen der Ent­wick­lung her den­kend. Der christ­li­che Glau­be erklärt die Welt und den Men­schen inten­tio­nal, aus­ge­hend vom Wil­len Got­tes. Die Natur­wis­sen-schaft denkt und erklärt kau­sal, aus­ge­hend von den mate­ri­ell-ener­ge­ti­schen Gege­ben­hei­ten.

Die Gül­tig­keit der Evo­lu­ti­ons­theo­rie wird auf­grund der erdrü­cken­den Beweis­last von den Wis­sen­schaf­ten, ja selbst von der katho­li­schen und evan­ge­li­schen Kir­che im Grund­satz nicht mehr bestrit­ten. Den­noch wird die Fra­ge ihrer Bedeu­tung in Bezug auf das Selbst­ver­ständ­nis des Men­schen kei­nes­falls ein­hel­lig beant­wor­tet. Für die Kir­che bleibt der Mensch das gott­ge­woll­te Ziel der Evo­lu­ti­on und der End­punkt, ja die Krö­nung die­ser Ent­wick­lung. Wenn ich aber von der Rich­tig­keit der Evo­lu­ti­ons­theo­rie über­zeugt bin, wel­chen Anlass soll­te ich dann haben, einer etwa drei­tau­send Jah­re alten bibli­schen Legen­de Glau­ben zu schen­ken, dass ich mein Dasein und mei­ne Bedeu­tung in die­ser Welt einem über­na­tür­li­chen Schöp­fungs­akt ver­dan­ke?

Dass schließ­lich die bis­her höchs­te Aus­for­mung aller Exis­tenz, näm­lich Geist und Bewusst­sein, eben­falls »nur« eine Erschei­nungs­form des Mate­ri­el­len sein sol­len, das erscheint uns nun über­haupt nicht mehr begreif­bar. Aber mit dem Auf­kom­men der moder­nen Natur­wis­sen­schaf­ten gewann die Auf­fas­sung immer mehr Anhän­ger, dass das mate­ri­el­le Sein die eigent­li­che Wirk­lich­keit dar­stel­le und Geist und Bewusst­sein Funk­tio­nen der Mate­rie sei­en. Von den meis­ten Hirn­for­schern wird heu­te die Über­zeu­gung ver­tre­ten, dass psy­chi­sche und mit ihnen kor­re­spon­die­ren­de neu­ro­na­le Pro­zes­se nur ver­schie­de­ne Erschei­nungs­for­men ein und des­sel­ben Vor­gangs sind, und Phä­no­me­ne wie Den­ken, Füh­len oder Bewusst­sein kei­nen eige­nen Seins­sta­tus besit­zen, son­dern »ledig­lich« Funk­tio­nen des Gehirns sind, die ohne des­sen Exis­tenz nicht exis­tie­ren.

Bleibt eine letz­te Bas­ti­on christ­lich-reli­giö­ser Über­zeu­gung, die Auf­fas­sung näm­lich, dass das mora­li­sche Nor­men­sys­tem, wie es sich vor allem in den Zehn Gebo­ten kon­kre­ti­siert hat, sei­ne Ver­an­ke­rung nur im Abso­lu­ten, im Gött­li­chen haben kön­ne. Selbst Kant war die­ser Auf­fas­sung. Wenn es kei­nen Gott gäbe, dann gäbe es für uns Men­schen letzt­lich kei­nen zwin­gen­den Grund, uns sitt­lich und mora­lisch zu ver­hal­ten. Nur die Aus­sicht auf Beloh­nung oder Stra­fe in einer jen­sei­ti­gen Welt hält uns an, uns auch mora­lisch zu ver­hal­ten. Die noch jun­ge Sozio­bio­lo­gie kann jedoch anhand vie­ler Befun­de zei­gen, dass unser mora­li­sches Ver­hal­ten gene­ti­sche Wur­zeln hat.

Koope­ra­ti­on und Mit­ge­fühl, Selbst­lo­sig­keit und Hilfs­be­reit­schaft bil­den die Keim­zel­len der Moral. Offen­kun­dig haben tie­ri­sche wie mensch­li­che Gesell­schaf­ten bes­ser oder über­haupt nur über­lebt, weil ihre Mit­glie­der zu die­ser Form des Zusam­men­le­bens bereit waren: Gemein­sa­me Nah­rungs­be­schaf­fung, Tei­len in der Not, gemein­sa­me Abwehr von Fein­den und barm­her­zi­ge Hil­fe auf­grund von Mit­leid. Wer koope­riert erhöht die Chan­ce, dass sei­ne Grup­pe und damit auch er selbst über­lebt. Auch gegen­sei­ti­ge Hil­fe in Not­la­gen erhöht die Über­le­bens­chan­cen. Sol­che – wohl zunächst muta­ti­ons­be­dingt zufäl­li­gen – Ver­hal­tens­wei­sen stell­ten also einen Selek­ti­ons­vor­teil dar und sind des­halb auf evo­lu­ti­vem Weg erb­li­cher Bestand­teil unse­res Ver­hal­tens gewor­den. Mora­li­sches, sprich sozi­al vor­teil­haf­tes Ver­hal­ten, ist also kei­nes­falls nur Ergeb­nis von Kul­tur und Erzie­hung, es hat ganz offen­bar eine stam­mes­ge­schicht­li­che Ent­wick­lung durch­lau­fen und ist uns als grund­le­gen­de Dis­po­si­ti­on von Geburt an mit­ge­ge­ben.

Glau­be und Wis­sen beschrei­ben unter­schied­li­che Wel­ten

Das neue Men­schen­bild wird Abschied neh­men von der Vor­stel­lung einer unsterb­li­chen See­le und einem Geist, die ihren unmit­tel­ba­ren Ursprung in Gott haben und uns mit ihm ver­bin­den. Schließ­lich zei­gen höher ent­wi­ckel­te Tie­re, dass auch sie schon ansatz­wei­se über Denk­ver­mö­gen und Bewusst­sein ver­fü­gen. Hier zeigt sich wie­der­um, dass die Kir­che das Dar­win­sche Kon­zept nur halb­her­zig akzep­tiert hat, denn sie hält nach wie vor an eigen­stän­di­gen, gött­lich ein­ge­flöß­ten Wesen­hei­ten wie Geist und See­le fest. Die bio­lo­gi­schen und neu­ro­lo­gi­schen Erkennt­nis­se engen jedoch den Spiel­raum für meta­phy­si­sche Ein­fluss­grö­ßen, die den Men­schen über sei­ne bio­lo­gi­sche und sozia­le Natur hin­aus­he­ben wür­den, immer mehr ein. Wenn das, was unse­re Per­sön­lich­keit aus­macht, unser Den­ken, unse­re Gefüh­le, unse­re Erfah­run­gen, unser Bewusst­sein von uns und die­ser Welt, auch ein das Dies­seits tran­szen­die­ren­der Glau­be, gebun­den sind an die neu­ro­lo­gi­schen Struk­tu­ren unse­res Gehirns, die mit unse­rem Tod zer­fal­len wie unser übri­ger Kör­per, dann wird es immer weni­ger plau­si­bel, dass wir etwas von uns als unsterb­li­chen Teil in ein Jen­seits hin­über ret­ten könn­ten.

Theo­lo­gen und vie­le Gläu­bi­ge akzep­tie­ren heu­te meist die Erkennt­nis­se der Natur­wis­sen­schaf­ten, wenn man von der Bibel­fi­xiert­heit der Krea­tio­nis­ten ein­mal absieht, auch die Fak­ten der Evo­lu­ti­ons­theo­rie wer­den aner­kannt. Wohl des­we­gen, weil sie ihnen nichts Plau­si­bles ent­ge­gen zu set­zen haben. Sie über­neh­men aber für sich nicht die ratio­na­le und sys­te­ma­ti­sche Denk­wei­se, die die­se Ergeb­nis­se her­vor­ge­bracht hat. Vor allem die aus den wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen der Kos­mo­lo­gie und Evo­lu­ti­ons­theo­rie sich erge­ben­den phi­lo­so­phisch-theo­lo­gi­schen Kon­se­quen­zen wer­den nicht akzep­tiert. Es wie­der­holt sich heu­te, was zum Bei­spiel Kep­ler und Gali­lei zu ihrer Zeit erle­ben muss­ten: Wenn Bibel und Wirk­lich­keit nicht über­ein­stim­men, dann muss sich die Wirk­lich­keit in Form der Wis­sen­schaft irren, nicht ein tau­sen­de Jah­re alter Schöp­fungs­my­thos.

Den meis­ten Gläu­bi­gen ist es offen­bar pro­blem­los mög­lich, mit einem abge­lehn­ten Welt­bild zu leben, des­sen natur-wis­sen­schaft­li­che, medi­zi­ni­sche und tech­ni­sche Früch­te sie den­noch in Anspruch neh­men, das aber nur ent­ste­hen konn­te, weil man die alte Welt­an­schau­ung über­wand. Bei­des passt nicht zusam­men, aber man kann gut damit leben, wenn man dem kon­se­quen­ten Nach­den­ken an die­ser Stel­le aus dem Weg geht.

Die Über­le­gen­heit einer natu­ra­lis­ti­schen Welt­sicht zeigt sich vor allem in der welt­wei­ten Gül­tig­keit ihrer Grund­la­gen. In jedem Land der Erde, unab­hän­gig von jewei­li­ger Kul­tur oder Reli­gi­on, gel­ten die glei­che Phy­sik und die glei­che Bio­lo­gie. Die­se welt­wei­te Gül­tig­keit kann man den zahl­lo­sen und grund­ver­schie­de­nen Leh­ren vom »rech­ten Weg zum See­len­heil« gewiss nicht zuspre­chen. Reli­gio­nen pre­di­gen den Men­schen, was sie den­ken sol­len, die Wis­sen­schaf­ten, spe­zi­ell die Natur­wis­sen­schaf­ten zei­gen den Men­schen, wie sie den­ken sol­len, um zu wirk­lich­keits­ge­rech­ten und damit men­schen-gemä­ßen Ein­sich­ten zu gelan­gen.

Men­schen­ge­mäß heißt aber auch, anzu­er­ken­nen, dass es Fra­gen über die Welt und uns gibt, die wir heu­te noch nicht, viel­leicht nie wer­den beant­wor­ten kön­nen. Das Bedürf­nis nach Ant­wor­ten dar­auf ist zutiefst mensch­lich und hat eine – wie man sagen könn­te – spi­ri­tu­el­le Dimen­si­on. Dem wis­sen­schaft­lich gepräg­ten Ver­stand soll­ten sol­che Ant­wor­ten aber nicht wider­spre­chen. Denn Wis­sen­schaft unter­schei­det sich grund­le­gend vom Glau­ben: Wis­sen­schaft ist grund­sätz­lich ver­nunft­ge­steu­ert und ergeb­nis­of­fen, Glau­be ist heils­ge­wiss ver­trau­end und in sei­nen Grund­zü­gen dog­ma­tisch fest­ge­schrie­ben.